Banken vor der Einigung – Wenig Chancen für Subventionen
Fiat winkt neue Hilfe

Für den angeschlagenen Fiat-Konzern steigen die Chancen auf kurzfristige Finanzhilfen. Die Hausbanken stehen vor einer Einigung über eine zusätzliche Spritze in Milliardenhöhe.

mab/sce MAILAND/BRÜSSEL. Die Hausbanken von Fiat haben am Dienstag fieberhaft an einem Notplan für den angeschlagenen Konzern gearbeitet. Vorgesehen ist, kurzfristige Darlehen in langlaufende Kredite sowie in eine Wandelschuldverschreibung umzuwandeln. Das würde die Schuldenstruktur des größten italienischen Industrieunternehmens verbessern. Ziel ist es, eine mögliche Abwertung durch die Ratingagentur Moody?s und die drohende Verteuerung des Schuldendienstes zu verhindern.

Im Gegenzug soll sich Fiat verpflichten, schneller und radikaler als bislang vorgesehen sein Beteiligungsportfolio zu straffen. Außer dem Autozulieferer Magneti Marelli, dem Anlagenbauer Comau und der Metallurgietochter Teksid gilt nunmehr auch die profitable Flugzeugtochter Fiat Avio als sicherer Verkaufskandidat. Letztere könnte nach Analystenschätzungen rund 2 Mrd. Euro einbringen, was knapp einem Drittel der Nettoschuldenlast (6,6 Mrd. Euro) entspricht.

Nach Informationen des Handelsblatts werden die beteiligten italienischen Großbanken Intesa Bci, San Paolo IMI und Banca di Roma vorerst kein zusätzliches Geld an Fiat zahlen. Die Umwandlung kurzfristiger Darlehen sei ausschließlich struktureller Natur, hieß es am Nachmittag in Mailand. Das größte Zugeständnis seitens der Banken sei die Zeichnung der Wandelschuldverschreibung ("convertible bond") im voraussichtlichen Volumen von 2 bis 3 Mrd. Euro, die nach Ablauf einer Frist von vermutlich fünf Jahren in Aktien des Autoherstellers gewandelt werden kann. Sollte es dazu kommen, würde der Anteil der Gründerfamilie Agnelli von derzeit 30,6 % erheblich verwässert. Das sei aber nicht die Zielsetzung der Hausbanken, so ein der Intesa Bci nahe stehender Manager. Mit den Erträgen aus den geplanten Beteiligungsverkäufen könnte Fiat die Wandelschuldverschreibung auslösen, wodurch der Aktionärskreis unverändert bliebe.

Die Börse reagierte positiv auf die geplanten neuen Hilfen. Im Tagesverlauf stieg der Kurs der Fiat-Aktie um 2,5 %. Einen zusätzlichen Schub gab es für das Papier, da Umberto Agnelli aus der Fiat-Gründerfamilie gestern einen Verkauf der verlustreichen Autosparte nicht mehr vollends ausschließen wollte. "Wir alle hoffen, dass eine positive Entwicklung dieses Geschäftsfeldes innerhalb des Fiat-Konzerns möglich ist. Sollte es anders kommen, müssen wir alle Beteiligten unterstützen, das Beste daraus zu machen", sagte er. Beim Fiat-Partner General Motors wird im Moment diskutiert, ob man auch vorzeitig die von 2004 an laufende Kaufoption für 80 % der Fiat-Autosparte ausüben würde, sollte die Agnelli-Familie ein entsprechendes Angebot unterbreiten.

Die Ereignisse beschäftigen auch die Regierung Berlusconi in Rom. Am Abend ist ein Treffen von vier Ministern anberaumt worden. Sie werden über staatliche Hilfen für den Konzern diskutieren. Auf der Tagesordnung stehen steuerliche Anreize für den Kauf von Autos mit umweltschonenden Motoren gewährt. Direkte staatliche Hilfen an Fiat sind aufgrund des europäischen Wettbewerbsrechtes ausgeschlossen. Ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti sagte in Brüssel, dass sich die Förderung umweltfreundlicher Autos nicht allein auf Fiat beschränken dürfe.

Quelle: Handelsblatt

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