Banken werden zwischengeschaltet
Mobilcom soll fusionieren

Nach wochenlangem Streit mit Großaktionär France Telecom gibt Mobilcom-Chef Gerhard Schmid sein Aktienpaket an seinem Unternehmen ab und scheidet bis Mitte April aus dem Vorstand aus. Hintergrund ist der Streit der beiden Firmen über die Investitionen zum Aufbau des UMTS-Mobilfunks in Deutschland.

Reuters PARIS/BÜDELSDORF. Der französische Telekommunikationskonzern und Schmid einigten sich einer Mitteilung vom Dienstag zufolge darauf, dass der Gründer des Büdelsdorfer Mobilfunkanbieters seine Anteile an eine Gruppe von Banken abgibt. Die Haupt-Gläubigerbanken von Mobilcom, ABN Amro, Deutsche Bank, Merrill Lynch und Societe Générale, würden voraussichtlich in einer Gruppe von vier bis fünf Banken sein, die Schmids Mobilcom-Anteil für 22 Euro je Aktie kaufen werden, hieß es in den Kreisen am Dienstag weiter. Schmid selbst sagte, anschließend werde er bis spätestens Mitte April aus dem Mobilcom-Vorstand ausscheiden. Durch die Aufteilung des Aktienpakets von 39,7 % soll ein nach dem Übernahmegesetz fälliges gleich lautendes Kaufangebot an die Kleinaktionäre offenbar vermieden werden. Der Kurs der am Neuen Markt notierten Mobilcom-Aktie drehte nach anfänglichen Zuwächsen ins Minus.

Analysten äußerten sich unterschiedlich über die zu erwartenden Auswirkungen auf den deutschen Telekom-Markt. Während ein Teil der Branchenexperten davon ausgeht, dass die Konsolidierung auf dem mit sechs Anbietern als überbesetzt geltenden deutschen Mobilfunkmarkt einen neuen Impuls erhält, erwarten andere dies noch nicht. Voraussetzung für einen Zusammenschluss der Mobilcom AG etwa mit dem kleineren Anbieter E-Plus sei, dass einer von beiden seine UMTS-Lizenz abgebe. Die Bonner Regulierungsbehörde für Post und Telekom bekräftigte, dass ein Lizenzinhaber nicht von einem anderen Unternehmen übernommen werden dürfe, das eine UMTS-Lizenz besitze. Dies sei Grundlage für die Versteigerung der UMTS-Lizenzen im August 2000 gewesen.

Die bereits mit 28,5 % an Mobilcom beteiligte France Telecom betonte in Paris, man wolle Minderheitsaktionär von Mobilcom bleiben. Analysten interpretierten die Aussage so, dass der hoch verschuldete französische Konzern verhindern wolle, dass die Schulden von Mobilcom in seiner Bilanz berücksichtigt werden müssen. Als wahrscheinlich wurde weiterhin ein Modell erachtet, bei dem die Banken Schmids Anteile nur vorübergehend halten und später an die France Telecom weiterreichen.

Wochenlanger Streit geht zu Ende

Schmid soll die Kaufsumme für sein Aktienpaket nach einem Bericht der "Telebörse" in bar erhalten. Das Magazin berief sich dabei auf Aussagen von Schmid selbst. Noch am Montag hatte es geheißen, Schmid erhalte für seine Anteile voraussichtlich Aktien des Mobilfunkanbieters Orange, über den France Telecom seine Beteiligung an Mobilcom hält. Schmid kündigte nach dem Bericht des Magazins zudem an, wenn er die letzte Aktie übergeben habe, scheide er aus dem Mobilcom-Vorstand aus. Dies werde spätestens bis Mitte April der Fall sein.

Mit der Lösung geht ein wochenlanger Streit über die Strategie von Mobilcom beim Aufbau des UMTS-Mobilfunks in Deutschland zu Ende, der die Existenz von Mobilcom in Gefahr zu bringen drohte. Hintergrund waren unterschiedliche Auslegungen eines Kooperationsabkommens mit France Telecom. Während Schmid bis 2003 rund 1,4 Mrd. ? in den Netzaufbau investieren und möglichst schnell ein UMTS-Angebot starten wollte, verlangte France Telecom, die Ausgaben zu strecken. Der französische Konzern strebt nach eigener Aussage eine Kooperation von Mobilcom mit einem anderen Mobilfunkanbieter in Deutschland an.

France Telecom: Für Mobilcom macht Kooperation Sinn

Der Finanzchef von France Telecom, Jean-Louis Vinciguerra, sagte in Paris: "Wir denken, es macht Sinn, dass Mobilcom mit einem anderen Player in Deutschland fusioniert oder in bestimmten Punkten zusammenarbeitet." Konzernchef Michel Bon hatte zuletzt gesagt, sein Unternehmen wolle Minderheitsaktionär eines echten Herausforderers der deutschen Marktführer T-Mobile und Vodafone D2 sein. Für Mobilcom könne er sich eine Allianz mit jedem der drei kleineren Anbieter E-Plus, Viag Interkom (O2) und Quam vorstellen.

Joachim Koller vom Bankhaus Merck Finck sagte: "Eine Konsolidierung wird nun wahrscheinlicher." Er rechne damit, dass Mobilcom mit E-Plus zusammengehen werde. Dagegen würden die beiden Mobilfunkanbieter Quam und O2 wahrscheinlich mittel- bis langfristig vom Markt verschwinden, sagte Koller.

Werner Staeblein von der BHF Bank verwies auf Verbindlichkeiten bei E-Plus von 13 Mrd. ?. "E-Plus ist 13 Mrd. nicht wert, eher die Hälfte", sagte er. Eine Übernahme durch France Telecom sei daher unwahrscheinlich. Mobilcom werde nach dem Verkauf an die Banken wahrscheinlich die UMTS-Investitionen "auf kleiner Flamme" fortsetzen, um die Lizenzbedingungen einzuhalten. Eine E-Plus-Sprecherin sagte zu dem Vorschlag von France Telecom, es fänden keine Gespräche statt. Die niederländische KPN erklärte, bisher habe sich bei ihr niemand gemeldet. Viag Interkom verwies auf die bestehende Kooperation beim UMTS-Netzaufbau mit der Telekom-Tochter T-Mobile. Weitere Partnerschaften seien nicht geplant. Ein Sprecher des Mobilfunkanbieters Quam sagte: "Wir haben noch keine Position dazu, dafür ist es noch viel zu früh."

Die Mobilcom-Aktie, die zuletzt wegen der Spekulationen über Schmids Rückzug bereits kräftig zugelegt hatte, gewann am Dienstag zunächst fünf Prozent an Wert. Bis zum Nachmittag büßte der Titel seinen Zugewinn wieder ein und notierte mit 14,90 ? um 0,7 % im Minus. Mobilcom zählt zu den Pionieren des Neuen Marktes. Die Ausgabe der Mobilcom-Aktien vor fünf Jahren war der erste Börsengang an das neue Wachstumssegment.

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