Banken wollen Markt für die Verbriefungen ankurbeln
Sparkassen sollen mit ins Boot

Fünf private Großbanken und die KfW wollen ein gemeinsames Unternehmen für Kreditverbriefungen gründen. Es soll im Sommer starten. Noch in dieser Woche laufen Gespräche über eine Teilnahme der Sparkassen an. Finanzkreise räumen den Vorhaben gute Chancen ein und auch die EU-Kommission hat keine prinzipiellen Einwände.

nw/pk/pot FRANKFURT/M. Die fünf Großbanken - Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank, Hypo-Vereinsbank und die genossenschaftliche DZ Bank - und die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wollen auch die Sparkassen in ihr geplantes Gemeinschaftsunternehmen für Kreditverbriefungen aufnehmen. Noch in dieser Woche werde es Gespräche mit der Dekabank geben, sagte KfW-Chef Hans Reich bei der Vorstellung der Initiative gestern in Frankfurt. Die Sparkassen, die dem Vorstoß der Banken bisher eher skeptisch gegenüberstehen, erhoffen sich von den Gesprächen zunächst einmal nähere Informationen über die Pläne der Banken.

Sollten sich die Sparkassen der Verbriefungsgesellschaft anschließen, wäre darin nahezu die gesamte deutsche Kreditwirtschaft vertreten. Die Institute wollen über das Gemeinschaftsunternehmen Kredite bündeln, in Wertpapiere umwandeln und am Kapitalmarkt platzieren. Im Fachjargon heißt dieses Prozedere "True Sale-Verbriefung". Damit entlasten die Banken ihre Bilanzen und gewinnen Spielraum für die Vergabe neuer Kredite. Dies soll vor allem mittelständischen Unternehmen zu Gute kommen, von denen viele eine restriktive Kreditvergabe der Banken beklagen (siehe unten).

Reich betonte, es handele sich nicht um die Gründung einer "Bad Bank", die faule Kredite entsorge. "Schlechte Kredite dürfen und werden nie dabei sein", betonte Reich. Das geplante Gemeinschaftsunternehmen, an dem alle Banken einen in etwa gleich hohen Anteil halten werden, soll noch in diesem Jahr erste Emissionen am Markt platzieren. Angepeilt wird laut Reich ein jährliches Emissionsvolumen im niedrigen zweistelligen Milliardenbereich.

Mit ihrem Gemeinschaftsprojekt wollen die Banken den Markt für Kreditverbriefungen (Asset Backed Securities/ABS) ankurbeln. Zwar haben etwa Deutsche Bank und Hypo-Vereinsbank schon in der Vergangenheit Kredite in Eigenregie verbrieft. Doch insgesamt ist der ABS-Markt in Deutschland weniger entwickelt als etwa in den USA oder Großbritannien. Mit dem gemeinsamen Vorgehen wollen sich die Institute mehr Aufmerksamkeit bei internationalen Investoren verschaffen. Reich will ein Markenzeichen "ABS made in Germany" schaffen.

Damit begibt sich die deutsche Kreditwirtschaft auf neues Terrain, denn im Ausland verbriefen die Banken ihre Kredite meist in eigener Regie. "Gemeinsame Emissionen mehrerer Banken sind in Europa sehr selten", sagte Stefan Bund, bei der Ratingagentur Fitch verantwortlich für deutsche strukturierte Finanzierungen. In Spanien gebe es aber zwei Programme, unter denen mehrere Institute gemeinsam Pfandbriefe auf den Markt bringen oder staatlich geförderte Mittelstandskredite verbriefen.

In Finanzkreisen wurde die Initiative überwiegend positiv aufgenommen. "Den Banken und der KfW kann es gelingen, ein international anerkanntes Programm zu schaffen mit ähnlich strukturierten Emissionen und hoher Standardisierung", sagte Bund. Dies bringe Beteiligten Vorteile bei den Investoren. Das Vorbild auf lange Sicht wäre der Pfandbriefmarkt. Auch Carl Christian von Weizsäcker, Wirtschaftsprofessor an der Universität Köln, befürwortet das Vorhaben der Banken. "Es ist nicht falsch, dass sie gemeinsam den Markt für "True Sale"-Verbriefungen schaffen wollen, den es in Deutschland bislang nicht gibt". Durch das gemeinsame Vorgehen erreichten die Banken hohe Volumina und machten den Markt liquide. Entscheidend für die Frage, ob der Wettbewerb durch das gemeinsame Vorgehen verzerrt werde, sei dass über die KfW keine Subventionen gegeben würden, sagte von Weizsäcker.

Die Kreditinstitute sehen keine kartellrechtlichen Probleme. Reich stellte gestern klar, dass die KfW keinerlei Garantien für die Kredite übernehmen werde, die als Beihilfen eingestuft werden könnten. Diese Sichtweise teilt offenbar auch die EU-Kommission. Das Gemeinschaftsunternehmen sei unproblematisch, falls die KfW nicht für die Verbriefungen in Haftung tritt, zitierte gestern die Nachrichtenagentur Reuters einen Kommissionsbeamten.

Einig sind sich Experten aber auch darin, dass sich die Vorteile für die Banken in Grenzen halten. Die Probleme der Branche mit faulen Krediten würden durch die Verbriefungen nicht beseitigt, sagte Corinna Dröse, Analystin bei Credit Agricole Indosuez. Vermutlich müssten die Banken beim Verkauf zunächst drauf zahlen, da sie von ihren Kreditkunden in der Vergangenheit niedrigere Zinsen verlangt hätten, als die potenziellen Käufer der ABS-Papier verlangen würden. Langfristig könnten die Banken aber profitieren, da sie das durch die Verbriefung frei gesetzte Eigenkapital zu Vergabe neuer, teurer Kredite nutzen könnten.

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