Bankenaufsicht will das Auslagerungsverbot von Geschäftsbereichen liberalisieren
Mehr Freiheit für Fondsgesellschaften

Eine deutsche Sonderregelung steht vor dem Aus: Bislang war es Kapitalanlagegesellschaften untersagt, Kernbereiche wie das Fondsmanagement an Dritte zu delegieren. Das soll sich ändern. Dann können deutsche Anbieter ihre Fonds auch von externen Profis managen lassen. Der Performance-Druck steigt.

DÜSSELDORF. Auf den ersten Blick geht es nur um eine neue Auslegung bestehender Gesetze - doch die hat es in sich: "Es gibt eine gute Wahrscheinlichkeit, dass Fondsgesellschaften künftig unter gesetzlich festgelegten Auflagen alle Geschäftsbereiche auslagern dürfen - auch das Fondsmanagement", sagte Thomas Neumann, Referatsleiter inländische Bankenaufsicht beim Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) dem Handelsblatt. Bislang war es deutschen Fondshäusern untersagt, Bereiche wie das Fondsmanagement an Dritte auszulagern (Outsourcing-Verbot). Als Folge dieser Reform rechnen Branchenkenner damit, dass der Wettbewerb um Fondsmandate in Deutschland härter wird.

Der Hintergrund: In einem Rundschreiben vom September 1997 regelte das BAKred, dass Kapitalanlagegesellschaften (KAG) ihre so genannten "Kernbetriebsbereiche" Fondsmanagement, -controlling und - buchhaltung nicht an Dritte vergeben dürfen. Die Folge: Will eine deutsche Fondsgesellschaft zum Beispiel einen Aktienfonds für japanische Werte anbieten, so muss sie die Fondsmanagementexpertise selbst aufbauen - was entsprechend teuer ist.

Ein Ausweg bestand darin, den Beispielfonds über eine Luxemburger Investmentgesellschaft aufzulegen, dort ist ein Verbot der Auslagerung des Fondsmanagement unbekannt. Der in Luxemburg aufgelegte Fonds kann dann in Deutschland zum Vertrieb zugelassen werden.

"Diese Möglichkeit haben aber deutsche institutionelle Kunden, die in Spezialfonds investieren, bislang nicht", erklärt Thomas Balk, Geschäftsführer der Fidelity Investment Service GmbH. Ein Spezialfonds ist ein Sondervermögen, dass nicht für das breite Publikum, sondern speziell für institutionelle Kunden wie Pensionskassen oder Versicherungen gemanagt wird. "Die Gesetzeslage sieht vor, dass deutsche institutionelle Kunden ihre Spezialfondsmandate nur an eine in Deutschland beheimatete KAG vergeben dürfen", sagt Balk.

Die Folge: Ein ausländischer Wettbewerber kann seine Investmentexpertise deutschen Profi-Kunden nur erschwert anbieten - etwa über Beratermandate - wenn der Anbieter die Gründung einer KAG nach deutschem Recht wegen der hohen Kosten scheut.

Es geht um einen Milliardenmarkt: Nach Angaben des Branchenverbandes BVI haben institutionelle Investoren insgesamt 495,9 Mrd. Euro in Spezialfonds deutscher Gesellschaten investiert (Stichtag Ende März).

Mit dem Ende des Outsourcing-Verbots kommt Bewegung in den Markt. Denn dann kann z.B. eine deutsche Pensionskasse sich eine KAG aussuchen, ist aber nicht verpflichtet, die Gelder auch von dieser KAG verwalten zu lassen. Das so genannte Asset Management kann der Kunde dann an Dritte vergeben, wie zum Beispiel an international präsente Anbieter.

"Wir akzeptieren das grundsätzlich", erklärt Rüdiger Päsler, Geschäftsführer beim BVI Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften, dem Verband der deutschen Fondsbranche. Vertreter ausländischer Wettbewerber begrüßen die Liberalisierung ausdrücklich. "Das hilft uns im Wettbewerb um institutionelle Fondsmandate", meint Thomas Balk von Fidelity. Und die Chancen stehen gut, dass dieses Outsourcing-Verbot fällt. "Im neuen Entwurf für das Bankenrundschreiben - KAGn sind Spezialkreditinstitute - ist die Liberalisierung des Outsourcings vorgesehen", erläutert BAKred-Referatsleiter Neumann. Zurzeit sind die Verbände aufgefordert, dazu Stellungnahmen abzugeben. "Die Abstimmung könnte im Sommer abgeschlossen sein", sagt Neumann.

Als Gründe für die neue Interpretation des einschlägigen Paragrafen 25 a des KWG bei KAGn erklärt Neumann, dass "die Rechtslage dem Umfeld" angepasst würde. Er spielt damit auch auf die laufende Reform der europäischen Investmentdirektive (OGAW) an, die jetzt dem Europäischen Parlament zur Verabschiedung vorliegt. Dort ist eine großzügige Regelung zum Outsourcing vorgesehen. "Die Entwicklung in der EU macht den Schwenk unserer Gesetzesauslegung sicherlich leichter", meint Neumann.

Für BVI-Geschäftsführer Päsler ist entscheidend, "dass die KAG weiterhin verantwortlich für das Fondsmanagement und die anderen ausgelagerten Bereiche bleibt." Er betont: "Die KAG darf nicht zu einer leeren Hülle werden." Ansonsten hat er mit der Liberalisierung kein Problem: "Es wird für den Kunden leichter, dass Fondsmanagement auszuwechseln, schließlich muss er dann nicht den gesamten Fonds von der KAG abziehen", erklärt der BVI-Mann und ergänzt, "der Wettbewerb wird auf jeden Fall härter."

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