Bankenkonsortium muss Geld nachschießen
Haim Saban scheitert mit Kauf des Kirch-Imperiums

Die Übernahme des Kirch-Imperiums durch den israelisch-amerikanischen Investor Haim Saban ist gescheitert. Das wurde gestern Abend nach einem Krisentreffen von Saban mit Kirch-Insolvenzverwalter Michael Jaffé in München mitgeteilt.

MÜNCHEN. Damit ist nicht nur einer der größten Unternehmensverkäufe der deutschen Medienbranche geplatzt. Das Gezerre um den Verkauf des im April 2002 zusammengebrochenen Medienimperiums von Leo Kirch geht auch in eine neue Runde.

Jaffé und Saban konnten die vielen offenen Punkte "im Rahmen der vereinbarten Fristen nicht zeitgerecht klären", teilten beide Seiten mit. Deshalb sei Insolvenzverwalter Jaffé von den im März geschlossenen Verträgen zurückgetreten. Die Frist dazu lief bis zum 10. Juni.

Saban wollte die Mehrheit an Deutschlands größtem TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 Media und die Kirch-Filmbibliothek für zusammen bis zu zwei Mrd. Euro übernehmen. Die Wettbewerbsbehörden und die Medienaufsicht hatten schon zugestimmt. Aber Saban hatte noch kein Geld überwiesen.

Insolvenzverwalter Jaffé und Kirch-Geschäftsführer Hans-Joachim Ziems wollen jetzt den so genannten "Plan B" umsetzen, der seit dem vergangenen Oktober parallel zur Investorensuche ausgearbeitet wird. Danach müssen die Gläubigerbanken wieder mit ins Boot und frisches Kapital zuschießen. Nach einem neuen Investor soll erst in ein oder zwei Jahren Ausschau gehalten werden, wenn die Medienbranche aus ihrer tiefen Krise gekommen ist. Dann solle ein "schlüsselfertiges Unternehmen in einem besseren Marktumfeld" angeboten werden, hieß es.

Die Sanierung von Kirch Media wird keine leichte Aufgabe für die Kreditinstitute, haben sie doch derzeit mit eigenen großen Problemen zu kämpfen. Im Bankenkonsortium sitzen die Hypo-Vereinsbank (HVB), die Commerzbank, die DZ Bank und die Bayerische Landesbank. Die Kreditengagements bei Kirch sind bereits weitgehend abgeschrieben und haben die ohnehin gebeutelten Banken zusätzlich belastet.

Die Pro-Sieben-Sat-1-Aktie reagierte auf den Abbruch der Verhandlungen mit einem Kurssturz. Das Papier gab am späten Nachmittag um zeitweise knapp 10 % nach. Die Panikreaktion der Anleger hat einen guten Grund, denn die Münchener Senderkette hätte einen im Fernsehgeschäft erfahrenen Partner wie Saban gut gebrauchen können. Die Lage hat sich in den vergangenen Monaten immer stärker zugespitzt, da das im M-Dax notierte Unternehmen gegenüber dem wichtigsten Wettbewerber RTL zuletzt kräftig Marktanteile verloren hat. Dazu kommt, dass das Unternehmen (Pro 7, Sat 1, N 24, Kabel 1) im ersten Quartal mit knapp 31 Mill. Euro in die roten Zahlen gerutscht ist.

Größtes Sorgenkind ist der Sender Sat 1, der seit Jahren hohe Verluste schreibt. Der Konzern leidet wie alle durch Werbung finanzierten TV-Sender unter dem starken Rückgang der Reklameausgaben. Im ersten Quartal des Jahres lagen die Werbebuchungen der Industrie in den TV-Sendern nochmals unter dem schon schwachen Vorjahr.

Um die Verschuldung zu senken, muss Konzernchef Urs Rohner möglichst bald eine Kapitalerhöhung von bis zu 300 Mill. Euro platzieren. Auf der Hauptversammlung am übernächsten Montag sollen die Weichen dafür gestellt werden. Bis dahin sollen nach Firmenangaben auch die Details zur Zukunft von Pro Sieben Sat 1 geklärt werden. Offen ist unter anderem, wie die Kirch-Filmbibliothek eingebracht werden soll. In Medienkreisen hieß es gestern, Kirch-Sanierer Ziems werde die operative Führung von Pro Sieben Sat 1 nicht selbst übernehmen, sondern in den Aufsichtsrat einziehen.

Saban dagegen hat die Hoffnung auf einen erfolgreichen Abschluss des Deals offenbar noch nicht aufgegeben. Aus Saban-Kreisen verlautete gestern, man sei noch nicht endgültig aus dem Rennen. "Wir haben noch eine Chance", hieß es. Völlig offen ist aber, wie Saban wieder ins Spiel kommen will. Der Amerikaner hatte sich zuletzt bemüht, institutionelle Investoren für sein Engagement in Deutschland zu finden. Angeblich hätten vier bis fünf Geldgeber kurz vor dem Einstieg gestanden. Zuletzt gab es immer wieder Zweifel an der Finanzkraft Sabans. Der Investor, der auch noch unter dem Euro-Anstieg litt, forderte bis zuletzt weitere Zugeständnisse der Banken.

Auch der Hamburger Bauer-Verlag, der Anfang des Jahres gegen Saban im Bietergefecht unterlegen war, signalisierte gestern vorsichtig neues Interesse. "Wir schlagen dem Insolvenzverwalter nicht die Türe zu", sagte ein Bauer-Sprecher. Das Verlagshaus hatte den Filmrechtehändler Saban vor allem als Preistreiber wahrgenommen. "Mit dem geplatzten Einstieg von Saban sehen wir uns in unserer Annahme bestätigt", sagte der Sprecher.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%