Bankenkrise
Kommentar: Unter pari

Der Kanzler ist besorgt. In der deutschen Kreditwirtschaft mehren sich die Zeichen einer schwer wiegenden Krise.

Bei einem Abendessen mit den Spitzenvertretern der Branche hat er sich jüngst persönlich über die kritische Situation des Gewerbes informiert. Die Analyse der Lage kann Gerhard Schröder nicht erfreut haben.

Faule Kredite, wegbrechende Handelserträge, schwindende Margen, horrende Verluste, Kapitalschwäche - das sind die Stichworte, die die Kreditwirtschaft derzeit liefern kann. In Fällen wie diesen lassen sich Politiker häufig zu der Frage hinreißen, was denn die Politik tun könne - und oft genug ist damit das freimütige Verteilen von Subventionen oder anderen Gefälligkeiten gemeint. In der Tat: Die Politik kann der Branche helfen.

Allerdings mit dem genauen Gegenteil von Subventionen - sie kann mit Wettbewerb helfen. Erst wenn der Staat sich aus dem Bankgeschäft zurückzieht, die vollständige Privatisierung des von den öffentlichen Händen kontrollierten Sparkassen-Sektors zulässt und diesen dem heilsamen Wind des Wettbewerbs aussetzt, erst dann wird die Kreditwirtschaft als Ganzes die Chance haben, wieder auf den Pfad der Solidität zurückkehren zu können.

Die deutsche Kreditwirtschaft erhält in diesen Monaten die Quittung für die seit Jahren verpassten Reformen. Der deutsche Bankenmarkt ist hochfragmentiert. Rund 50 Prozent des Marktes werden von Sparkassen, weitere 30 Prozent von Volks- und Raiffeisenbanken kontrolliert - Gruppen der Kreditwirtschaft also, die zum großen Teil deutlich weniger gewinnorientiert arbeiten als die großen Geschäftsbanken. Vor allem für die Sparkassen und die Landesbanken gilt: Die Grundversorgung in der Fläche und die Strukturförderung sind mindestens ebenso wichtig wie die Erzielung von Gewinnen. Diese Institutsgruppen bieten Kreditkonditionen an, die das Risiko oftmals nicht ausreichend bezahlen.

Die Folge: Kredite sind in Deutschland billig - zu billig. Die Zinsmarge der Banken liegt hier zu Lande deutlich unter dem Niveau Englands oder Amerikas. Diese fehlende Marge lässt den Banken - vor allem den Geschäftsbanken - nicht die Verdienste, die sie benötigen, um die in Zeiten schwacher Konjunktur nahezu unvermeidlichen Kreditausfälle auszugleichen.

Allerdings: Zu diesem hausgemachten strukturellen Problem kommen Fehler, die die Geschäftsbanken selbst begangen haben. Der späte Einstieg einiger Institute ins Investment-Banking ohne genügende Expertise und Marktkraft - wie im Falle der Commerzbank - war töricht und teuer. Der Versuch anderer, mit Kampfkonditionen Marktführer in bestimmten Segmenten zu werden - wie im Falle der Hypo-Vereinsbank -, mutiert nun zum Mühlstein.

Die Missgriffe einiger dürfen aber nicht vom grundlegenden Strukturfehler ablenken: Der deutsche Bankenmarkt kann in seiner derzeitigen Organisationsform nicht profitabel sein. Wenn die Politik also helfen will - und helfen muss sie -, dann kann dies nur über den Ausstieg aus dem Bankgeschäft erfolgen, der zudem Geld in die leeren öffentlichen Kassen spülen würde. Viel Zeit kann sich die Politik nicht lassen, denn die Lage ist krisenhaft ernst. Sie muss über Parteigrenzen hinweg einig handeln. Denn an einem gesunden - also profitablen - Bankensystem müssen wir alle interessiert sein.

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