Bankensektor erneut unter Druck
Lloyds-Tochter muss Rekordstrafe zahlen

Die britische Finanzaufsicht geht gegen Kunden-Nepp vor: Abbey Life, eine Tochter der drittgrößten britischen Bank Lloyds TSB, muss 165 Millionen Pfund Kompensation zahlen, weil sie über Jahre riskante Produkte als sicher angepriesen hat. Doch nicht nur deshalb sehen Analysten Lloyds vor schwereren Zeiten.

fs LONDON. Mit Lloyds TSB brachte gestern die zweite britische Großbank den Bankensektor unter Druck. Das drittgrößte Institut des Königreichs deutete in seinem Neunmonats-Bericht nicht nur neue Rückstellungen für sein 250 Mill. Pfund (403 Mill. Euro) schweres Engagement in Argentinien an. Gestern wurde auch bekannt, dass die Tochter Abbey Life von der britischen Finanzaufsicht FSA eine Rekordstrafe von einer Million Pfund für den missbräuchlichen Verkauf von Kreditprodukten zahlen muss.

Zudem muss Lloyds bis zu 4000 Kunden kompensieren, wofür sie weitere 165 Mill. Pfund zurück stellen. Weitere 40 Mill. Pfund hält die Bank für Kunden bereit, denen sie in der Vergangenheit falsche Pensionsprodukte verkauft hatte.

Die im FTSE gelisteten Banken gaben am zweiten Tag in Folge nach, diesmal um fast 2 %. Lloyds TSB verlor zum Teil mehr als 5 %. Erst am Vortag hatten höhere Rückstellungen bei der Investment-Bank des viertgrößten Instituts Barclays den Sektor geschwächt.

Nach Angaben der FSA stellt die Millionenstrafe die bislang höchste für den missbräuchlichen Verkauf von Investments zur Abzahlung von Hypothekenkrediten dar, so genannte Endowment Mortgages. Ein so genannter Plan wird benutzt, um Hypothekenkredite abzubezahlen: Der Kunde investiert sein Geld in Aktien, um aus deren Gewinnen die Tilgungskosten des Hypothekenkredits für sein Haus zu bezahlen. Das Wohl und Wehe der Verträge hängt von der Entwicklung des Aktienmarkts ab, das jedoch "vergaß" Abbey Life leider seinen Kunden zu erzählen.

Die Aufsicht nannte das Fehlverhalten schwerwiegend, weil es sich über einen längeren Zeitraum erstreckt hatte, Fehler im System offenbarte und einer großen Zahl von Kunden potenzielle Verluste zufügte. Zwischen 1995 und 1999 hatte Abbey Life - die trotz eines ähnlichen Namens nicht mit der Hypothekenbank Abbey National verbunden ist - mit Hilfe von 1500 Finanzberatern Kunden die Produkte als sicher angepriesen.

Die Aufsicht vermutet, dass einige Tausend Kunden nun Verluste einfahren. Zwischen 42 000 und 46 000 Verträge müssen deshalb geprüft werden. Die FSA hob hervor, dass Abbey Life bei der Untersuchung kooperiert habe, ansonsten wäre die Strafe "wesentlich höher" ausgefallen. So verpflichtete sich die Lloyds-Tochter dazu, die Verträge rückwirkend ins Jahr 1988 zu prüfen. Das Neugeschäft hatte Abbey Life im Jahr 2000 eingestellt.

Auch wenn Abbey Life die bislang höchste Strafe bekommen hat, werden nach Ansicht von Beobachtern in Zukunft weitere Strafen folgen, und zwar gerade "Banken, die am aggressivsten für ihre Produkte geworben haben", wie die Analystin einer deutschen Bank in London sagte. Die FSA betont jedenfalls, sie werde dafür sorgen, dass Kunden "angemessen entschädigt" werden.

Unabhängig von der Strafe zeigten sich die Analysten von dem Statement der drittgrößten britischen Bank nicht begeistert. Die zur Citigroup gehörende Investment-Bank Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) stutzte sogleich die Gewinnerwartungen für das Jahr 2002 um 23 % auf 2,9 Mrd. Pfund. Im Jahr 2001 hatte Lloyds noch 3,1 Mrd. Pfund verdient. Die SSSB-Analysten erwarten auch im nächsten Jahr einen Rückgang der Lloyds-Gewinne. Teather & Greenwood-Analyst Martin Cross geht trotz des schlechten Umfelds davon aus, dass Lloyds nicht die Dividende kürzt, die im vergangenen Jahr bei 33,7 p je Aktie lag. Schon seit längerem fehlt Analysten bei Lloyds die Wachstumsstory. Sie glauben, dass nur eine weitere Übernahme die Phantasie beflügelt. Erst im vergangenen Jahr hatte Lloyds TSB vergeblich versucht, die zweitgrößte Hypothekenbank des Landes Abbey National zu übernehmen.

Quelle: Handelsblatt

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