Bankenskandal in Berlin
Kommentar: Rette sich, wer kann!

In der Debatte über umstrittene Testate von Jahresbilanzen der Bankgesellschaft Berlin (BGB) hat sich der erste Rauch gelegt. Die Argumente beider Seiten liegen auf dem Tisch - aber viele Fragen und Verantwortlichkeiten in der Krise, die den Finanzkonzern fast in die Pleite führte, sind noch offen.

Auf der einen Seite steht die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Deutsche Warentreuhand, die die Jahresabschlüsse der BGB-Immobilientochter "Immobilien- und Baumanagement der Bankgesellschaft Berlin GmbH" (IBG) immer wieder uneingeschränkt testiert hat. Das Auftauchen des Berichtsentwurfs einer Sonderprüfung des Hannoveraner Experten Achim Walther aus dem Jahr 1997 hat BDO jetzt in eine brenzlige Lage gebracht. Denn der Bericht wird vom wichtigsten Zeugen bestätigt: von der Wirklichkeit. Wovor der Sonderprüfer vor Jahren gewarnt hat, ist eingetroffen. Die Risiken der IBG-Immobilienfonds waren so groß, dass sie am Ende praktisch die Bank gesprengt haben. Da lässt sich schwerlich behaupten, der "kleine" Prüfer sei eben schlecht gewesen und deshalb nicht berücksichtigt worden.

Weshalb aber hat BDO dann einfach weiter testiert? Die Prüfungsgesellschaft hat in ihrer offiziellen Antwort auf die Vorwürfe versucht, die Konkurrenten von KPMG und Price-Waterhouse-Cooper (PWC) als Kronzeugen ins Feld zu führen. Schon im Februar 1997 hätten sie den Berichtsentwurf Walthers in strittigen Punkten widerlegt - also noch bevor Walther seinen Prüfungsauftrag am 13. März 1997 erhalten hatte. Das wirft Fragen auf. Etwa die, welchen Zeugniswert im aktuellen Fall eine Analyse hat, die sich vom Zeitablauf nicht konkret auf Walthers Bericht beziehen konnte. Entsprechend distanziert reagierten die beiden anderen Prüfungsgesellschaften. KPMG betonte, sie habe von dem Walther-Bericht erst am Wochenende erfahren. PWC machte deutlich, dass sie mit den Abschlussprüfungen bei der IBG nichts zu tun hatte. Das Unternehmen habe sich auf die Abschlussprüfer der IBG, also die BDO, verlassen müssen. Das hat nichts von einem überzeugten Schulterschluss. Das klingt eher nach "Rette sich, wer kann".

Auf der anderen Seite des Feldes stehen neben dem Sonderprüfer Achim Walther einige eindrucksvolle Autoritäten. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin), die BDO vorgeworfen hat, Bilanzierungsmethoden als zulässig testiert zu haben, obwohl sie als unzulässig anzusehen waren. Und es gibt die von der Aufsichtsbehörde in Auftrag gegebenen Sonderprüfungsberichte der Fides Treuhandgesellschaft (1997) und von Fasselt-Mette&Partner (2000). Sie stellten im Grunde exakt dieselben Fehler fest wie Walther. Der Berliner Untersuchungsausschuss zur Bankenaffäre ist ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen, dass bei der IBG falsch testiert wurde. Schließlich heißt es aus der Bankgesellschaft, dass schon lange Hinweise auf Bilanzfälschungen vorlägen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Diese Aufstellung wirkt erdrückend. Zumal BDO Deutsche Warentreuhand zur Begründung der Testate bisher nur eine eigene Stellungnahme sowie ein Schriftstück der als IBG-Prospektprüfer ebenfalls vom Walther-Bericht betroffenen Prüfungsgesellschaft Arthur Andersen angeführt hat. Jetzt müssen die Berliner Ermittler und die an Schadensersatz interessierte Bank exakt analysieren und möglichst schnell Beweismaterial sichern.

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