Bankensystem soll reformiert werden
Türkei kündigt Schließung oder Verkauf von Banken an

Der Chef der Bankenaufsicht lässt unter Zwangsaufsicht gestellte Banken schliessen oder verkaufen, um das angeschlagene Bankensystem zu reformieren. Unterdessen rechnet die Türkei mit einer Wiederaufnahme des eingefrorenen Hilfsprogramms, welches eine rasche Umsetzung von Reformen im Bankensystem verlangt.

rtr ANAKARA. Die Türkei hat unmittelbar vor der Entscheidung von IWF und Weltbank über die Freigabe erster Gelder aus dem Hilfsprogramm über 15,7 Mrd.  $ am Donnerstag den Verkauf oder die Schließung der fünf zu Beginn dieser Woche unter staatliche Kontrolle gestellten Banken angekündigt. Der Chef der Bankenaufsicht, Engin Akcakoca, sagte am Donnerstag in Istanbul, zudem werde seine Behörde die Etibank schließen, unter deren Dach drei schon früher unter Zwangsaufsicht gestellte Institute vereinigt seien sowie die Iktisat Bank bis Jahresende verkaufen. Ziel sei es, das angeschlagene Bankensystem der Türkei, das unter den Folgen der Finanzkrise im Februar dieses Jahres leidet, zu reformieren. "Unser Ziel ist es, alle unter Aufsicht gestellten Banken, einschließlich der Anfang der Woche unter Aufsicht gestellten fünf Insitute, bis zum Jahresende zu verkaufen oder zu schließen," sagte Akcakoca.

Gremium rechnet mit Genehmigung der anstehenden Tranchen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank wollen nach eigenen Angaben im Tagesverlauf eine Wiederaufnahme des Anfang Juli eingefrorenen Hilfsprogramms für die Türkei prüfen. Ein IWF-Direktoriumsmitglied hatte der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch gesagt, das Gremium rechne mit der Genehmigung der anstehenden Tranchen von insgesamt 3,3 Mrd.  $. Zuvor hatte die Türkei auf Drängen des IWF wichtige Voraussetzungen für die Gewährung der ersten Kredittranche des Hilfsprogramms mit einem Gesamtvolumen von 15,7 Mrd.  $ erfüllt. Dazu zählte neben der Zusage einer Neubesetzung des Vorstandes des vor der Privatisierung stehenden Telekommunikatiosnkonzerns Türk Telekom eine rasche Umsetzung von Reformen im Bankensystem.

Turbulenzen sorgen für Unruhe an den Märkten

Die türkischen Finanzmärkte präsentierten sich unterdessen angesichts der bevorstehenden Entscheidung von IWF und Weltbank über die Freigabe von Hilfsgeldern am Donnerstag äußerst anfällig. Darüber hinaus sorgten nach Angaben von Händlern die Turbulenzen in anderen Schwellenländern, wie Argentinien, für Unruhe an den Märkten. "Hier herrscht eine Atmosphäre unbewusster Panik," sagte ein Devisenhändler in Istanbul. Die türkische Landeswährung Lira sackte am Vormittag zeitweise auf ein historisches Tief bei 1.345.000 zum $ ab, bevor sie sich wieder etwas erholte. Der Aktienmarkt verzeichnete starke Kursschwankungen. "Die Märkte werden von Unsicherheit dominiert," sagte Kerim Sarc vom Finanzkonzern ABN Amro. Zudem habe der politische Streit über die Umsetzung des mit dem IWF vereinbarten Reformprogramms das Vertrauen der Märkte in die Regierung von Ministerpräsident Bülent Ecevit untergraben. Die Probleme anderer Schwellenländer und des IWF-Kunden Argentinien trügen nur zu der Verunsicherung bei.

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