Archiv
Bankenverband senkt erneut Konjunkturprognosen

Die Verunsicherung der Verbraucher nach der Anschlagserie in den USA hat den Bundesverband deutscher Banken (BdB) dazu bewogen, seine Wachstumsprognosen für Deutschland und den Euro-Raum zu senken. In dem am Dienstag in Berlin veröffentlichten Konjunkturbericht für Oktober geht der BdB für 2001 nur noch von einer Zunahme des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Höhe von 0,8 % aus.

Reuters BERLIN. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) schloss eine Rezession erneut aus. Die Bundesregierung wird sich nach Worten von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) jedoch gezwungen sehen, ihre Prognosen für 2001 und 2002 abzusenken.

Die Anschläge auf das World Trade Center in New York und das US-Verteidigungsministerium bei Washington haben die Weltwirtschaft nach Einschätzung des Bankenverbandes in einer ohnehin schwierigen Phase getroffen. Das weltweite Wirtschaftswachstum befinde sich bereits seit vergangenem Herbst auf einer klaren Talfahrt. Dies werde durch die Anschläge verstärkt. "Über die unmittelbaren Folgen der Anschläge hinaus ... stellt die erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit einen großen Risikofaktor für Konsum und Investitionen dar." Die für den Euro-Raum und die USA gehegten Hoffnungen auf eine Trendwende noch in diesem Jahr dürften inzwischen hinfällig sein.

Für die Wirtschaft im Euro-Raum ist in der zweiten Jahreshälfte nach Einschätzung des BdB mit einer Stagnation zu rechnen. "Im Durchschnitt des laufenden Jahres dürfte sich dann ein reales Wirtschaftswachstum von knapp eineinhalb Prozent ergeben." Auf den Punkt gerechnet, beziffert der BdB das Wachstum in Europa für 2001 auf 1,4 %. Das sind 0,5 %punkte weniger als bislang prognostiziert. Damit fehle der Rückenwind für das kommende Jahr, weshalb auch 2002 das Wachstum kaum über diese Raten hinauskommen werde.

Deutschland wird nach den Berechnungen des BdB mit einem BIP-Zuwachs von 0,8 % noch unter den Werten der Euro-Zone liegen. Auch im kommenden Jahr werde die Bundesrepublik hinter dem durchschnittlichen Wachstum des Euro-Raums zurückbleiben und mit höchstens rund 1,5 % abschließen. Gründe seien insbesondere die noch immer nicht überwundene Strukturkrise der Bauwirtschaft und eine steigende Abgabenbelastung.

Die verminderten Wachstumsaussichten würden sich auch negativ auf den Arbeitsmarkt auswirken. Während die Bundesregierung noch mit Arbeitslosenzahlen von unter 3,5 Mill. rechnet, geht der BdB von über 3,9 Mill. Arbeitslosen aus. Als bestes Konjunkturprogramm für die deutsche Wirtschaft bezeichnet der BdB weitere Reformen der Sozialversicherungen und am Arbeitsmarkt. Ein staatliches Ausgabenprogramm sei abzulehnen. Kanzler Schröder schloss eine Rezession sowohl für Deutschland als auch für Europa erneut aus, räumte aber eine deutlich schwächere Entwicklung ein. "Die Wirtschaft wird in diesem Jahr wachsen, wenn auch nicht so stark wie wir uns das vorgestellt haben und wie es zum stärkeren Abbau der Arbeitslosigkeit nötig wäre." In Europa sehe die Lage ähnlich aus. Im kommenden Jahr werde die wirtschaftliche Entwicklung sich eher verbessern, jedenfalls aber nicht schlechter werden.

Müller sagte: "Wir werden wahrscheinlich dazu gezwungen sein, die Prognosen für das nächste Jahr etwas tiefer anzusetzen." Die Stimmung sei in großen Teilen der deutschen Wirtschaft durch große Verunsicherung geprägt. Das werde sich wahrscheinlich auch in der Wachstumsentwicklung für das laufende Jahr auswirken. Zahlen zu den Wachstumsperspektiven wollte der Minister nicht nennen. Nach Medienberichten will Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) seine Prognose für dieses Jahr Ende des Monats auf 0,8 von derzeit rund zwei Prozent und für 2002 auf 1,5 % von etwa 2,25 % absenken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%