Banker warnen nach Terrorattacken in USA vor Rezessionsgefahren
Experten raten zu vorsichtiger Anlagestrategie

Nach den Terroranschlägen in den USA haben viele Banken ihre Börsenprognosen gesenkt. Sie fürchten neben kurzfristigen Risiken auch dauerhafte Negativ-Folgen für die Aktienmärkte. Trotzdem halten die meisten Stragegen den Aktienanteil ihrer Musterdepots konstant. Sie sehen in Europa kaum noch Rückschlagpotenzial.

tmo DÜSSELDORF. In New York läuft der Aktienhandel wieder. Die Kursverluste sind nach den Terroranschlägen in den USA zunächst glimpflicher ausgefallen als vielfach befürchtet. Und dennoch: Die Folgen der Attentate werden die Finanzmärkte dauerhaft verändern, glaubt Barton Biggs, bei der Investmentbank Morgan Stanley verantwortlich für globale Anlagestrategie.

"Dieser Vorfall ist anders als ein Erdbeben oder ein einzelner Mordanschlag", kommentiert Biggs den Terror in den USA, "mir scheint, dass ein langer und schmerzvoller Kampf begonnen hat und die Welt sich zum Schlechteren gewandelt hat". Nicht jeder Anlagestratege formuliert seine Sorgen so pathetisch, doch viele haben ihre Konjunktur- und Börsenprognosen zurückgenommen. Denn die Anschläge in New York und Washington töteten nicht nur tausende Menschen, sie sorgten auch für tiefe Verunsicherung bei Anlegern und Verbrauchern.

James Barty, Europastratege der Deutschen Bank in London, erwartet jetzt eine Rezession in den USA, womöglich sogar weltweit - ausgelöst durch sinkende Verbrauchernachfrage. "Man darf nicht vergessen, dass die US-Wirtschaft schon vor den Attentaten schwach war", sagt Barty. Der jüngste Schock habe diesen Trend verstärkt.

Strukturelle Risiken

Neben den kurzfristigen Folgen der Attentate für Wachstum und Firmengewinne weisen Experten auf strukturelle Risiken hin. So sieht Schroder Salomon Smith Barney, die Investmenttochter der Citigroup, den Trend zur Globalisierung gefährdet. Wenn Firmen aus Unsicherheit ihre Auslandsinvestitionen kappten, könne die langfristige Wirtschaftsdynamik leiden, warnt Chefstratege Mark Howdle. Denn vom globalen Handel profitierten letztlich alle Länder.

Zudem könnten Investoren die unsichere Anlageform Aktie gegenüber Anleihen künftig kritischer betrachten. "Nach einer Katastrophe behalten Anleihe-Eigner ihren Anspruch auf feste Zinszahlungen, wogegen Aktionäre ihren Anteil an den Schäden und den wirtschaftlichen Folgen tragen", argumentiert Howdle. Der Kurssturz der vergangenen Woche reflektiere womöglich eine veränderte Risikowahrnehmung der Investoren. Ihre empfohlene Vermögensstruktur änderte jedoch kaum eine Bank seit den Attentaten (siehe Graphik). Viele Musterdepots wurden wegen Konjunktursorgen bereits vorher defensiv ausgerichtet. Zudem sei eine Aktienflucht jetzt nicht mehr sinnvoll, meint Stratege Ben Funnell von Morgan Stanley. "Wir setzen auf krisenfeste Branchen wie Versorger, halten aber unseren Aktienanteil insgesamt konstant", sagt er. Zudem gibt es nicht nur düstere Nachrichten. So erwartet Rolf Elgeti, Anlagestratege der Commerzbank in London, jetzt eine höhere Nachfrage nach Sicherheitsleistungen. Bundesfinanzminister Hans Eichel will drei Milliarden Mark für zusätzliche Sicherheits-Investitionen bereit stellen. "Ironischerweise sind dies möglicherweise genau die Investitionen, die der US- Wirtschaft gefehlt haben", sagt Elgeti.

Kaum noch Kursverluste für Europas Aktienmärkte erwartet

Etwas Licht in die ansonsten düsteren Strategie-Ausblicke bringt auch die Aktienbewertung. So spricht Peter Knacke, Anlageexperte der Commerzbank, bereits von "Kaufkursen". Viele Strategen sehen in Europa kaum noch Rückschlagpotenzial. In den USA könnten die Kurse nach Expertenschätzung dagegen noch tiefer rutschten. Der skeptischer gestimmte Deutsche-Bank-Experte Barty meint immerhin: "Wir nähern uns billigen Kursen und sind womöglich nicht mehr weit vom Tiefpunkt entfernt". Barty rät Anlegern dennoch, vorerst abzuwarten. "Es herrscht einfach zu viel Unsicherheit", sagt er.

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