Bankexperten bewerten die gescheiterten Sondierungsgespräche unterschiedlich
Analysten halten Dresdner für niedrig bewertet

Die Dresdner Bank ist wegen ihrer aktuell niedrigen Bewertung auf Niveau des Buchwerts der heißere Übernahmekandidat.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Analysten ausländischer Banken bewerten die geplatzten Gespräche unterschiedlich. "Für die Bankenlandschaft ist es ein schwarzer Tag. Wenn schon zwei deutsche Banken nicht zusammen kommen und das hohe Synergiepotenzial ausschöpfen, wie sollen es dann erst ausländische Banken schaffen?", sagt ABN-Amro-Analyst Andreas Neubauer. "Die Fusionsphantasie in Deutschland ist nun weg", meint auch Christopher Ritschard von der Zürcher Kantonalbank. Dagegen kann sich Alex Nixson von Merrill Lynch gut vorstellen, dass das Privatkundengeschäft der Dresdner erneut in Deutschland zur Disposition stehe, wenn etwa ein ausländisches Haus die Bank übernehme: "Das macht Sinn wegen hoher möglicher Economies of Scale." Die Dresdner Bank sei wegen ihrer aktuell niedrigen Bewertung auf Niveau des Buchwerts der heißere Übernahmekandidat. Daniel Gersch von UBS Warburg begrüßt hingegen das Scheitern der Gespräche. "Für die fusionierte Bank wäre maximal der doppelte Wert der einzelnen Institute entstanden", zeigt er sich skeptisch über den Sinn des nun obsoleten Zusammenschlusses. Überwiegend stufen Analysten die Aktien beider Banken auf "Halten" ein. Überstürzt zu verkaufen, sei falsch. Vielmehr sollten Investoren auf Neuigkeiten zur Positionierung und Übernahmechancen warten.

Das größte Verlustpotenzial liegt nach ihrer Auffassung bei der Dresdner-Bank-Aktie, die gestern im Verlauf bereits gut 5 % abgab. "Zu Recht", kommentiert Alex Nixson von Merrill Lynch. Innerhalb von drei Monaten zweimal Fusionspläne scheitern zu lassen, sei blamabel. Allerdings sei die Dresdner beim aktuellen Aktienkurs auf Nievau des Buchwerts günstig bewertet, so dass der Kursverfall in Grenzen bleibe. "Allein ihre Beteiligungen machen 70 bis 80 % des Kurswertes der Aktien aus", sagt Helmut Hipper, vom Fondshaus Union Investment. Auch das Investmentbanking habe im Gegensatz zu dem der Commerzbank einen internationalen Namen, ergänzt Gresch. Der Wert der Dresdner liege mit 58 Euro je Aktie deutlich höher als der Kurs widerspiegele. Aus aktuellem Anlass zieht er aber 8 " ab: Sein mittelfristiges Kursziel lautet 50 Euro , sein Urteil: Halten. Auch WestLB-Analyst Martin Peter hält die Aktie wegen des hohen Eigenkapitals und der stillen Reserven des Instituts unterbewertet. Er rät mit Kursziel 59 Euro zum Kauf.

Die Commerzbank-Aktie scheine weniger anfällig für Kursverluste, weil sie in Deutschland ein besseres Standing als einzelne Bank habe, sagt Nixson. Die Aktie gab gestern im Verlauf gut 1 % nach. Gresch lobt deren Privatkundenausrichtung: Das Management sei gut, und mit der Comdirect habe man ein starkes Direktbankenstandbein. Allerdings lasse ihre Größe international zu wünschen übrig. Marktteilnehmer spekulierten nun wieder über eine Übernahme durch Vertriebspartner Generali, meint Nixson. Gresch rät, die Aktie mit Kursziel von 41 Euro zu halten.

Die Allianz könnte sich nun erneut um die Deutsche Bank als Vertriebspartner bemühen, meinen Analysten. Zwar wolle der Konzern seine Vermögensverwaltung stärken. Doch die Deutsche Bank werde ihr Asset Management wohl nicht mehr zur Disposition stellen.

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