Bankexperten erwarten nach dem Jahreswechsel Kursgewinne
Schuldenabbau beflügelt Firmenanleihen

Die gute Kursentwicklung bei Unternehmensanleihen dürfte laut Analysten anhalten. Sie favorisieren Bonds von Firmen, die ihre Schuldenlast reduzieren. Solche Papiere finden sie in der Telekom - und Autobranche.

FRANKFURT/M. Wohin bloß mit dem Geld? Investoren sitzen eingeklemmt zwischen niedrigen Zinsen und anhaltender Börsenbaisse. Viele suchen zurzeit verzweifelt nach Anlagen, die relativ sicher sind, aber mehr Rendite bringen als das schlechte alte Sparbuch.

Anleiheanalysten haben da einen Tipp: Unternehmensbonds ausgewählter Emittenten. Die Märkte haben Neuemissionen von Firmenanleihen zuletzt gut aufgenommen, die Schwankungsanfälligkeit des Markts ist gesunken. Dies deuten die Analysten als Signal zum Einstieg.

"Die Kursentwicklung des Anleihemarkts entkoppelt sich immer stärker von den Aktienmärkten. Somit haben Unternehmensbonds auch dann Potenzial, wenn sich die Kurse an den Aktienmärkten weiter schwer tun", sagt Frank Hagenstein, Teamleiter Unternehmensanleihen des Fondsverwalters Union Investment. Eine Seitwärtsbewegung bei Aktien reiche schon für Zuwächse bei Unternehmensanleihen.

Bis vor kurzem hingen Firmenbonds stark vom Trend am Aktienmarkt ab. Fiel die Aktie eines Unternehmens, dann verkauften Investoren oft auch dessen Bonds. Sie werteten Kursverluste als Signal für eine mögliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit (Rating). Die Urteile der Ratingagenturen Standard & Poor?s (S&P), Moody?s und Fitch beeinflussen die Anleihekurse stark. Denn sie bewerten das Ausfallrisiko an für die Bondkäufer.

Doch die verbesserte Schuldensituation vieler Unternehmen hilft laut Hagenstein den Firmenbonds, sich von den Aktienmärkten loszulösen. Konzerne wie der niederländische Telekomanbieter KPN haben Schulden abgebaut. Entsprechend hob S&P vergangene Woche das Urteil zur Kreditwürdigkeit von KPN auf "BBB" von zuvor "BBB-" an. Anleihen des Telekomkonzerns France Télécom profitieren von dem vom französischen Staat unterstützten Finanzplan, der die Liquiditätslage des mit 72 Mrd. verschuldeten Unternehmens verbessert. Daraufhin verbesserte die Ratingagentur Fitch den Ausblick für ihr "BBB-"-Rating von "stabil" auf "positiv". "Bei den Ratings der Telekomkonzerne scheint der Abwertungsdruck vorerst weg zu sein", sagt Stefan Molt, Anleiheanalyst der LBBW. Dies wäre eine Voraussetzung für weitere Kursgewinne.

Auch die Entwicklung so genannter Credit Default Swaps (CDS) im Anleihemarkt wertet Union-Experte Hagenstein als positives Signal. CDS sind versicherungsähnliche Instrumente, mit denen sich Anleger gegen den Zahlungsausfall eines Kreditnehmers absichern. Sie werden am Markt gehandelt und reagieren oft früher als Firmenanleihen. Die CDS-Renditeaufschläge für France-Télécom-Anleihen mit fünfjähriger Laufzeit sind seit Juni von 650 auf 270 Basispunkte gesunken. Sinkende Renditeaufschläge bedeuten steigende Anleihekurse. "Das ist meist ein gutes Zeichen für die Kurse der Unternehmensanleihen", sagt Hagenstein.

Noch ein positives Signal: Der Markt für Neuemissionen von Firmenbonds kommt langsam wieder in Schwung. So waren die jüngsten Großemissionen des Versicherers Allianz und von France Télécom deutlich überzeichnet. Experten erwarten eine verstärkte Neuemissionstätigkeit im Januar und Februar. Dann dürften einige Unternehmen ihre zuletzt verschobenen Emissionen nachholen. Die Analysten von Morgan Stanley prognostizieren, dass Unternehmensanleihen nächstes Jahr ihre "Spreads" (Renditeaufschläge gegenüber sicheren Staatsanleihen) im Schnitt um weitere 20 bis 30 Basispunkte einengen.

"Allerdings haben sich die Kurse vieler Firmenanleihen bereits sehr gut entwickelt", sagt LBBW-Analyst Molt. Voraussetzung für eine weiterhin gute Wertentwicklung sei eine zumindest moderate Erholung der US-Wirtschaft. Hierfür wiederum sei eine stabile geopolitische Lage nötig. Die höchsten Renditeaufschläge bieten Anleihen im Ratingbereich, "BBB", was gerade noch dem "Investmentgrade" (relativ sichere Papiere) entspricht. Hier findet LBBW-Experte Molt die interessantesten Anleihen. Er empfiehlt etwa Papiere von Deutscher Telekom, France Télécom und KPN. Bei den Auto-Anleihen seien Papiere von General Motors und Ford interessant, bei den Tabakwerten Imperial Tobacco.

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