Bankgesellschaft Berlin
Detailverliebter Zocker als dritter Anbieter

Der dritte ausländische Bewerber für die Bankgesellschaft heißt Guy Hands. In der Londoner City ist seine Risikofreude legendär. Aber nicht grenzenlos: Vor eineinhalb Jahren flirtete er als Chef der Beteiligungsgesellschaft der japanischen Investmentbank Nomura mit dem Gedanken, den Londoner Millenium Dome zu übernehmen.
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Dieses öffentliche Prestigeprojekt, eine Art Vergnügungspark, hatte ein katastrophales Jahr hinter sich, die britische Regierung wollte es privatisieren. Doch nach Prüfung der Bücher zog Hands sein Angebot zurück. Das futuristische Bauwerk, gebaut vom Stararchitekten Richard Rogers, verrottet seitdem im Osten der Stadt.

Der 42-jährige Brite gilt in der City schon lange als Star. Mit Anfang 20 verkaufte er seine Kunstgalerie, die er neben dem Studium in Oxford betrieben hatte und heuerte bei Goldman Sachs in London als Wertpapierhändler an. 1994 ging er zu Nomura. Die Japaner hatten sich breitschlagen lassen, anders als Goldman Sachs, Hands den Kauf von ein paar Tausend britischen Kneipen zu finanzieren. Später kaufte er den Buchmacher William Hill und bewarb sich - vergebens - um den Betrieb von 500 Finanzämtern. In Deutschland erwarb er für eine Tochtergesellschaft von Nomuras Principal Finance Group (PFG) rund 65000 Eisenbahnerwohnungen.

"Wir suchen große Unternehmen, die andere nicht attraktiv finden", so sein Credo. Ihn reizen vor allem Firmen, die kein großes Wachstumspotenzial zu haben scheinen, aber einen stabilen Cash-Flow vorweisen und solide Vermögenswerte besitzen. Dann investiert er nicht nur, er mischt sich mit Leidenschaft für kleine Details in das operative Geschäft ein.

Der Heavy-Metal-Fan Hands, der zu Wutausbrüchen neigt und unter Legasthenie leidet, hat Nomura angeblich eine Rendite von durchschnittlich 60 Prozent beschert. Sich selbst sicherte er in der "Sunday-Times"-Liste der Reichsten des Landes mit einem Vermögen von 128 Millionen Pfund Platz 253. Erst im März gründete Hands die von Nomura unabhängige Firma Terra Firma Capital Partners. "Er ist für Nomura einfach zu groß geworden", heißt es in seinem Umfeld. Was die Bankgesellschaft Berlin betrifft, hält sich Hands noch bedeckt. Allerdings warnte er:"Wir werden nicht für das ganze Ding bieten." Darauf zu wetten , kann nicht empfohlen werden. Zumindest nicht bei William Hill.

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