Bankgesellschaft
Kommentar: Watschen für die Sparkassen

Wie erstarrt zeigte sich das Sparkassenlager gestern. Dass man bereits nach der ersten Bieterrunde für die Bankgesellschaft Berlin hinausfliegt, hätte wohl kaum einer für möglich gehalten.

Doch Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin kannte kein Pardon. Er zeigte auch noch dem US-Investor Ross die rote Karte und verhandelt nur noch mit dem Bieterkonsortium von Christopher Flowers und der Texas Pacific Group sowie der US-Fondsgesellschaft Lone Star. Damit scheint die sparkassenfreie Zone Berlin nur noch eine Frage von wenigen Monaten zu sein. Schließlich will Sarrazin das für das Land unrühmliche Kapitel Bankgesellschaft bis zum Jahresende abschließen. Mit 81 Prozent ist Berlin Mehrheitseigner des Instituts.

Nur unter größten Anstrengungen war es dem Sparkassenlager überhaupt gelungen, sich auf ein Angebot für die Bankgesellschaft zu einigen. Von Professionalität war wenig zu spüren. Und auch der zarte Hinweis von Sarrazin, dass er eine Barofferte bevorzuge, verhallte ungehört. So kommt die Quittung für die Sparkassenorganisation nicht wirklich überraschend.

Dem knorrigen Sarrazin wird die Entscheidung keine weiteren Freunde beschert haben. Allerdings könnte sich der Verkauf an einen privaten Investor günstig auf die anstehende Entscheidung in Brüssel auswirken. Sowohl die milliardenschwere Kapitalspritze im vergangenen Jahr als auch die Bürgschaft in Höhe von 21,6 Milliarden Euro für das Immobiliendienstleistungsgeschäft stehen auf dem Prüfstand.

In jüngster Zeit mehrten sich die Zeichen, dass die Genehmigung der Sanierungsbeihilfen von einer tatsächlichen Privatisierung abhängig gemacht werden. Eine öffentliche Lösung unter Einbeziehung des Sparkassensektors wäre daher unter Umständen kritisch gewesen. So bleibt Sarrazin jetzt wenigstens Ungemach aus Brüssel erspart.

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