Bankhaus war der einzige Bieter
Deutsche Bank neuer Großaktionär von Springer

Das Geldhaus hatte die Auktion selbst in Auftrag gegeben, da das Paket als Sicherheit für einen Kredit von 735 Mill. Euro an den Medienunternehmer Kirch dient.

rtr/dpa FRANKFUR. Nach monatelangen juristischen Streitereien ist damit der Ausstieg des 75-jährigen früheren Medienunternehmers aus dem größten deutschen Zeitungsverlag wohl endgültig besiegelt.

Wie erwartet war die Bank auf der Auktion in Frankfurt am Dienstag einziger Bieter für das bereits an sie verpfändete Paket. Der zuständige Notar Karl-Heinz Schmiegelt erteilte dem Kreditinstitut den Zuschlag für insgesamt gut 13,6 Mill. Springer-Aktien zum Kaufpreis von 667,277 Mill. Euro. Das Mindestgebot lag damit exakt beim Kassakurs vom Dienstag in Höhe von 49,00 Euro je Aktie.

Als Eigentümer der Beteiligung kann das Kreditinstitut das Aktienpaket jetzt ohne Zeitdruck verwerten, da keine Zwangsversteigerung oder etwa längere Rechtsstreitigkeiten mit nachrangigen Kirch-Gläubigern drohen. Für die Bank ergibt sich keine finanzielle Belastung, da es sich um einen Tausch von einem Kredit in eine Beteiligung handelt.

10 Prozent sollen an Friede Springer gehen

Wie die Deutsche Bank bestätigte, führt sie bereits Gespräche mit der Verlegerwitwe Friede Springer über den Weiterverkauf eines zehnprozentigen Anteils am Springer-Verlag. Friede Springer würde ihren Anteil an dem Verlagshaus damit auf rund 60 % aufstocken. Außerdem erklärte ein Bank-Sprecher, das Kreditinstitut werde - wenn attraktive Angebote vorliegen - das gesamte Springer-Paket veräußern. "Das ist für uns eindeutig eine vorübergehende Finanzbeteiligung", erklärte er.

Ringier-Verlag gilt als Interessent

Als ein Interessent gilt der Schweizer Ringier-Verlag. Die Deutsche Bank plant den Angaben zufolge zudem nicht, das Stimmrecht für die erworbenen Aktien auszuüben. Einer Springer-Sprecherin zufolge gibt es zwei Szenarien für die verbleibenden Springer-Anteile: entweder einen strategischen Investor wie Ringier oder den Verkauf über die Börse. "Beide Verwertungsvarianten werden gleichermaßen verfolgt."

Der 40-prozentige Anteil am Axel Springer Verlag diente der Deutschen Bank als Pfand für einen Kredit über 720 Mill. Euro. Der Marktwert des Pakets beträgt derzeit nur 680 Mill. Euro.

Springer wird ungeliebten Großaktionär Kirch los

Der Verkauf an die Deutsche Bank schafft auch für den Springer-Verlag klarere Verhältnisse, der eine Platzierung der Anteile an der Börse favorisiert. Dem Verlagshaus wurden immer wieder Ambitionen nachgesagt, den ungeliebten Großaktionär Kirch loswerden zu wollen. Am Montag hatte Kirch seinen juristischen Kampf gegen die Verwertung des Pakets durch die Deutsche Bank aufgegeben und von einem Insolvenzantrag der Print Beteiligungs GmbH, in der die Springer-Aktien gebündelt sind, Abstand genommen. Zuvor hatte er mit Anträgen auf einstweilige Verfügung die Ausübung des Pfandrechts durch die Bank zu verhindern versucht.

Die Partnerschaft von Leo Kirch und dem Springer Verlag war schon immer von juristischen Auseinandersetzungen geprägt. 1985 hatte der Medienunternehmer einen Anteil von 10 Prozent an dem Verlagshaus erworben, die eigentlich auf 26 % aufgestockt werden sollte. Es entbrannte aber ein Streit um die Anerkennung von Aktionärsrechten und Einfluss beim privaten Sender Sat.1, der auch vor Gericht ausgetragen wurde und erst 1992 endete.

Nach der Fusion des Kirch-Senders ProSieben mit der Springer-Beteiligung Sat.1 zu Deutschlands größtem TV-Konzern 2000 schien Ruhe in das Verhältnis eingekehrt. Doch mit der Ausübung einer Option zum Verkauf des 11,5-prozentigen Anteils an der Sendergruppe ProSiebenSat.1, die die Kirch-Gruppe zur Zahlung von 767 Mill. Euro verpflichtete, trug der Springer-Verlag im Frühjahr wahrscheinlich wesentlich zum Untergang des Kirch-Imperiums bei.

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