Bankiers arbeiten offenbar an neuem Regelwerk für Beziehungen zwischen Schuldnern und Gläubigern
Die Agenda neben der Tagesordnung

Die wichtigen Themen werden - wie stets - außerhalb der Tagesordnung besprochen. Bei der Herbsttagung von IMF und Weltbank in Dubai finden sich auf dieser Agenda neben der Tagesordnung die Themen US-Defizite und die Verschuldungssituation vieler Schwellenländern, besonders die Argentiniens.

Die Vorlage des Weltwirtschafts-Ausblickes durch den noch amtierenden IWF-Chefvolkswirt Kenneth Rogoff war bemerkenswert vor allem wegen der deutlichen Worte, die der Ökonom fand. Rogoff?s letzte Amtshandlung als IWF-Chefvolkswirt war geprägt von klaren Worten über die Schwäche der europäischen Wirtschaft, vor allem der deutschen. Diese Schwäche und Währungsfriktionen in Asien trügen zu einem deutlichen Ungleichgewicht in der weltwirtschaftlichen Entwicklung bei, kritisierte Rogoff in einer für den IWF ungewöhnlich deutlichen und zum Teil sarkastischen Form.

Bemerkenswert zurückhaltend gab sich der IWF bei der Bewertung des US-Defizites. Die Amerikaner tragen mit einer täglich um 1,5 Mrd. $ steigenden Staatsverschuldung und einem massiven Zahlungsbilanzdefizit nämlich mindestens ebenso zu einer ungleichgewichtigen Weltwirtschaftsentwicklung bei wie die Europäer. Was Rogoff verschwieg, brachte Bundesbank Vizepräsident Jürgen Stark mit Nachdruck auf den Punkt. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters riet er dazu bei der Diskussion über flexiblere Wechselkurse in China nicht das enorme Haushalts- und Leistungsdefizit der USA aus den Augen zu verlieren. "Wir dürfen mit der Diskussion über den (chinesischen) Yuan nicht vom Hauptproblem, dem Twin-Defizit der USA, ablenken", sagte Stark am Freitag in Dubai. Starke Worte, die aber wohl bei den Beratungen der G7-Finanzminister und Notenbankchefs ihr Echo finden werden. In Dubai werden derzeit Wetten gehalten, dass vor allem die Mitglieder der französischen Delegation zu einer spürbaren Kritik des US-Wirtschaftsverhaltens ansetzen werden.

Und was macht Argentinien? Diese Frage beschäftigt nicht wenige der führenden Privatbanker - und natürlich zahllose Investoren in Deutschland. Das Land hat Anleiheschulden in Höhe von 100 Mrd. Dollar. Der Schuldendienst ist seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2002 ausgesetzt. Nach der Einigung mit dem IWF in der vergangenen Woche wird nun mit einem Angebot an die Privatanleger gerechnet, dass das Land vermutlich am Montag in Dubai vorlegen will. Den kursierenden Gerüchten, dass man eine Tilgung von rund 25 % des Nettowertes offerieren wolle, schenken Beobachter in Dubai wenig Beachtung. Ein solches Angebot sei vollkommen inakzeptabel und verbaue Argentinien auf lange Zeit den Zugang zu internationalen Kapitalmärkten. Als wahrscheinlicher wird eine zeitlich gestreckte Umschuldung und eine Herabsetzung des Zinsniveaus angesehen.

Und während die Welt über Argentinien spekuliert, arbeiten die Bankiers der westlichen Welt offenbar an einem neuen Regelwerk, dass die Beziehungen zwischen staatlichen sowie supranationalen Schuldnern und Gläubigern regeln soll. Der Zusammenbruch Argentiniens hat eine lebhafte Diskussion darüber entfacht, ob es nicht ein, mit der privaten Wirtschaft vergleichbares, Bankrott-Verfahren auch für Staaten geben müsse. Dieser vom IMF unterstützte Weg wird nicht mehr weiter verfolgt. Die führenden Banken arbeiten nun an einem Regelwerk, dass ein "zweites Argentinien" in Zukunft unmöglich machen sollen. Details dazu könnte es schon am Wochenende in Dubai geben. In jedem Fall aber würde ein solches Regelwerk dazu führen, dass der IMF seine Mittlerfunktion zwischen Schuldnern und Gläubigen zumindest teilweise einbüßt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%