Banknotendrucker forciert Wandel zum Technologiekonzern
Giesecke & Devrient setzt mit neuer AG auf das E-Business

HB MÜNCHEN. Das Münchener Unternehmen Giesecke & Devrient will durch die Gründung einer AG für elektronische Zahlungssysteme stärker im elektronischen Handel Fuß fassen. Die Complete Payment Solutions, CpayS AG, die sich auf Sicherheitstechnik, Zahlungsverkehrsterminals und Internet-Payment-Lösungen konzentrieren wird, soll im Herbst 2002 an die Börse gebracht werden, teilte das Unternehmen am Mittwoch in München mit.

Viel verspricht sich das Unternehmen von der Geldkarte, die im Internet zum Universalzahlungsmittel avancieren soll. Mit der Ausgründung setzt der Konzern seinen bereits 1999 einschlagenen Umbauprozess fort. Willi Berchtold, Vorsitzender der Geschäftsführung des Konzerns, sagte, vor allem in Ländern mit bislang unzureichender Bank-Infrastruktur drängten die Regierungen und Staatsbanken darauf, rasch flächendeckende elektronische Zahlungslösungen einzuführen. Er rechne aus diesem Grund mit einem "erheblichen Re-Investitionsbedarf der Netzbetreiber, Finanzdienstleister und Banken".



Wolfgang Heinrich, der zum Vorstandsvorsitzenden der neuen AG bestimmt wurde, sagte Handelsblatt.com, die Unternehmensform einer AG sei gewählt worden, um auch durch Zukäufe ein aggressives Wachstumstempo zu erlauben. Zurzeit erziele der Bereich innerhalb des Konzerns einen Umsatz von 50 Mill. DM. 2001 werde CpayS bereits 80-100 Mill. DM umsetzen. "Im Jahr 2002 wird der Umatz bei einem ausgeglichenen Ergebnis 150 Mill. DM erreichen, und im Herbst 2002 ist dann auch ein Börsengang geplant."

Chip-Karten werden zu Produkten und Komplettsystemen

Viel verspricht sich das Unternehmen von der Geldkarte, die, als Cash-Mouse mit Kartenleser ausgestattet, zum universellen Zahlungsmittel für Kleinbeträge im Internet aufgewertet werden soll. Wie Giesecke & Devrient unter Berufung auf Medientransfer-Zahlen mitteilte, liegen 54 % der Einkaufsbeträge im Internetgeschäft unter 100 DM.



Kritik übte der Vorstandsvorsitzende allerdings an der zögerlichen Haltung des Zentralen Kreditausschusses, ZKA. "Der ZKA muss sich endlich auf verbindliche Standards für die Geldkarte verständigen", forderte Heinrich.

Ein weiteres Wachstumsgebiet der neuen AG soll im Tourismus und Transport erschlossen werden. Auch hier werden die Chipkarten in Komplettsysteme integriert, die als Park- oder Gästekarten in Hotels, Öffentlichem Nahverkehr oder auf Parkplätzen Einsatz finden sollen. "Unser Geschäft beginnt da, wo die Karte endet, also bei Transaktionen und im Kartenmanagement", umriss Heinrich den Geschäftsbereich der CpayS AG.

Als Hauptwettbewerber sieht das Unternehmen Chipkartenhersteller wie Orga, Verifone und Hypercom, aber auch IT-Dienstleister wie Debis, Logica und die IT-Sparte von Siemens . Vom irischen E-Payment-Spezialisten Trintech soll sich die CpayS AG durch stärkere auf den Kunden zugeschnittene Angebote absetzen. Allerdings räumte Heinrich im Gespräch mit Handelsblatt.com ein, dass Trintech derzeit im Internetgeschäft mit Verbrauchern noch einen Vorsprung bei der Software besitze. Das Software-Unternehmen Brokat bezeichnete Heinrich als Partner. Sollte Brokat indes versuchen, stärker in das Gateway-Segment vorzudringen, werde CpayS den Wettbewerb aufnehmen, kündigte der Vorstandsvorsitzende an.

Umbauprozess begann schon 1999

Mit der Gründung der CpayS AG setzt das vielfach in der Öffentlichkeit in erster Linie als Banknotendruckerei bekannte Unternehmen Giesecke & Devrient seinen Wandel zu einem Technologiekonzern fort. Bereits Ende 1999 hatte das Unternehmen damit begonnen, seine Geschäftsbereiche neu zu ordnen. Als Ergänzung zum Kartengeschäft war ein neuer Geschäftszweig gegründet worden, der sich auf Geschäfte rund um die Chipkarten konzentriert. Aus diesem Geschäftsbereich soll die CpayS AG entstehen.

Zudem hatte Giesecke & Devrient im April die Secartis AG gegründet, ein Startup-Unternehmen, das mittelfristig an den Neuen Markt gebracht werden soll und die Geschäftszweige Netzwerksicherheit, Trustcenter-Lösungen und elektronische Signaturen umfasst. Heinrich sagte, eine Ausgründung des Kartengeschäfts, sei nicht geplant. Statt dessen sollten die Erträge aus diesem Bereich für weiteres Wachstum eingesetzt werden.

Weniger Wachstum erwartet

Im Mai hatte Giesecke & Devrient angekündigt, nach einem Rekordjahr 1999 im laufenden Geschäftsjahr nur noch ein moderates Umsatzwachstum von 6 % zu erwarten. Als Begründung hatte das Unternehmen weltweite Überkapazitäten im Stammgeschäft, dem Druck von Banknoten, und erhöhten Investitionsbedarf im Chipkartensegment genannt. 1999 hatte Giesecke & Derivient knapp 1,8 Mrd. DM umgesetzt und den Gewinn um 400 % auf 78 Mill. DM gesteigert.

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