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Bankraub - war das was?

Knapp drei Wochen ist es her, da stahlen Bankräuber umgerechnet rund 63 Millionen Euro in gebrauchten, nicht nummerierten Banknoten aus dem Tresor der Zentralbank in Fortaleza, einer Provinzhauptstadt im Norden Brasiliens.

Knapp drei Wochen ist es her, da stahlen Bankr&auml;uber umgerechnet rund 63 Millionen Euro in gebrauchten, nicht nummerierten Banknoten aus dem Tresor der Zentralbank in Fortaleza, einer Provinzhauptstadt im Norden Brasiliens. Es war einer der gr&ouml;&szlig;ten Bankpl&uuml;nderungen der Geschichte weltweit. Die gesamte internationale Presse berichtete ausf&uuml;hrlich dar&uuml;ber. Doch in Brasilien selbst war der Millionen-Raub nach zwei Tagen aus den Schlagzeilen verschwunden. Es wurden zwar noch ein paar hunderttausend Banknoten in Kofferr&auml;umen von Autos entdeckt, die in Sattelschleppern auf den Weg zu den Metropolen nach S&uuml;den waren. Auch ein Teenager wurde dabei ertappt, wie er in einer Shopping-Mall der Hauptstadt Brasilias mit noch original verpackten Banknotenb&uuml;ndeln einkaufen wollte. Doch ansonsten ist der Raub vergessen. Niemand scheint sich noch daf&uuml;r zu interessieren, was mit den dreieinhalb Tonnen Banknoten geschehen ist. In der Presse abteilung der Zentralbank muss man ausf&uuml;hrlich sein Anliegen erkl&auml;ren, damit der Sachbearbeiter sich &uuml;berhaupt an den Vorfall erinnert. Mein Verdacht: Bei der anhaltenden Korruption in Brasiliens Politik, wo schwarze Kassen zur Parteinfinanzierung und Stimmenkauf in H&ouml;he von 150 Millionen Euro existiert haben sollen - da interessiert sich die &Ouml;ffentlichkeit einfach nicht f&uuml;r einen Bankraub, bei dem vergleichsweise &quot;ehrlich&quot; gearbeitet wurde: Immerhin er&ouml;ffneten die rund ein Dutzend R&auml;uber zur Fassade einen Gartenbaubetrieb, gruben drei Monate lang einen Tunnel bis zum Tresor der Zentralbank und nutzten dann ein Wochenende, um unbemerkt in den Safe einzudringen und in stundenlanger Schlepperei durch die klimatisierte Grube die Banknoten weg zu schaffen - eine organisatorische und logistische Meisterleistung, der die meisten Brasilianer Respekt zollen. Ganz anders als den schmierigen Geldw&auml;schern und Politikern. < br />


Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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