Archiv
Bannerwerbung mit Suchbegriffen ist zulässig

Das Landgericht Frankfurt meint: Internet-Nutzer wissen, dass Suchmaschinen durch Werbung finanziert werden.

crz BRÜHL. "Keyword Advertising" heißt das neue Zauberwort bei den Suchmaschinenbetreibern. Der Werbetreibende kann sich dabei aus einem Branchenverzeichnis ähnlich den Gelben Seiten einen oder mehrere Suchbegriffe reservieren lassen. So zum Beispiel den Begriff "Autozubehör". Fragt nun ein Internetkunde diese Bezeichnung über die Suchmaschine ab, erscheint vor oder neben der Trefferliste eine entsprechende Bannerwerbung, die sich von den standardisierten und kostenlosen Linkverweisen der Konkurrenz deutlich abhebt.

Das Landgericht (LG) Frankfurt am Main hat kürzlich entschieden, dass in der Bannerwerbung mit Keywords grundsätzlich keine unlautere Werbung zu sehen sei (Az.: 2-06 O 248/00). In dem Fall wollte die Firma Buderus einem Konkurrenten gerichtlich untersagen lassen, unter den Keywords "Heizung, Solar" Bannerwerbung im Portal der Firma Yahoo! zu betreiben. Bei Eingabe des Wortes "Buderus" wurde der jeweilige Anfragende auf einen entsprechenden Buderus-Link geleitet. Durch Anklicken kam der Internet-Nutzer auf die nächste Seite, die neben einem Link zur Homepage von Buderus die beanstandete Werbung des beklagten Konkurrenten enthielt. Die Klägerin vertrat die Auffassung, dass dies unter dem Gesichtspunkt des gezielten Abfangens von Kunden sowie des Behinderungswettbewerbs gegen § 1 des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) verstoße. Dies sei vergleichbar mit der als wettbewerbswidrig angesehenen Situation, wenn Kunden eines Mitbewerbers in unmittelbarer Nähe seines Geschäfts gezielt abgefangen würden.

Bannerwerbung ist notwendiges Übel

Nach Auffassung des LG Frankfurt wurde die Verbindung zwischen dem Firmennamen der Klägerin und der Werbung der Konkurrentin allerdings erst durch die Suchmaschine hergestellt. Dem Internetnutzer stehe es völlig frei, entweder den eingeschlagenen Suchweg weiterzuverfolgen und die Buderus-Website aufzurufen oder aber sich von der Werbung des Beklagten ablenken zu lassen. Der Nutzer von Suchmaschinen-Diensten wisse, dass er diese nur deshalb kostenlos in Anspruch nehmen könne, weil sich ihre Anbieter eben über Bannerwerbung finanzierten. Er akzeptiere die Bannerwerbung daher als notwendiges Übel. Außerdem werde dem Nutzer die Tatsache, dass der Werbebanner als Link ausgestaltet ist, erst bewusst, wenn er den Curser seines Computers auf diese Fläche bewegt. Schließlich wolle sich der Nutzer bei großen Unternehmen auf deren Homepages in erster Linie über die Produkte und Dienstleistungen informieren, so dass der Abschluss eines Vertrages nicht unmittelbar bevorstehe.

Dagegen ist es wettbewerbswidrig, ein Keyword mit dem Markennamen eines Wettbewerbers in Kombination mit einer Bannerschaltung zu belegen. Das hat das LG Berlin im Falle eines Internet-Blumenversenders entschieden (Az.: 15 O 22/01). Durch dieses Koppeln der Werbung mit einem fremden Markennamen hängt sich der Wettbewerber an den guten Ruf der Marke an, um sich selbst als alternativen Lieferanten anzupreisen. Zugleich betreibt er damit eine unzulässige "Umleitung" der Kunden, die dem Verteilen von Werbezetteln vor dem Ladengeschäft gleichkomme, so die Berliner Richter.

Die Frage, ob der Betreiber der Suchmaschine in derartigen Fällen selbst auf Unterlassung in Anspruch genommen werden kann, ist bislang noch nicht entschieden worden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%