Barack Obama in Berlin
Der neue Stolz, Amerikaner zu sein

Über 120 000 US-Bürger leben in Deutschland. Auch sie hat die „Obamania“ erfasst – weil sie sich nach all der Kritik an Präsident George W. Bush wegen Irak und Guantanamo nun endlich wieder offen zu ihrer Nationalität bekennen können.

BERLIN. Manchmal kann ein geschiedener Mann ganz nützlich sein – selbst wenn die Ex-Gattin eigentlich nie wieder etwas mit ihm zu tun haben wollte. „Ich war mit einem Deutschen verheiratet, wir haben in München gelebt“, erzählt Sue Bergermann. „Nach der Scheidung vor sechs Jahren bin ich mit meinem Sohn in die USA zurückgegangen – zu meinen Eltern und Freunden.“ Die 34-Jährige kommt aus einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Ohio im „Heartland“ Amerikas. „Ich hab damals nie gedacht, dass ich noch einmal nach Deutschland kommen würde – für mehr als ein paar Tage Urlaub.“

Doch sie kam, und sie blieb. Seit fast vier Jahren lebt Bergermann wieder in München. Schuld daran ist ein Mann: George W. Bush. „Ich hab es in Amerika nicht ausgehalten. Meine Heimat ist unter diesem Präsidenten zu einem Entwicklungsland verkommen. Alles ist marode, die Infrastruktur, die Schulen, die politischen Institutionen.“ Da sei ihr der Entschluss, wieder nach Deutschland – und damit in die Nähe des Ex-Mannes – zu ziehen, gar nicht schwergefallen. „Mein Sohn wollte das, aber auch ich war richtig froh, eine Alternative zu einem Leben in Amerika zu haben.“

Bergermanns Wohnort könnte sich bald wieder ändern. Es zieht sie erneut auf die andere Seite des Atlantiks, und das liegt auch dieses Mal an einem Mann: „Wenn Barack Obama die Präsidentschaftswahlen gewinnt, geht es über kurz oder lang wieder zurück in die USA“, sagt Sue Bergermann.

Der Mann elektrisiert viele Amerikaner – in diesen Tagen besonders die, die in Europa leben. Barack Obama, der 46-jährige Senator aus Illinois, macht auf seiner Wahlkampftour diesseits des Atlantiks morgen in Berlin Halt. Mit einer Rede vor der Siegessäule bringt er auch Europa seine Botschaft von Wandel und Neuanfang, von Aufbruch und Hoffnung. Sue Bergermann und ihr Sohn werden bei diesem Auftritt des möglicherweise 44. US-Präsidenten dabei sein, ebenso wie Tausende anderer Amerikaner, die in Deutschland leben.

Auf mehr als 120 000 schätzen Experten die Zahl der Auslandsamerikaner hierzulande. Etwa sechs Millionen sind es wohl weltweit. Sie bezeichnen sich gelegentlich als 51. Bundesstaat der USA.

Betrachtet man die parteipolitischen Vorlieben, gehörten viele Auslandsamerikaner lange Zeit traditionell zum Lager der Republikaner. Vor allem die US-Soldaten, die außerhalb ihrer Heimat stationiert sind, und ihre Angehörigen galten als Hochburg der Partei von Präsident Bush.

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