Barack Obama
Kommentar: Rhetorik des Teleprompters

Wer kann Barack Obama noch aufhalten? Der junge Senator aus Illinois kann seine Präsidentschaftskandidatur wohl nur noch verpassen, wenn er selbst schwere Fehler macht. Die Clintons können sein Momentum nicht mehr brechen. Doch in einem Wahlkampf gegen den Republikaner John McCain wird er schnell ins Straucheln geraten.

Der Demokrat Barack Obama gegen den Republikaner John McCain – auf diese Konstellation bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl im November können wir uns wohl einstellen. Für die Republikaner ist der 46-Jährige auf jeden Fall ein gefährlicherer Gegner als Hillary Clinton. Im Vergleich zum jugendlichen Optimismus Obamas, zu seiner eingängigen Botschaft („We want change“) und seiner telegenen Erscheinung wirkt der 71-jährige Haudegen McCain alt und auf den ersten Blick wenig überzeugend. Allerdings wagen wir die Prognose: Wenn es erst wirklich zum Duell McCain gegen Obama kommt und es nicht mehr um die Nominierung bei den Demokraten geht, wird der schwarze Politiker entzaubert, wenn er weitermacht wie bisher.

Bisher reitet Obama vor allem auf einer Welle der Hoffnung: Seine Reden im Predigerton informieren weniger, als dass sie mitreißen. Man kann Obama im ganz ursprünglichen, nicht denunziatorischen Sinn des Wortes als Verführer bezeichnen: Dieser Mann euphorisiert und verführt. Im eigentlichen Wahlkampf aber werden die Kandidaten auf ihre Fähigkeit zur Führung abgeklopft. Sosehr sich die Demokraten auch bemühen, Obama als zweiten John F. Kennedy zu inszenieren, so falsch bleibt dieser Vergleich: Kennedy verband seine damalige Rhetorik der Hoffnung und des Wandels mit einem eher pragmatischen Programm der Mitte in den meisten Sachfragen. So war Kennedy ein Anhänger von Steuersenkungen und eines schlanken Budgets.

Obama dagegen positioniert sich links von der Mitte, wenn er sich überhaupt zu Sachaussagen hinreißen lässt. Populistische Angriffe auf den Erdölriesen Exxon oder „Big Pharma“ kommen hinzu. Sicher: Im Vorwahlkampf mobilisiert er so die Basis der Demokraten. Aber als Botschaft für die breite Wählerschaft taugt das nicht.

Obamas Abstimmungsverhalten im Senat, das im Duell mit McCain eine große Rolle spielen wird, entlarvt ihn als Anhänger immer neuer Sozial- und Ausgabenprogramme. Schon witzeln konservative Kommentatoren, nur der berüchtigte Senator Bernie Sanders aus Vermont, der sich als „demokratischen Sozialisten“ bezeichnet, könne Obama in dieser Hinsicht links überholen. Im Mainstream der amerikanischen Gesellschaft kommt das nicht gut an.

Obama wird scheitern, wenn er sich am Teleprompter, den er allzu oft braucht, weiter nur an seine simple Botschaft des Wandels klammert. Die Kraft dieser Strategie sollte man zwar nicht unterschätzen in einem Land, das am Ende der Ära Bush ein Weiter-so-wie-bisher nicht akzeptieren würde. Selbst McCain betont seit neuestem in seinen Wahlkampfreden, Hoffnung sei eine mächtige Waffe in der Politik. Wohl wahr. Aber wie sagte schon Francis Bacon, der britische Staatsmann und Mitbegründer der empiristischen Philosophie? Hoffnung ist ein gutes Frühstück, aber ein schlechtes Abendbrot. Obama wird diese Lektion noch lernen.

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