Barack Obama
Wenn die Hoffnung übertreibt

Millionen Menschen in den USA und in aller Welt sehen im Präsidentschaftskandidaten Barack Obama einen Hoffnungsträger, eine Lichtgestalt, die "Change", Wandel, tatsächlich bewerkstelligen kann. Doch sie könnten herb enttäuscht werden, sollte Obama es tatsächlich ins Weiße Haus schaffen.

HB LONDON. Es dürfte Barack Obama ein Leichtes werden, die Erwartungen der Welt zu erfüllen, wenn er zum nächsten Präsidenten der USA gewählt wird. Er muss lediglich den unpopulären Krieg im Irak beenden, das von der weltweiten Lebensmittelkrise verursachte Elend lindern, Brücken in islamische Länder bauen und die von der Bush-Regierung praktizierte Politik der Alleingänge beenden. Und natürlich muss er auch noch die weltweite Klimaerwärmung stoppen.

Der junge, dynamische und charismatische Schwarze, der zum Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten gekürt wird, hat die Welt in Euphorie versetzt und einen riesigen Erwartungsdruck aufgebaut. Obama ist mit seiner hochfliegenden Botschaft von Erneuerung und Wechsel zu einer Leinwand geworden, auf die alle möglichen Wünsche und Hoffnungen projiziert werden. Sollte Obama gewählt werden, könnte es sehr wohl sein, dass der Neuling im Weißen Haus sich in der Realität des Regierens gezwungen sehen wird, Millionen auf der ganzen Welt zu enttäuschen - besonders, da er ein Land übernimmt, dem wirtschaftlich gerade etwas die Puste ausgeht und das sowohl in Afghanistan als auch im Irak in einen nur schwer aufzulösenden Konflikt verwickelt ist.

Die Desillusionierung könnte an mehreren Fronten einsetzen. Da ist zum einen der Irak-Krieg, in den Präsident George W. Bush die USA geführt hat. Obama macht sich für einen Truppenabzug aus dem Irak stark - eine populäre Haltung in weiten Teilen der Welt. Eine nüchterne Einschätzung der Sicherheitsrisiken könnte einen Präsidenten Obama allerdings dazu bringen, seine Meinung noch einmal zu überdenken. Sollte der Friedenskandidat den Krieg verlängern, würden sich viele Bürger auf der ganzen Welt verraten fühlen.

"Es gibt diese unrealistische Hoffnung, dass Obama den Wechsel bringen wird, dass alles besser ist als Bush", erklärt Robert McGeehan, der am Chatham House, einem Forschungsinstitut für internationale Politik in London, Experte für das Thema Anti-Amerikanismus ist. Von Obamas Anhängern hätten nur wenige dessen Vorschläge näher studiert. Viele mochten ihn nur, weil er das Ende der Ära Bush darstelle. "Bisher hat er es sehr leicht gehabt, aber nun wird es viel schwieriger", sagt McGeehan.

Seite 1:

Wenn die Hoffnung übertreibt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%