Barak bleibt Kandidat der Arbeiterpartei
Wahl-Kampagne ohne Kandidat in Israel

Die israelische Linke rührt die Werbetrommel für den aus ihren Reihen stammenden Friedensnobelpreisträger Schimon Peres. Dieser hätte nach Umfrageergebnissen auch Chancen bei der Wahl, kann aber nur antreten, wenn Ehud Barak seine Kandidatur zurückzieht.

Reuters JERUSALEM. Seine Anhänger in Israel rühren energisch die Wahl-Werbetrommel für Schimon Peres. Im Internet, mit T-Shirts und Auto-Aufklebern wird für den Friedensnobelpreis-Träger geworben: "Peres zum Ministerpräsidenten", heißt es da. Jüngsten Meinungsumfragen zufolge hätte Peres auch durchaus eine Chance, bei der Wahl am 6. Februar zu siegen. Der Haken ist nur: Peres tritt überhaupt nicht an. Doch die israelische Linke setzt ihre Hoffnung darauf, dass Peres in letzter Minute doch noch kandidiert und mit einem Sieg über den konservativen Likud-Kandidaten Ariel Scharon den Nahost-Friedensprozess rettet.

Jedoch: Peres kann nur antreten, wenn sein Arbeitspartei - Kollege Ehud Barak - Israels amtierender Ministerpräsident - die eigene Kandidatur zurückzieht. Barak aber hat stets betont, er bleibe im Rennen. Doch wenn man den Umfragen glauben will, stehen Baraks Chancen gegen Scharon schlecht, während Peres und Scharon in der Wählergunst etwa gleichauf liegen.

Das Verhältnis Barak-Peres ist kein einfaches. Nachdem Peres 1996 bei der Ministerpräsidenten-Wahl vom Likud-Kandidaten Benjamin Netanjahu geschlagen wurde, wurde Barak an seiner Stelle zum Chef der Arbeitspartei gewählt. Nachdem Barak 1999 die Wahl gegen Netanjahu gewonnen hatte, drängte er Peres mehr und mehr an den Rand bei den Friedensverhandlungen. Barak machte ihn lediglich zum Minister für Regionale Zusammenarbeit. Zwar ernannte Barak Peres dann doch noch zu seinem Chef-Unterhändler für die Verhandlungen mit den Palästinensern - offenbar wollte er sich damit aber vor allem auch die Unterstützung des linken Flügels sichern.

Peres selbst zeigt sich loyal zu Barak und hat ihm seine volle Unterstützung zugesagt. An eine eigene Kandidatur denkt er nach eigener Aussage nicht: "Lasst mich doch einfach die Umfrage-Ergebnisse lesen und genießen", sagte Peres am Freitag und versicherte erneut, er stehe hinter Barak.

Doch die Peres-Anhänger bleiben aktiv. Schimrit Or, ein bekannter Künstler, sammelt im Internet Unterschriften, um Barak zum Aufgeben zu bewegen. "Wir wollen die peinliche Niederlage verhindern, die sich jetzt schon abzeichnet" sagt Or. Es werde nicht genug Wähler für Barak geben. "Nur Peres kann gewinnen", fügt Or hinzu. Medienberater Zvi Barnea finanziert die Internet- Kampagne für Peres. Auf seiner Website heißt es: "Nur Peres kann Scharon schlagen". Nur Peres könne regionale Stabilität und schließlich einen Friedensvertrag mit den Palästinensern zu Stande bringen, wirbt die Site. Von Rechts wegen kann eine Partei ihren Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten noch bis vier Tage vor der Wahl austauschen.

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