Barak und Peres übernehmen Ministerämter
Große Koalition in Israel nimmt Gestalt an

Der designierte israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat den abgewählten Regierungschef Ariel Scharon und Friedensnobelpreisträger Schimon Peres für die Bildung einer Großen Koalition gewonnen. Die beiden Politiker der Arbeitspartei sagten dem Likud-Führer zu, als Minister in sein Kabinett zu kommen. Die Vereinbarung wurde am späten Donnerstagabend erzielt und muss noch von den Parteigremien gebilligt werden.

ap JERUSALEM. Wie der Sekretär der Arbeitspartei, Raanan Cohen, bestätigte, soll Barak in der neuen Regierung Verteidigungsminister werden und Schimon Peres Außenminister. Die beiden würden damit an entscheidender Position ein Gegengewicht zum Hardliner Scharon bilden und die Diplomatie bestimmen. Cohen sagte dazu im israelischen Fernsehen, die gemäßigten Kräfte hätten eine wichtige Stimme in der künftigen Regierung. Das Zentralkomitee muss dem Bündnis mit Scharon aber noch zustimmen, was nach Baraks schwerer Niederlage gegen seinen Herausforderer am 6. Februar nicht als gesichert gilt. Cohen sagte dazu, immer wenn Barak und Peres gemeinsam handelten, stimme die Partei zu.

Barak als "Ritter ohne Ehre"

Baraks Kabinettsminister Chaim Ramon sagte aber, Barak habe kein Mandat, der Regierung Scharon beizutreten. Die Öffentlichkeit erwarte nach seiner Wahlniederlage einen Rücktritt. In Zeitungskommentaren wurde Barak hart kritisiert: Die "Maariv" nannte ihn einen "Ritter ohne Ehre" und "Jediot Ahronot" erklärte, der noch amtierende Regierungschef gehe als der unglaubwürdigste Ministerpräsident in die israelische Geschichte ein.

Scharon kündigte an, nach dem Eintritt der Arbeitspartei werde er sich bemühen, kleinere Parteien zur Mitarbeit in der Regierung der Nationalen Einheit zu bewegen. Likud-Block und die Arbeitspartei sind auf die Unterstützung kleinerer Parteien angewiesen, da sie auch gemeinsam noch nicht über die absolute Stimmenmehrheit in der Knesset verfügen.

Zeitdruck nach Amokfahrt

Die Amokfahrt eines palästinensischen Busfahrers, die am Mittwoch in der Nähe von Tel Aviv acht Israelis in den Tod riss, hat den Likud-Block und die Arbeitspartei bei ihren Koalitionsverhandlungen unter Zeitdruck gesetzt. Die Zahl der Toten bei der jüngsten Welle der Gewalt stieg am Donnerstag auf 401. Israelische Soldaten erschossen im Gazastreifen einen palästinensischen Sicherheitsbeamten, der versucht haben soll, in eine jüdische Siedlung vorzudringen. Der 23-Jährige war das 401. Opfer der seit fünf Monaten anhaltenden Kämpfe. Bei rund 80 % der Toten handelt es sich um Palästinenser.

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