Barak unter dem Druck der Straße
Israelis demonstrieren gegen Zugeständnisse an Palästinenser

Die Demonstration in Jerusalem, eine der größten in der Geschichte Israels, richtete sich gegen eine Übergabe des Tempelbergs und anderer Teile der Altstadt an die Palästinenser.

ap JERUSALEM. Vier Wochen vor der Wahl in Israel steht Ministerpräsident Ehud Barak unter verstärktem Druck der politischen Rechten. Mehr als 200 000 Menschen demonstrierten am Montagabend in Jerusalem gegen Zugeständnisse an die Palästinenser. US-Präsident Bill Clinton schickte am Dienstag seinen Nahost-Vermittler Dennis Ross ein letztes Mal in die Konfliktregion, um vor dem Ende seiner Amtszeit am Samstag nächster Woche doch noch ein Friedensabkommen zu erzielen.

Die Demonstration in Jerusalem, eine der größten in der Geschichte Israels, richtete sich gegen eine Übergabe des Tempelbergs und anderer Teile der Altstadt an die Palästinenser. Die teilweise aus den Siedlungen des Westjordanlandes und ganz Israel angereisten Demonstranten versammelten sich entlang der Mauer um die Altstadt und forderten, Jerusalem und der Tempelberg müssten vollständig in der Hand Israels bleiben. Sie protestierten gegen den Friedensplan Clintons, der die Übergabe des Tempelbergs an die Palästinenser vorsieht.Zu der Kundgebung hatte die Immigrantenpartei Israel B'Alija des ehemaligen sowjetischen Dissidenten Nathan Scharanski aufgerufen. Unterstützt wurde der Protest von vielen Gruppen ultraorthodoxer Juden. "Ich hoffe, dass Barak die Botschaft verstanden hat", rief Bürgermeister Ehud Olmert der jubelnden Menge zu. Auch der ehemalige Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nahm an der Demonstration teil.

Ein Massenaufgebot der Polizei trennte an den Toren zur Altstadt die Demonstranten von palästinensischen Gegendemonstranten auf der anderen Seite der Mauer. Sie verhinderte auch, dass eine Menschenkette um die gesamte Altstadt gebildet wurde, indem sie den Demonstranten das Betreten arabischer Stadtteile verbot.

In Kairo berieten unterdessen israelische und palästinensische Sicherheitsbeamte mit dem Chef des US-Geheimdienstes CIA, George Tenet. Die Israelis erklärten anschließend, beide Seiten hätten sich eine Wiederaufnahme der im September eingestellten Sicherheitszusammenarbeit geeinigt. Die Palästinenser dementierten dies jedoch und erklärten, Israel habe die von ihnen im Gegenzug gestellte Forderung nach einer Aufhebung der Blockade der palästinensischen Autonomiegebiete im Westjordanland und Gazastreifen abgelehnt.

Palästinenser bei Zusammenstoß erschossen



Bei Zusammenstößen zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern wurde am Dienstag ein 28-jähriger Palästinenser erschossen, wie Ärzte mitteilten. Der Vorfall ereignete sich in Silat el Daher im Westjordanland. Bei den Unruhen kamen in den vergangenen drei Monaten 362 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Palästinenser.

Clintons jüngster Kompromissvorschlag sieht vor, dass ein künftiger Staat Palästina 95 % des Westjordanlands und den gesamten Gazastreifen umfassen soll. Israel soll den Palästinensern außerdem die Oberhoheit über den arabischen Ostteil von Jerusalem mit dem Tempelberg zugestehen. Im Gegenzug sollen die Palästinenser auf ein prinzipielles Rückkehrrecht für die rund vier Mill. palästinensischen Flüchtlinge und ihre Nachfahren verzichten. Das lehnen die Palästinenser aber ab.



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