Barfuß durch Berlin
Strandbars sind der neueste Hit am Spreeufer

Wannsee oder Ostsee - das waren bislang die beiden wichtigsten Alternativen für Berliner auf der Suche nach dem Strand. Jetzt sonnt sich die Szene mitten in der City.

HB/dpa BERLIN. Politiker und Journalisten sonnen sich im Sand des "Bundespressestrandes" im Regierungsviertel, Studenten strömen unweit der Hackeschen Höfe in die "Strandbar Mitte" und Familien mit Kindern besichtigen am Wochenende die Sandskulpturen an den Resten der Berliner Mauer in Friedrichshain.

Die "Strandbar Mitte", in der Nähe der touristischen Flaniermeile Oranienburger Straße am Spreeufer gelegen, feierte schon im vergangenen Jahr ihren ersten Sommer. Nach anfangs gemäßigtem Andrang des meist studentischen Publikums auf Liegen und Stühlen gibt es in diesem Jahr oft nicht mal mehr freie Plätze im Sand. In den warmen Wochenendnächten drängen sich hunderte junge Menschen auf dem Strand, für den brandenburgischer Sand in Lastwagen in die Hauptstadt gefahren wurde.

Caipirinha und warmes Flaschenbier werden von Bar-Mädchen in Wickelröcken im Akkord über den Tresen geschoben. DJs legen elektronische Musik auf, das tagsüber trübe Spreewasser trägt in der Nacht einen romantischen Glanz. "Einfach cool hier, überhaupt nicht großstadtmäßig, mehr so wie im Urlaub", sagt die 22-jährige Jura- Studentin Helena.

Etwas gesetzter geht es am Bundespressestrand zu. Schräg gegenüber vom Reichstag und unterhalb der Bundespressekonferenz achtet man auch beim Strandleben auf Etikette. Die meisten Männer behalten bei 27 Grad und feinem Ostseesand unter den Füßen noch die Schuhe an, einige auch die Krawatte. Weißwein und Prosecco verkauft sich genau so gut wie Bier, statt House-Musik gibt es Klassik-Abende.

Politiker, Journalisten und Berliner sollen hier in der Mittagspause oder nach Büroschluss "zwanglos aufeinander treffen", erklärt die Medienagentur, die den Strand für einen Sommer aufschütten ließ. Die Aussicht auf Reichstag und die Bundestagsbüros im Paul-Löbe-Haus ist zwar eher vom Sichtbeton der neuen Berliner Republik als von Romantik geprägt, doch das Konzept geht auf.

Wer auf prominente Gesichter hofft, wird jedoch enttäuscht. Nur FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt lächelt den Besucher aus einem Liegestuhl an - allerdings von einem vergrößerten Foto, das an der Bar hängt. Immerhin meint ein CDU-Mitarbeiter: "So lässt sich der Sommer in der Hauptstadt sogar trotz Steuerreform aushalten."

Berlins größter Innenstadt-Strand zieht sich 300 Meter entlang der East-Side-Gallery, dem mit Gemälden geschmückten Mauerstreifen an der Spree gegenüber von Kreuzberg. Auf dem Sandstreifen spielen Kinder, daneben stehen noch die bis zu acht Meter hohen Sandskulpturen, die Wochen nach einem Bau-Wettbewerb langsam zerfallen. Vor dem "Oststrand" ist ein verrosteter Lastkahn am Ufer festgemacht. Über das Deck zieht der Geruch von Joints, der CD-Player spielt Reggae- Musik. Über die Steuerreform redet hier keiner.

Internet: Berliner Strände: www.strandbar-mitte.de; www.bundespressestrand.de; www.sandsation.de.

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