Bargeldlos in das Euro-Zeitalter gleiten
Handel und Banken raten zu Euro-Kartenzahlungen

Die neuen Euro-Münzen und Scheine sollen die Bundesbürger nach Vorstellung von Banken und Handel in den ersten Januartagen möglichst noch im Portmonee lassen und lieber bargeldlos bezahlen.

Reuters FRANKFURT. Schneller und einfacher gehe so der Wechsel zum neuen Bargeld, sagen Vertreter von Handel und Kreditwirtschaft. Die Einzelhändler müssten zudem mit weniger Wechselgeld in zwei Währungen hantieren. Vor allem die Kartenbranche setzt darauf, dass sich durch die Euro-Umstellung im traditionellen Bargeldland Deutschland mehr Verbraucher an das Bezahlen mit EC- und Kreditkarte gewöhnen und dann dabei bleiben.

Gerade für die Doppelwährungszeit bis Ende Februar sehen Bankenvertreter große Vorteile des Zahlens ohne Scheine und Münzen. "Mit Karte zu bezahlen, ist eine sehr einfache und stressfreie Art, in das Euro-Zeitalter zu gleiten", sagt Stefan Marotzke vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Die Gesellschaft für Zahlungssysteme (GZS), die Kartenzahlungen abwickelt, zählt die Vorteile auf: Wer mit der Karte und damit bargeldlos bezahle, vermeide die doppelte Währung im Geldbeutel sowie das Nachrechnen und sorgfältige Prüfen des Wechselgeldes. Zudem sinke das Risiko, an Falschgeld zu geraten. Experten befürchten, dass Fälscher die mangelnde Vertrautheit von Personal und Kunden mit dem Euro ausnutzen könnten, um Falschgeld in Umlauf zu bringen.

Für die Umstellung der Online-Terminals zur Zahlung mit Kredit- oder EC-Cash-Karten ist nach Angaben mehrerer Abwickler gesorgt. Die Konten bei Abrechnungsunternehmen und Banken werden automatisch auf Euro umgestellt. Die Offline-Geräte für das Lastschriftverfahren, also das Bezahlen mit EC-Karte und Unterschrift, müssen die Händler selbst umrüsten lassen. Schecks und Überweisungen müssen im kommenden Jahr auf Euro lauten. Unabhängig von der Euro-Einführung wird der Euro-Scheck im kommenden Jahr abgeschafft. Es hänge vom einzelnen Händler ab, ob er normale Verrechnungsschecks akzeptiere, sagt Marotzke.

Einzelhändler fordern zur Zahlung mit Karte auf

Auch der Einzelhandel rät, im neuen Jahr vor allem mit Bankkarten oder EC-Karten zu bezahlen. "Der Kunde erspart sich und dem Kassenpersonal einige Unannehmlichkeiten", sagt Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbandes des deutschen Einzelhandels (HDE). Dies entschärfe das Wechselgeld-Problem im Handel und verringere die D-Mark-Bestände, die aus dem Verkehr gezogen werden müssen. In den ersten Tagen seien die Bargeldbestände in den Geschäften je nach Branche und Größe zehn bis 15 Mal so viel hoch wie üblich. "Die Einzelhändler sind froh um jeden Geldsack, der nicht zur Bank gebracht werden muss", sagt Pellengahr. Viele Einzelhändler forderten ihre Kunden geradezu zur Zahlung mit Karten auf.

Experten rechnen damit, dass die Deutschen wegen des Euro zumindest für kurze Zeit öfter ihre mehr als 120 Mill. Karten zücken werden. Ob dieser Effekt anhalten werde, bleibe abzuwarten, sagt Marotzke. "Gewohnheiten, die man über Jahre hinweg aufgebaut hat, ändert man nicht so ohne weiteres." In Deutschland hat das Bargeld beim Bezahlen nach HDE-Angaben noch einen Anteil von mehr als 70 %. Auch Bankenvertreter erwarten, dass sich daran nichts ändern wird. "Ich sehe nicht, dass der Euro den großen Schub bringen wird", sagt Oliver Wolfrum vom Bundesverband deutscher Banken.

Anbieter von Geldkarten hoffen auf Akzeptanzschub

Besonders Fachleute der Kartenbranche setzen auf den Euro als Zugpferd für bargeldloses Zahlen. "Wenn man davon ausgeht, dass die Karte bequem ist, gibt es keinen Grund, warum die Verbraucher zum Bargeld zurückkehren sollten", sagt Christoph Strauch, Berater bei Unternehmensberatung Paysys Consultancy, die die statistischen Daten des Kartengeschäfts in Deutschland erfasst. Im Jahr 2000 hatten Paysys zufolge Bank- und EC-Karten einen Anteil von 74 % an den geschätzten rund 200 Mrd. DM Kartenumsatz. 18 % davon entfielen auf Kreditkarten und nur 0,1 % auf Geldkarten.

Anbieter von Geldkarten erhoffen sich vom Euro jetzt einen Akzeptanzschub. So fordern Nahverkehrsunternehmen dazu auf, in den ersten Tagen die Geldkarte zu benutzen, um zum Beispiel beim Bezahlen in Bussen Wartezeiten zu vermeiden. Manche Automaten nähmen entweder nur Mark oder nur Euro an, sagt Stephan Arounopoulos von S-Card Service. Wenn die Kunden nicht immer die richtigen Münzen parat hätten, könnten sie zur Geldkarte greifen. "Die Euro-Umstellung ist eine einmalige Chance, das Thema noch einmal zu bewerben."

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