Barilla: Angebot "nicht modifizierbar"
Keine Übernahmeschlacht um Kamps

Der weltweit größte Nudelhersteller Barilla wird nach Angaben des Firmenchefs sein Angebot von 1,8 Milliarden Euro für Europas größte Bäckereikette Kamps zurückziehen, sollte noch ein anderes Unternehmen eine Offerte vorlegen.

Reuters MAILAND. Auf die Frage wie Barilla auf ein höheres Angebot durch einen "Weißen Ritter" reagieren würde, sagte der Chef des italienischen Familienkonzerns Guido Barilla einer italienischen Finanzzeitung: "Kein Problem. Wir würden sie das tun lassen und uns selber auf andere Möglichkeiten konzentrieren." Als "Weißer Ritter" wird in Finanzkreisen ein Unternehmen bezeichnet, dass eine feindliche Übernahme einer befreundeten Firma durch eine andere verhindert.

Unterdessen sagten institutionelle Anleger, sie befürworteten die Milliarden-Offerte von Barilla. Das Angebot biete eine attraktive Prämie. Spekulationen um einen möglichen Einstieg des US-Mischkonzerns Sara Lee dauerten auch am Mittwoch an, obwohl Kamps und der US-Konzern derartige Gerüchte am Vortag nicht kommentieren wollten. Die Aktien von Kamps, die in den vergangenen Tagen stark gestiegen waren, gaben nach.

Guido Barilla bezeichnete der Zeitung zufolge das Angebot von 12 Euro je Aktie erneut als fair. Der Chef des Familienkonzerns bekräftigte, es werde kein neues Angebot geben. "Das Angebot von 12 Euro ist nicht modifizierbar", sagte Barilla auch der Zeitung "Corriere della Sera". Kamps und der italienische Konzern seien am vergangenen Wochenende "sehr nahe" an einer Einigung gewesen, sagte der Barilla-Chef den Berichten zufolge weiter. Bei den Kamps-Verhandlungsführern sei es aber am Sonntag zu einem "drastischen Sinneswandel" gekommen.

Kamps hatte am Montagabend erklärt, die Gespräche beendet zu haben. In Branchenkreisen hieß es, vor allem die Preisvorstellungen von Firmengründer Heiner Kamps hätten zum Abbruch der Gespräche geführt. Im Zuge der Verhandlungen sei das Angebot von Barilla aufgestockt worden, doch immer noch nicht zur Zufriedenheit von Heiner Kamps.

Das "Handelsblatt" berichtete in seiner Mittwochausgabe unter Berufung auf Kamps nahe stehende Kreise, ein Aufschlag von 25 bis 50 Prozent sei gerechtfertigt. Kamps-Schätzungen bezifferten den Wert der Aktie auf bis zu 20 Euro. Das Barilla-Angebot liegt um 11,3 Prozent über dem Kurs von vergangenen Freitag.

Fonds-Manager zeigten sich dagegen mit der Barilla-Offerte zufrieden. "Wir wären glücklich, wenn wir (unsere Kamps-Aktien) für 12 Euro verkaufen könnten," sagte ein Portfolio-Manager eines großen Europäischen Fonds, der mehr als ein Prozent der Kamps-Aktien verwaltet. Das Barilla-Angebot biete eine attraktive Prämie. Analysten sehen den fairen Wert der Kamps-Aktie bei rund acht Euro. "Ohne das Barilla-Angebot würden die Kamps-Aktien bei rund acht Euro liegen. Kamps will offensichtlich einen höheren Preis durchsetzen, doch das ist unrealistisch", hieß es.

Zu Gerüchten, Barilla werde das Angebot aufstocken, sagte Klaus Hagedorn, Portfolio-Manager bei Metzler Investment GmbH: "Es ist eine strategische Entscheidung und ich sehe nichts, was Barilla sonst kaufen könnte." Ohne Zukäufe könne der Konzern seine europäischen Ambitionen vergessen, sagte Hagedorn. Metzler verwaltet rund ein Prozent der Kamps-Aktien.

Ein Kamps-Sprecher wollte sich auch am Mittwoch nicht zu dem Barilla-Angebot äußern. Kamps werde auf der Hauptversammlung am Dienstag die Gründe für die Ablehnung erläutern, bekräftigte der Firmensprecher. Unmittelbar vor der Hauptversammlung in Düsseldorf findet eine Sitzung des Kamps-Aufsichtsrates statt. Zudem wird Kamps über das erste Quartal 2002 berichten.

Im Markt halten sich weiterhin Spekulationen, der US-Mischkonzern Sara Lee sei möglicherweise an Kamps interessiert. Kamps und Sara Lee hatten es am Vortag abgelehnt, diese Gerüchte zu kommentieren. Commerzbank-Handelsexperte Klaus Becker verknüpfte am Mittwoch den Einstieg eines neuen Mehrheitsaktionärs mit der Zukunft des Firmengründers Heiner Kamps im Unternehmen. "Es stellt sich die Frage, ob ein Vollblutunternehmer wie Heiner Kamps mit einem neuen Großaktionär zusammenarbeiten kann", sagte Becker.

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