Barilla greift zu
Heiner Kamps Backwarenimperium wackelt

Zukäufe zuerst in der Region, dann bundesweit und international ließen aus einer kleinen Düsseldorfer Filialbäckerei ein Back- und Brotimperium in Europa entstehen. Mit dem Übernahmeangebot der italienischen Barilla-Gruppe könnte der gelernte Bäckermeister Kamps seinem Expansionshunger möglicherweise bald selbst zum Opfer fallen.

dpa DÜSSELDORF. Für Christoph Schlienkamp, Aktienanalyst beim Düsseldorfer Bankhaus Lampe, kommen die Avancen der Italiener nicht überraschend. Seit einem halben Jahr seien Interessen des Pasta-Riesen schließlich bekannt. Auch zweifelt er daran, die Absicht der Italiener als feindlich einzustufen, selbst wenn der gebotene Preis von 12 Euro je Aktie in der Düsseldorfer Kamps-Filiale zunächst auf Skepsis stieß. "In einem Kurs von 10,50 Euro ist unsere strategische Position in Europa jedenfalls nicht ausreichend berücksichtigt", betont ein Unternehmenssprecher.

Jadwiga Bobrowska, Analystin bei der Düsseldorfer WestLB Panmure, taxiert die Kaufofferte von Barilla auf das gut Achtfache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). In anderen Fällen wird für ein Unternehmen zwar deutlich mehr gezahlt, doch Kamps sei nicht ohne Probleme, spielt sie auf den hohen Schuldenstand des Unternehmens an. So hatte das Unternehmen den Ausbau seiner Aktivitäten in Deutschland und Europa vor allem durch Fremdmittel finanziert.

Dabei hatten besonders die Übernahme des doppelt so großen SB-Backwarenherstellers Wendeln in Deutschland und Quality Bakers in den Niederlanden im Jahr 2000 in finanzielle Nöte gebracht. Außerdem erwarb Kamps im gleichen Jahr einen Anteil von 49 Prozent an dem französischen SB-Backwarenproduzenten Harry's.

Trotz der Schwierigkeiten hält Bobrowska eine Übernahme des Backwarenspezialisten durch Barilla für sinnvoll: "Beide Unternehmen passen gut zueinander und haben kaum Überschneidungen. Für die Italiener, die abgesehen vom heimischen Markt in Europa nur mit dem Knäckebrothersteller Wasa glänzen können, sei Kamps "eine schöne Ergänzung".

Mitte Mai, heißt es in der Branche, könnte Barilla den Aktionären von Kamps ein offizielles Übernahmeangebot unterbreiten. Gelingt den Italienern die Akquisition, beginnt ein neues Kapitel in der kurzen Geschichte des Unternehmens. Aber auch das dürfte für Heiner Kamps kein Problem sein: Schließlich hatte der agile Bäckermeister schon einmal sein Unternehmen verkauft: 1992 übernahm der US-Konzern Borden seine 20 Bäckereifilialen. Nur vier Jahre später begann die Kamps-Erfolgsstory: Durch eine Ausgründung, einem so genannten Management Buy-Out, übernahm der "Goldbäcker" aus Düsseldorf wieder das Ruder in seinem alten Unternehmen. Und ihm gelang, was bislang keiner aus seiner Branche schaffte: den Sprung von der Backstube aufs Börsenparkett.

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