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Barilla und Aktionäre blicken mit Spannung auf Kamps-HV

Im Übernahmegerangel um die Düsseldorfer Großbäckerei Kamps will der italienische Nudelhersteller Barilla nun erst einmal die weiteren Reaktionen des rheinischen Unternehmens abwarten. Auch die Kleinaktionäre von Kamps hoffen auf neue Erkenntnisse, wenn das Unternehmen am Dienstag seine Hauptversammlung abhält.

Reuters/DÜSSELDORF. Auch die Kleinaktionäre von Kamps hoffen nach Angaben ihrer Vertreter auf neue Erkenntnisse, wenn das Unternehmen am Dienstag seine Hauptversammlung abhält.

Barilla sei sehr gespannt, welche Stellungnahme und Vorschläge Kamps auf seiner bevorstehenden Hauptversammlung abgeben werde, sagte der Finanzchef des italienischen Unternehmens, Vittorio Ogliengo, am Montag im Gespräch mit Reuters in Frankfurt.

Unterdessen sagte Axel Zühlke von der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK), es sei sehr misslich, dass sich Kamps bislang nicht weiter geäußert habe. Wenngleich das Barilla-Angebot auf Grund mangelnder Informationen noch nicht abschließend zu bewerten sei, stehe die SdK aber grundsätzlich positiv einer Übernahme gegenüber.

Im Vorfeld der Hauptversammlung wird Kamps am Dienstag auf einer Pressekonferenz neben der Veröffentlichung der Zahlen zum ersten Quartal eine Stellungnahme zum Angebot des italienischen Unternehmens veröffentlichen. Dies kündigte Firmensprecher Thomas Sterz an, ohne Details zu nennen.

Kamps-Sprecher Sterz sagte Reuters, jüngst hätten neben Barilla weitere Investoren ihr Interesse an Kamps bekundet. "Es hat sich eine Reihe von Interessenten gemeldet". Weitere Angaben dazu wollte er aber nicht machen. Spekulationen der vergangenen Woche zufolge, plant der US-Mischkonzern Sara Lee einen Einstieg bei Kamps. Beide Unternehmen haben bislang einen Kommentar dazu abgelehnt.

Nachdem bereits in den vergangenen Monaten immer wieder Gerüchte über einen möglichen Einstieg Barillas bei Kamps aufgekommen waren, hatte der italienische Familienkonzern Anfang vergangener Woche seine Übernahmepläne veröffentlicht und den Aktionären des im MDax gelisteten Konzerns zwölf Euro je Aktie geboten. Kamps lehnte diese Offerte als zu niedrig ab. Barilla hält bereits mehr als zwei Prozent an Kamps und müsste für die komplette Übernahme inklusive aller Schulden rund 1,8 Milliarden Euro zahlen. Etwa 15 Prozent der Aktien liegen nach Firmenangaben beim Management, 85 Prozent sind breit gestreut.

Grundsätzlich bewerten die Aktionärsvertreter eine mögliche Übernahme durch Barilla positiv. Es könnten Synergien geschaffen werden, die beiden Unternehmen zum Vorteil gereichen würden, hieß es bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und SdK übereinstimmend. Doch letztlich sei dies bei den Kleinaktionären von sekundärem Interesse. Die Anteilseigner, die zu einem Verkauf ihrer Papiere bereit wären, seien primär an einem fairen Preis interessiert. Es gelte den Verlust, den die Meisten ohnehin mit den Aktien gemacht hätten, zu minimieren, sagte Carsten Heise von der DSW.

Darüber hinaus müsse die Frage geklärt werden, "was will Barilla mit den Aktionären machen, die bei Kamps bleiben wollen" etwa im Falle eines möglichen Delistings, sagte der SdK-Vertreter. Das offizielle Übernahmeangebot muss bis Mitte Mai veröffentlicht werden. Bankenkreise rechnen nach einem Medienbericht aber bereits in der kommenden Woche mit dem Prospekt.

Die Kamps-Aktien hatten in den vergangenen zwei Jahren deutlich an Wert eingebüßt. Anfang 2000 noch mit über 40 Euro bewertet sank der Kurs sukzessive und erreichte im Herbst vergangenen Jahres mit sechs Euro seinen bisherigen Tiefstand. Nach dem Übernahmeangebot stieg der Kurs über die gebotenen zwölf Euro.

Wie bereits Konzernchef Guido Barilla schloss auch Finanzvorstand Ogliengo die Möglichkeit einer Aufstockung des bisherigen Angebots nicht komplett aus, sofern ein so genannter "Weißer Ritter" ("White Knight") eine konkurrierende Offerte vorlegen würde. "Vielleicht würden wir im letzten Moment Maßnahmen ergreifen", sagte Ogliengo. "Es ist legitim, zu reagieren, wenn etwas passiert. Aber das ist eine hypothetische Frage, da wir bisher keinen White Knight sehen."

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