Barlach will mit Mehrheits-Übernahme möglichen Einfluss des Springer-Verlages verhindern
Hamburger Morgenpost in neuen Händen

Der Hamburger Medien- und Immobilienmanager Hans Barlach wird neuer Hauptgesellschafter bei der traditionsreichen Boulevardzeitung "Hamburger Morgenpost". Er stockt seine Anteile an der Verlagsgesellschaft City Boulevard von 33,34 auf rund 67 % auf.

HB HAMBURG. "Ich habe von meinen Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht", sagte Barlach dem Handelsblatt. Für die zusätzlichen Anteile bezahlt er mehr als 1,6 Mill. Euro, heißt es in Branchenkreisen. Die Restbeteiligung an City Boulevard hält der Hamburger Medienunternehmer Frank Otto, Sohn des Versandhausgründers Werner Otto.

Mit dem Kauf verhindert Barlach den Einstieg des Verlegers der "Kieler Nachrichten", Christian Heinrich. Er hatte bereits einen Anteil von 33% an City Boulevard erworben, den ihm Frank Otto verkauft hatte. "Der Kaufvertrag mit Heinrich wird rückabgewickelt", sagte Barlach. Hintergrund für die überraschende Wende ist, dass der Barlach einen Einfluss des Berliner Axel Springer Verlags bei der Hamburger Morgenpost unterbinden will.

Heinrich ist mit 51% Gesellschafter der Kieler Zeitung Verlags- und Druckerei GmbH & Co. KG. und auch deren Geschäftsführer. Springer ist an dem Blatt direkt mit 24,5% und indirekt über die Hanseatische Verlagsbeteiligungen AG mit weiteren 24,5% beteiligt. "Die Morgenpost muss unabhängig von Springer bleiben", unterstrich Barlach.

Durch den Einstieg von Heinrich hätte die Morgenpost möglicherweise einen erheblich an Glaubwürdigkeit bei den Lesern verloren, heißt es aus dem Umfeld des Medienmanagers. Denn Springers "Bild"-Zeitung ist der größte Konkurrent der Hamburger Morgenpost. Morgenpost-Leser hätten durch den Einstieg des Kieler-Nach richten-Verlegers vermutet, dass Springer-Einfluss auf die Belange der Zeitung nimmt, heißt es in diesen Kreisen. Ein weiteres Indiz für einene drohenden Springer-Einfluss seien die bereits weitgehenden Bestrebungen gewesen, den Vertrieb der Hamburger Morgenpost auf das von Springer dominierte Pressegrosso Buch und Druck Anfang nächsten Jahres zu verlagern. Springer selbst wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

Der Medienunternehmer Barlach war mit Frank Otto Ende 1999 bei der "Mopo" eingestiegen - wie die Zeitung volkstümlich in Hamburg genannt wird. Sie hatten damals die Anteile von der Bertelsmann-Tochter Gruner+Jahr (G+J) sowie dem Verleger Hans Dichand erworben. Die beiden Manager hatten die Zeitung übernommen, nachdem es dem damaligen Gruner+Jahr-Chef Gerd Schulte-Hillen nicht gelungen war, die Zeitung in die Gewinnzone zu führen. Die Mopo gehörte davor zum SPD-Medienimperium. Sie verkauft täglich mehr als 120000 Exemplare.

Das Traditionsblatt hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2002/03 (zum 30. Juni) einen Umsatz von 22 Mill. Euro sowie wieder einen kleinen Gewinn von 0,5 Mill. Euro erzielt.

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