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Baron und Forscher: Vor 200 Jahren endete Humboldts Amerikareise

Mexiko-Stadt (dpa) - Es war eine der bedeutendsten Reisen der Geschichte. In fünf Jahren hatte Alexander von Humboldt (1769-1859) mit seinem Gefährten Aimé Bonpland das Gebiet der heutigen Staaten Venezuela, Kuba, Kolumbien, Ecuador, Peru und Mexiko durchstreift und zuletzt noch in Washington US-Präsident Thomas Jefferson getroffen.

Mexiko-Stadt (dpa) - Es war eine der bedeutendsten Reisen der Geschichte. In fünf Jahren hatte Alexander von Humboldt (1769-1859) mit seinem Gefährten Aimé Bonpland das Gebiet der heutigen Staaten Venezuela, Kuba, Kolumbien, Ecuador, Peru und Mexiko durchstreift und zuletzt noch in Washington US-Präsident Thomas Jefferson getroffen.

Als Humboldt am 3. August 1804 in Bordeaux und wenig später in Paris eintraf, wurde ihm ein rauschender Empfang bereitet. Humboldt hatte so viele Messergebnisse, Pflanzen, Tiere und Reiseeindrücke gesammelt, dass er nach seiner Rückkehr 30 Jahre benötigte, um alle seine Forschungsergebnisse auszuwerten. Der Nachwelt hinterließ er ein Werk von 34 Bänden. Weil Humboldt auf allen Wissensgebieten forschte, gilt er vielen als der letzte Universalgelehrte.

Der gelernte Bauingenieur war 30 Jahre alt, als er 1799 mit Bonpland von Spanien aus startete. Schon damals hatte der Adlige, der sich den Idealen der Aufklärung verpflichtet fühlte und mit der französischen Revolution sympathisierte, als Wissenschaftler einen Namen.

Humboldt hatte nicht nur ein Empfehlungsschreiben des spanischen Königs Karl IV. im Gepäck. Er besaß auch 50 hochmoderne Messgeräte, mit denen er sich in jahrelanger Vorbereitungszeit vertraut gemacht hatte. Auf dem fernen Kontinent vermaß Humboldt Längen- und Breitengrade, Temperaturen und Luftdruck, Küstenverläufe und Bergprofile. Zusammen mit dem Botaniker Bonpland sammelte er rund 60 000 Pflanzen, darunter 3600 bis dahin unbekannte Arten.

Noch heute staunt die Nachwelt über die physische Leistungsfähigkeit des Barons, der in seiner Kindheit und Jugend als kränklich galt. Ohne Spezialkleidung, in Halbschuhen und Gehrock, stieg er in den Anden in Ecuador den mächtigen Chimborazo hinauf. Er gelangte auf eine Höhe von knapp 6000 Metern, wo die meisten heutigen Bergamateure unter Übelkeit und Kopfschmerzen leiden. Der Forscher legte zwischen den Küsten Südamerikas große Strecken zu Fuß zurück und befuhr im Kanu wilde Urwaldströme.

Es zeichnete Humboldt als modernen Naturwissenschaftler aus, dass er sein Weltbild auf der Basis von Beobachtungen vor Ort und konkreten Messergebnissen entwickelte. Humboldt gelang es, anhand der Laufbahn des Merkurs den Längengrad von Lima zu berechnen, was für geografische Bestimmungen im südwestlichen Amerika von entscheidender Bedeutung werden sollte. Er widerlegte die damalige Annahme von der Ausnahmeerscheinung tropischer Gesteine und verglich das Klima der Alten und der Neuen Welt. Mit seinem «Kuba-Werk» und seinem «Mexiko- Werk» schuf er neue Formen politischer Landeskunde.

Heute sind Sterne und Meeresströmungen, Dörfer und Brücken nach Humboldt benannt. In Lateinamerika gilt er vielfach als der eigentliche Entdecker des Kontinentes. Das liegt auch daran, dass er nicht nur die Natur des Erdteils untersuchte, sondern auch die Gesellschaftsordnungen der spanischen Kolonien. Humboldt sammelte Wirtschaftsdaten aus Bergbau oder Landwirtschaft und prangerte schon früh ökologische Sünden wie die Austrocknung des Hochtals von Mexiko an. Er war ein Gegner der Sklaverei und warnte, dass die sozialen Gegensätze zwischen weißer Oberschicht und indianischer Unterschicht die weitere Entwicklung der Länder erschweren würden. Mit seinem Interesse für die vorspanischen Kulturen wurde Alexander von Humboldt auch zu einem Wegbereiter der Altamerikanistik.

Humboldt starb 1859 im Alter von fast 90 Jahren in Berlin. Sein ererbtes Vermögen, mit dem er seine Reisen finanziert hatte, war in den Jahrzehnten wissenschaftlicher Arbeit zur Neige gegangen. Sein Werk bleibt aktuell. Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger wird im September Humboldts Welt-Buch «Kosmos» neu herausgeben. «Humboldts 'Kosmos' gehört zum unverzichtbaren Kanon unserer Zivilisation», findet Enzensberger und knüpft damit an die Humboldt-Verehrung von dessen Zeitgenossen vor 200 Jahren an. «Man kann sagen, er hat an Kenntnissen und Wissen nicht seinesgleichen», fand schon Johann Wolfgang Goethe, der ein Freund und Bewunderer von Humboldt war.

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