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Baros beschert Dänen «blaues Wunder»DPA-Datum: 2004-06-28 11:58:05

Porto (dpa) - Dank der taktischen Meisterleistung von Trainerfuchs Karel Brückner und der blauen «Wunderschuhe» von Milan Baros ist bei den Tschechen der Glaube an den Gewinn des zweiten EM-Titels nach 1976 fast unerschütterlich.

Porto (dpa) - Dank der taktischen Meisterleistung von Trainerfuchs Karel Brückner und der blauen «Wunderschuhe» von Milan Baros ist bei den Tschechen der Glaube an den Gewinn des zweiten EM-Titels nach 1976 fast unerschütterlich.

«Jetzt wollen wir ins Finale und auch dieses Spiel gewinnen», sagte Baros, der mit seinen Turniertoren vier und fünf (63./65.) zum 3:0-Endstand in Porto innerhalb von nur drei Minuten den dänischen Traum von Halbfinale zerstörte.

Dem in Galaform auftrumpfenden Liverpooler Stürmer ist seine grandiose Ausbeute selbst nicht ganz geheuer, zumal er lange verletzt war und vor der EM nur wenig Spielpraxis sammelte. «Wenn mir einer gesagt hätte, dass ich bis zum Viertelfinale fünf Tore schieße, ich hätte es nicht geglaubt.» Dabei gibt es eine simple Erklärung. Seit Baros blaue (statt silberne) Fußballschuhe trägt, erleben die Gegner ihr blaues Wunder. Er trifft wie er will. Neun Mal in den letzten sieben Spielen. «Wir sollten die Schuhe in einen Tresor schließen, damit sie nicht wegkommen», scherzte Tomas Rosicky.

Doch vermutlich würde Baros auch barfuß treffen. Denn 21 Tore in 29 Länderspielen sind eine unglaubliche Quote. Dabei verblüfft vor allem die Kaltschnäuzigkeit des 22-Jährigen. Beim 2:0 lupfte er den Ball nach toller Vorarbeit des starken Karel Poborsky gefühlvoll über den herausstürzenden Dänen-Keeper Thomas Sörensen. Wenig später drosch er die Silberkugel aus gut 20 Metern wuchtig in die Maschen.

Der bereits in allen drei Gruppenspielen erfolgreiche Baros gehört schon jetzt zu den besten EM-Torjägern aller Zeiten. Nur der legendäre Michel Platini war 1984 - zumindest vorläufig - besser, als er Gastgeber Frankreich mit neun Toren zum Titel schoss. Wie Baros fünf Mal ins Schwarze bei einem Turnier trafen nur der Niederländer Marco van Basten (1988), der Engländer Alan Shearer (1996) sowie der Niederländer Patrick Kluivert und der Jugoslawe Savo Milosevic (beide 2000). Doch der persönliche Erfolg ist Baros gar nicht so wichtig: «Wer die Tore schießt, ist doch egal. Hauptsache, das Team ist weiter.»

Im Halbfinale treffen die Ballkünstler im Estadio Dragao auf die von Otto Rehhagel trainierte Überraschungself aus Griechenland. Nicht nur der deutsche Coach sieht sein Team trotz des Sieges über Titelverteidiger Frankreich allenfalls als Außenseiter. «Die Tschechen sind eine ganz große Nummer und klarer Favorit. Aber wir wollen ihnen einen großen Kampf liefern», versprach Rehhagel. Das wollten auch die Dänen. Doch nach dem Seitenwechsel war es vorbei mit «Danish Dynamite», und die Tschechen brannten ein 20-minütiges Feuerwerk ab. BVB-Profi Jan Koller (49.) sorgte per Kopf nach einer Poborsky-Ecke für die Führung, ehe Baros den Sack zumachte.

«Ein Spiel besteht eben nicht nur aus einer Hälfte», meinte Brückner, der seinem Gegenüber eine Tatik-Lehrstunde erteilte. Der fein ausgeklügelte Plan des 64-Jährigen, sich zunächst auf die Defensive zu beschränken, einen Rückstand wie bei den ersten drei Siegen gegen Lettland (2:1), Niederlande (3:2) und Deutschland (2:1) unter allen Umständen zu vermeiden und erst im zweiten Abschnitt zum Angriff zu blasen, ging voll auf. «Wir wollten unbedingt zu Null spielen», betonte Tomas Ujfalusi. Die vom Hamburger gut organisierte Abwehr hatte den in vorderster Front wirkungslosen Jon Dahl Tomasson im Griff und blieb erstmals im Turnier ohne Gegentor.

Brückner war stolz, dass Nedved und Co. ihren Offensivdrang solange zügelten, bis er sie von der Leine ließ. So rannten sich die Dänen erst müde, dann liefen sie ins offene Messer. «Wir hatten genug Energie und Kraft, die wir gegen Deutschland gespart haben», betonte Brückner und verwies damit darauf, dass das Gros seiner Elf in der einwöchigen Pause Energie tanken konnte.

Nun werden die Karten neu gemischt. «K.o.-Spiele haben eigene Regeln. Fehler kann man nicht reparieren», so Brückner, «Siege bedeuten Erfolg, Niederlagen sind Tragödien.» Mit den Hellenen will sich der Perfektionist noch gar nicht beschäftigt haben. Bis zum Spiel ist er für das Duell der Trainer-Oldies aber gerüstet. «Ich wollte mich auf die Griechen erst vorbereiten, wenn wir im Halbfinale stehen. Denn ich wollte die Fußballgötter nicht erzürnen.»

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