Barrell kostet weniger als 24 Euro
Ölpreis gibt nach Bagdad-Vorstoß deutlich nach

Nach einem Vorstoß der US-Streitkräfte in die irakische Hauptstadt Bagdad ist der Ölpreis am Montag auf den tiefsten Stand seit November gefallen. Am Markt wurde darauf spekuliert, dass bei einem schnellen Kriegsende die Ölproduktion Iraks kaum beeinträchtigt würde.

Reuters LÜNDON. An der Londoner Warenterminbörse International Petroleum Exchange (IPE) sank der Preis für einen Barrel (rund 159 Liter) der führenden Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai zeitweise mehr als einen Dollar bis auf 23,40 Dollar, pendelte am Nachmittag allerdings wieder um die 24-Dollar-Marke. Auf dem Ölpreis lasteten auch Nachrichten, dass sich Exil-Iraker bei Gesprächen mit US-Regierungsvertretern für einen Verbleib des Landes in der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) nach Kriegsende ausgesprochen hätten, ohne dass dabei die Fördergrenzen des Kartells für den Irak gelten sollten.

"Es wird erwartet, dass beim Fall Bagdads kein Kampf mehr um die Ölfelder notwendig sein wird", sagte Ölanalyst Simon Games-Thomas in Sidney. "Ein Fall Bagdads würde eine friedvolle Übergabe der restlichen irakischen Ölfelder bedeuten." Die US-Truppen haben am Montag nach eigenen Angaben die Kontrolle über den Hauptpalast des Präsidenten Saddam Hussein erlangt und sind in einen weiteren vorgedrungen. Auf Widerstand stießen sie den Angaben zufolge an wichtigen Ministerien, die die irakische Republikanische Garde verteidigte.

Der Ölpreis gab allein im vergangenen Monat um 30 Prozent nach, da der bisherige Kriegsverlauf die schlimmsten Befürchtungen des Marktes vor einer weitgehenden Zerstörung der irakischen Ölfelder nicht bestätigt hat. Analysten erwarten einen weiteren Rückgang des Preises, wenn der Irak den Export wieder aufnimmt. Der Großteil der Ölfelder, aus denen insgesamt 60 Prozent des irakischen Öls gefördert werden, sind bereits unter der Kontrolle der US-Streitkräfte und ihrer Verbündeten. "Es ist uns möglich, die Kontrolle über 900 der 940 Ölquellen in den Ölfeldern südlich von Bagdad auszuüben", sagte US-Brigadegeneral Vincent Brooks. Es gebe noch eine brennende Quelle im Süden. Die Ölfelder im Norden in der Nähe von Kirkuk sind in irakischer Hand. Der Irak verfügt nach Saudi-Arabien über die weltweit zweitgrößten bekannten Ölreserven.

Bei einem Treffen am Samstag hatten Exil-Iraker vereinbart, internationale Ölunternehmen sollten beim Wiederaufbau der Ölindustrie des Landes eine führenden Rolle übernehmen. Zudem wurde bei den Gesprächen empfohlen, dass der Irak Mitglied der Opec bleiben solle. Dabei sollte es für den Irak allerdings nicht wie für andere Opec-Mitglieder Produktionsgrenzen geben.

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