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Barrichello freut sich auf sein „Kinderzimmer“

In seinem „Kinderzimmer“ will sich Rubens Barrichello endlich seinen großen Traum erfüllen. „Ich möchte den Großen Preis von Brasilien gewinnen“, sagte der Ferrari-Pilot drei Tage vor seinem Heimrennen in Sao Paulo.

dpa SAO PAULO. In seinem "Kinderzimmer" will sich Rubens Barrichello endlich seinen großen Traum erfüllen. "Ich möchte den Großen Preis von Brasilien gewinnen", sagte der Ferrari-Pilot drei Tage vor seinem Heimrennen in Sao Paulo.

"Das ist mein Herzenswunsch. Ich denke, das wäre das gleiche Gefühl wie der WM-Gewinn." Bei bislang elf Starts im Autodromo José Carlos Pace hat "Rubinho" erst ein Mal vor zehn Jahren als Vierter das Ziel erreicht. Ansonsten bedeuteten technische Defekte, Fahrfehler oder ein Unfall immer das bittere Aus für den sensiblen Südamerikaner ausgerechnet im für ihn wichtigsten Formel-1-Lauf.

Inständig hofft Barrichello, dass diese schwarze Serie zu Ende geht. Ein ähnlich schmerzliches Erlebnis wie im Vorjahr möchte er nicht erleben. Beim nach 55 Runden wegen mehrerer schwerer Unfälle schließlich abgebrochenen Chaos-Rennen im April, als nach Wolkenbrüchen das Wasser teilweise zentimeterhoch auf der Piste schwappte, war der in Führung liegende Brasilianer wegen Benzinmangels liegen geblieben. "Ich hätte vor Wut ins Lenkrad beißen können", sagte Barrichello.

Beim Saisonfinale will sich der 32-Jährige für dieses und andere Missgeschicke - in den Jahren zuvor war er als Spitzenreiter schon drei Mal unverschuldet ausgeschieden - entschädigen. Liebevoll nennt Barrichello den holprigen Berg-und-Talkurs "mein Kinderzimmer, weil ich direkt hinter der großen Tribüne aufgewachsen bin". Ein Triumph hier zählt für den emotionalen Familienvater angesichts der ganzen Erinnerungen und Freunde im Stadtteil Interlagos fast wie der WM-Titel.

Zudem hätte ein Erfolg in dieser Saison für Brasilien eine besondere Bedeutung: Schließlich verunglückte vor zehn Jahren das vergötterte Motorsport-Idol Ayrton Senna tödlich in Imola. Mit einem Sieg könnte Barrichello nicht nur dem von ihm verehrten dreimaligen Champion eine besondere Ehre erweisen, sondern auch zumindest ein wenig aus dessen übergroßem Schatten treten.

Jahrelang hatte sich das viel versprechende Talent unter Riesendruck gesetzt, der "neue Senna" zu werden. "Das hatte mich regelrecht gelähmt", räumte "Rubinho" im Rückblick ein. Seit er dieses unrealistische Ziel aufgegeben hat, fährt Barrichello wie befreit und wesentlich erfolgreicher. So konnte er in diesem Jahr zum zweiten Mal nach 2002 die Vize-Weltmeisterschaft feiern.

Allerdings ist das der selbst ernannten "Nr. 1B" bei Ferrari viel zu wenig. Barrichellos Traum ist und bleibt der WM-Gewinn - und zwar so lange Michael Schumacher mit ihm für die Roten fährt. "Das ist keine Fantasie, sondern absolute Realität", versicherte er. Fahrerisch stuft sich der Südamerikaner gleich stark wie den alles dominierenden Deutschen ein, was angesichts der weit auseinander klaffenden Erfolgsbilanz der beiden naiv wirkt. Schumachers sieben WM-Titeln hat er keinen entgegen zu setzen, dessen 83 Grand-Prix-Siegen gerade einmal 9. Bei solcher Selbstüberschätzung und Weltfremdheit wird verständlich, weshalb ihm seine Landsleute früher den wenig schmeichelhaften Spitznamen "Eselchen" gegeben haben.

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