Barschel-Tod war spektakulärster Fall
Hintergrund: Selbstmorde von Politikern

Höchst selten haben in der deutschen Nachkriegsgeschichte Politiker Selbstmord als letzten Ausweg gesehen. Bei einigen herrscht bis heute Unklarheit über die Todesursache. So ist das Ende des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel (CDU) seit über einem Jahrzehnt mysteriös. Der Tod von Barschel war bisher der spektakulärste Fall in der Reihe von tatsächlichen oder möglichen Selbstmorden.

HB/dpa BERLIN/HAMBURG. Zwei Journalisten hatten Barschel (43) am 11. Oktober 1987 tot in der Badewanne eines Genfer Hotels gefunden. Nach ersten Untersuchungsergebnissen hatte der Landespolitiker, der wegen einer Schmierenkampagne gegen seinen SPD-Herausforderer Björn Engholm im Landtagswahlkampf am 2. Oktober 1987 zurückgetreten war, mit Tabletten Selbstmord begangen. Die Ermittlungen, ob Barschel nicht doch Opfer eines Mordes war, wurden 1998 eingestellt. Ende April 1999 wurde der Fall auch von der Genfer Staatsanwaltschaft - ohne Klärung der genauen Todesumstände - endgültig geschlossen.

Geklärt sind hingegen die Umstände des Todes des PDS - Bundestagsabgeordneten Gerhard Riege im Februar 1992. Er erhängte sich in seinem Garten in Jena. Nach Ermittlungen der Gauck-Behörde soll der Politiker für die Staatssicherheit gearbeitet haben. In einen Abschiedsbrief an seine Frau schrieb er, er habe Angst vor der Öffentlichkeit.

Für Schlagzeilen sorgte im September 1999 der Freitod des ehemaligen Oberstadtdirektors Dieter Diekmann. Der zwei Monate zuvor verhaftete CDU-Politiker erhängte sich in seiner Zelle. Er stand im Verdacht, Schmiergeld genommen zu haben.

Am 20. Januar 2000 wurde auf dem Höhepunkte der CDU-Spendenaffäre Wolfgang Hüllen (49), Leiter des Bundestagsbüros der CDU/CSU - Fraktion für Haushalt und Finanzen, erhängt in seiner Wohnung in Berlin-Steglitz aufgefunden. Die Justiz geht von Selbstmord aus. In einem Abschiedsbrief Hüllens soll es Indizien für Untreue zu Lasten der Fraktionskasse gegeben haben, die aber nichts mit Spendenaffäre als solcher zu tun habe.

Zwei Fälle mit privat-persönlichen Hintergrund erschütterten 1992 und 2002 die Öffentlichkeit. Im Oktober 1992 wurden die Leichen der Grünen-Politiker Petra Kelly (44) und Gert Bastian (69), ehemaliger General und bis 1987 Bundestagsabgeordneter, in ihrem Haus in Bonn aufgefunden. Nach Untersuchungen der Staatsanwaltschaft hat Bastian am 1. Oktober seine Lebensgefährtin im Bett erschossen und sich anschließend mit einem Kopfschuss das Leben genommen.

Große Anteilnahme in der Bevölkerung rief im Juli 2001 der Tod einer prominenten Politiker-Gattin hervor. Hannelore Kohl (68), Frau von Altkanzler Helmut Kohl (CDU), nahm sich wegen einer jahrelangen schmerzhaften Lichtallergie in Ludwigshafen-Oggersheim das Leben.

In der DDR ereigneten sich zahlreiche Fälle, bei denen Selbstmord als Todesursache angenommen wird, aber nicht immer sicher ist. So ist es ungewiss, ob der frühere Vize-Verteidigungsminister Vincenz Müller sich 1961 aus dem Fenster stürzte oder die Balance verlor.

Im Dezember 1965 erschoss sich Erich Apel, Chef der Staatlichen Plankommission der DDR und stellvertretender Ministerpräsident, im Alter von 48 Jahren in seinem Ost-Berliner Büro. Als Grund gelten Meinungsverschiedenheiten mit der Parteiführung über Wirtschaftsreformen. Anfang 2000 wurden in der so genannten Gauck- Behörde Dokumente der DDR-Staatssicherheit gefunden, die Zweifel an der Selbstmordthese weckten.

Nach der Wende im Jahr 1990 erhängte sich in seinem Haus in Ost- Berlin der ehemalige DDR-Bauminister Wolfgang Junker. Hintergrund: Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen ihn wegen Veruntreuung von DDR-Geldern. 2001 schoss sich der frühere DDR-Agrarminister Heinz Kuhrig in Berlin-Köpenick offenbar selbst eine Kugel in den Kopf.

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