Basel II macht klassisches Bankgeschäft rentabel
„Hausbankidee“ mit Leben erfüllen

Gäbe es Basel II nicht, dann hätten die Banken die Neuordnung der Eigenkapitalvorschriften wohl selbst erfinden müssen. Denn dieser Anstoß von außen durch die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) wird vielleicht dafür sorgen, dass die Ertragskrise der Banken in ein paar Jahren für viele Institute ad acta gelegt sein dürfte.

HB FRANKFURT. In der Vergangenheit ist der Vertrieb der Kredite ohne Rücksicht auf Verluste gefördert worden, die Kosten wurden vernachlässigt. Kunden mit guter Bonität haben die schlechten Bilanzen subventioniert, persönliche Vorlieben für bestimmte Unternehmer verhinderten eine objektive Konditionengestaltung. Damit dürfte jetzt Schluss sein, die Kreditwirtschaft ist auf dem Weg der Besserung, meint nicht nur Gustav Adolf Schröder, der Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Köln. In ein paar Jahren, glauben Finanzexperten, werden fast alle Banken ein saniertes Firmenkundengeschäft vorweisen können.

Aber auch ohne "Basel II" wäre die Entwicklung zwangsläufig in die gleiche Richtung gegangen, nur zäher und sehr viel langwieriger. Denn der starke Anstieg der Insolvenzen - in diesem Jahr werden rund 40 000 Firmenzusammenbrüche in Deutschland erwartet mit entsprechend steigenden Forderungsausfällen - sowie ein vielfach nicht mehr rentables Firmenkundengeschäft zwingen die Institute schon heute zu einer restriktiveren Kreditvergabe und erklären ihr Bestreben, höhere Margen durchsetzen zu wollen. "Basel II" ist der Katalysator der Entwicklung, nicht aber die Ursache.

Banken werden profitieren

Die Banken werden profitieren, da sich die Kreditkonditionen den Kapitalmarktvorgaben anpassen und sich für den klassischen Mittelstand um 100 bis 250 Basispunkte verteuern werden, schätzte jüngst Uwe Flach, Vorstandsmitglied der DZ Bank. Nur rund ein Drittel der Mittelstandsfirmen könne mit einer geringeren Zinslast rechnen.

Ganz anders wird die Situation bei den Großunternehmen sein, die sich der ganzen Palette zwischen Eigenkapital- und Fremdkapitalinstrumenten bedienen. Um die besten Bonitäten wird hier ein intensiver Wettbewerb einsetzen, an dem sowohl die Sparkassen, Genossenschaftsbanken als auch die privaten Banken sowie die angelsächsischen Investmenthäuser beteiligt sein werden. Hier ist es fraglich, ob auskömmliche Margen erwirtschaftet werden und das Prinzip des "cross-selling" zusätzliche Erträge generiert. Denn die Großunternehmen verfügen über eigene Finanzspezialisten, die sich aus einem Pool von Banken jeweils die benötigten Produkte nach dem Baukastenprinzip zusammenstellen. Auch im Privatkundengeschäft hat man lange Zeit geglaubt, das Massengeschäft vernachlässigen zu können und die "High Net Worth Individuals" seien die Zukunft. Langsam setzt selbst hier wieder eine Rückbesinnung auf die großen Kundenzahlen ein.

Das Rating für die Unternehmen spielt künftig eine zentrale Rolle in der Unternehmensfinanzierung. Die technischen Anforderungen an die IT-Infrastruktur der Banken verursachen zwar erst einmal hohe Kosten, dafür dürfte aber nach erfolgter Implementierung der Systeme auch eine bessere Einschätzung der Ausfallrisiken winken. Nur wer angemessene Risikoklassen bildet, wird eine größere Spreizung der Finanzierungskonditionen erreichen und damit zu einer faireren und riskogerechten Preisgestaltung kommen.

Pleiten wie Enron oder Kirch kaum zu verhindern

In der Standardisierung der Abläufe und zentralistischen Bestrebungen hin zu Kreditfabriken liegt aber auch eine große Gefahr. Wer sich zu sehr auf Eintrittswahrscheinlichkeiten und historische Zeitreihen verlässt, wird Pleiten wie Enron oder Kirch, bei denen die Banken keine gute Figur machten, nicht verhindern können. Die Anonymisierung der Prozesse würde außerdem dem Argument Vorschub leisten, Technokraten fällten die Kreditentscheidungen in weit entfernten Zentralen. Dieses Szenario müsse jeden Vorstand beunruhigen, meint auch Commerzbank-Sprecher Klaus-Peter Müller.

Tatsächlich wird ein im Internet-Zeitalter fast aus der Mode gekommener Begriff wieder in den Mittelpunkt rücken: die Nähe zum Kunden. Ein internes Rating kann nur dann aussagekräftig sein, wenn dem Firmenkundenberater die Hintergründe und die wirkliche Stellung des Unternehmens im Markt bekannt sind. Diese simple Erkenntnis werde heute als "Relationship-Banking" verkauft, befand Sparkassenpräsident Dietrich Hoppenstedt jüngst auf der "Kreditpolitischen Tagung".

Aber den Lippenbekenntnissen zur "ganzheitlichen Betreuung" und zum "intensiven Dialog" mit den Firmenkunden müssen auch Taten folgen. Immerhin verfügen nach einer Studie von Price Waterhouse nur 40 % der Unternehmen über ein zeitnahes, regelmäßiges Berichtswesen an die Kreditinstitute. Aber wenn die Zahlengrundlage für die Ratings fehlen, laufen die Banken wieder Gefahr, sich unkalkulierbaren Risiken auszusetzen. Deshalb müssen die Banken jetzt ihre Kommunikationspolitik mit den Firmen optimieren und so die "Hausbankidee" mit Leben erfüllen. Dann stehen die Chancen gut, dass das klassische Bankgeschäft tatsächlich wieder rentabel wird.

Quelle: Handelsblatt

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