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Basel II und die Konsequenzen für die Leasing-Branche

Noch ist zwar nicht eindeutig abzusehen, wie die endgültigen Regelungen von Basel II aussehen werden, es ist aber durchaus möglich, dass die Eigenmittelunterlegung steigt und die Kredite teurer werden. Für Leasing-Gesellschaften werden damit andere Formen der Refinanzierung interessant.

Leasing-Unternehmen unterliegen als Finanzunternehmen zwar nicht der Verpflichtung zur Eigenmittelunterlegung von Kreditrisiken, dennoch werden die Reformvorschläge des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht erhebliche Konsequenzen auch für die Leasing-Branche haben. Bei Leasing-Gesellschaften, die als Tochterunternehmen von Banken in die konsolidierte Eigenmittelunterlegung einbezogen werden, müssen die Risiken von Leasing-Verträgen in das Regelwerk eingebunden werden.

Für den Leasing-Geber ist - anders als beim Kreditgeber - weniger die Bonität des Leasing-Nehmers als vielmehr die Verwertbarkeit des Leasing-Objekts bei Zahlungs-unfähigkeit des Leasing-Nehmers von entscheidender Bedeutung. Basel II ist bislang bei der Berücksichtigung von Sachsicherheiten äußerst zurückhaltend, die besondere Kompetenz, die Leasing-Gesellschaften bei der Verwertung geleaster Objekte haben, wird nicht berücksichtigt.

Da Leasing-Gesellschaften sich überwiegend durch Kreditaufnahme bei Banken refinanzieren, werden sie künftig wie jeder andere Kreditnehmer auch geratet werden. Im Blickpunkt des Rating wird das Risiko, das mit den Leasing-Verträgen verbunden ist, stehen. Voraussetzung für ein gutes Rating und damit für günstige Kreditkonditionen wird sein, dass eine Leasing-Gesellschaft überzeugend darlegen kann, dass sie selbst über ein gutes Risikomanagement verfügt und die Risiken, die sie eingegangen ist, im Griff hat.

Noch ist zwar nicht eindeutig abzusehen, wie die endgültigen Regelungen von Basel II aussehen werden, es ist aber durchaus möglich, dass die Eigenmittelunterlegung steigt und die Kredite teurer werden. Für Leasing-Gesellschaften werden damit andere Formen der Refinanzierung interessant. In den letzten Jahren hat sich die Verbriefung von Leasing-Forderungen durch Ausgabe von Lease-Backed-Securities als Alternative zur Forfaitierung von Leasing-Forderungen etablieren können.

Bislang steht diese Alternative nur großen Leasing-Gesellschaften offen, denkbar ist jedoch, dass in der Zukunft auch kleinere Gesellschaften durch Pooling ihrer Forderung dieses Refinanzierungsinstrument nutzen können. Voraussetzung ist auch hier, dass die Leasing-Gesellschaft über ein gutes Rating verfügt.

Kredit und Leasing sind zwei konkurrierende Finanzierungsformen. In dem Maße, in dem Basel II zu einer restriktiveren Kreditvergabepolitik der Banken führt, wird das Leasing hiervon profitieren. Dies betrifft in erster Linie Kreditnehmer mit mäßiger Bonität, bei denen die besondere Kompetenz, die Leasing-Gesellschaften in der Verwertung von Leasing-Objekten haben, zum Tragen kommt.

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Univ.-Prof. Dr. Thomas Hartmann-Wendels ist am Forschungsinstitut für Leasing an der Universität zu Köln tätig

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