Basel II zwingt die Unternehmen zum Handeln
Wirtschaft sichert Energierisiken nicht ab

Beim Produktionsfaktor Energie nutzt die deutsche Wirtschaft das vorhandene Sparpotenzial kaum. Die Priorität der Firmen liegt auf der Versorgungssicherheit. Das Preisrisiko wird vernachlässigt. Dies gilt auch für die Bundeswehr. Diese könnte nach Meinung von Banken bei effizientem Risikomanagement 50 Mill. Euro sparen.

FRANKFURT/M. Energie ist eine der großen Schwachstellen der deutschen Wirtschaft. Dies gilt auch für die Deutsche Bundeswehr. Als eines der großen Energieverbraucher in Deutschland nutzt diese die im In- und Ausland verfügbaren Risikosicherungs-Instrumente nicht, wie Pressesprecher Michael Kötting auf Anfrage erklärt. Im vergangenen Jahr hat die Bundeswehr erhebliche Mengen an Treibstoff, Gas, Heizöl und Elektrizität, benötigt und dafür 540 Mill. aufgewandt. Auf Grund der vorliegenden Daten könne das vorhandene Energie-Einsparpotenzial bei der Bundeswehr bei optimaler Anwendung des an den Märkten vorhandenen Risikosicherungs-Instrumentariums auf mehr als 50 Mill. Euro beziffert werden, heißt es bei deutschen Banken.

Man habe mit Banken wiederholt die Effizienz der einzelnen Instrumente erörtert, sagte Kötting dazu. Heftigen Preisschwankungen an den Treibstoffmärkten sei die Bundeswehr durch vorausschauende Maßnahmen erfolgreich begegnet. Beim Stromeinkauf seien nach Ausschreibungen Lieferverträge mit Laufzeiten von zwei und drei Jahren abgeschlossen worden. Während dieses Zeitraums sind die Strompreise für die Bundeswehr konstant. "Die Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit zusätzlicher vertraglicher Sicherheitsmaßnahmen hat sich bis heute bei den von der Wirtschaft angebotenen Maßnahmen nicht ergeben", weist Kötting auf die bis dato noch als eher unzureichend zu bezeichnede Infrastruktur im deutschen Energiehandel hin.

An den internationalen Märkten stehen jedoch zahlreiche Instrumente zur Absicherung von Energiepreisrisiken zur Verfügung. So zum Beispiel an den Energie-Terminbörsen Nymex (New York) und ICE (Atlanta/London). Daneben werden an großen OTC-Märkten (Freiverkehr) neben Energie-Swaps auch zahlreiche andere Energie-Derivate angeboten. An der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig unternehmen hierzulande tätige Banken (Baylaba, Bankhaus Metzler, BHF, CSFB, Deutsche Bank, Dresdner Bank, Morgan Stanley, UBS und WestLB) erste Gehversuche im Stromhandel. Dabei sind die Institute bislang vor allem im Clearing und bislang noch weniger im Handel aktiv.

Basel II zwingt die Unternehmen zum Handeln

Für die Wirtschaft werden Ertrags-Kalkulationen angesichts starker Preisfluktuationen bei Rohöl, Erdgas und Elektrizität oft zum Ratespiel. Banken haben erkannt: Dies muss sich ändern. Die neuen Eigenkapitalregeln für Banken (Basel II) erfordern eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Thema "Hedging" (Risikosicherung) von Energiepreisrisiken. "Energiepreis-Veränderungen sind vergleichbar mit Zins- und Devisenrisiken", sagen die Fachleute von Dresdner Kleinwort Wasserstein.

Unternehmen, die künftig ein effizientes Risikomanagement nachweisen, werden ein günstigeres Rating von ihrer Bank erhalten und ihre Kreditzinsen reduzieren können. "Im Hinblick auf Basel II ist ein effizientes Energiepreisrisiko für die Wirtschaft geradezu essentiell", sagen Banker. "Schwankungen der Energiepreise können das Rating von Unternehmen beeinflussen", bestätigt Mette Steinsland, Geschäftsführerin des Energiebrokers Bergen Energi.

Banken steigen nur zögernd in den internationalen Energiehandel ein

Doch die wenigsten Unternehmen erkennen das Potenzial eines solchen Managements. "Bei Energie geht es für die Wirtschaft vor allem um Versorgungssicherheit und weniger um das Preisrisiko", sagen Lutz Molgedey und Matthias R. Mayer vom Beratungsunternehmen d-fine in Eschborn. "Hedging ist teuer", sagt Mayer. Deshalb sollten sich Unternehmen nur gegen extreme Preisfluktuationen absichern, so der konkrete Rat. Banken widersprechen diesem Ansatz mit Hinweis auf die hohen Preisfluktuationen der Vergangenheit. Auch Unternehmensberater, die sich auf Risikomanagement spezialisiert haben, verweisen darauf, dass es z.B. der Deutschen Lufthansa gelang, die Treibstoffkosten durch effizientes Risikomanagement erheblich zu reduzieren. Nicht nur die großen Industrieunternehmen hierzulande, sondern auch Einrichtungen der öffentlichen Hand (wie die Bundeswehr) haben das vorhandene Hedging-Instrumentarium kaum eingesetzt. Das vorrangige Ziel der Regierung und ihrer Einrichtungen sowie das allgemeine Staatsinteresse in Bezug auf Energie liege weniger in der Preisoptimierung als vielmehr in der Versorgungssicherheit, sagt Mayer. Banken erklären jedoch, dass der Abschluss von Finanzgeschäften (Optionen, Swaps, Futures) im Energiebereich nicht im Widerspruch zur angestrebten Versorgungssicherheit stehe.

Deutsche Banken sind ungeachtet der Anforderungen von Basel II nur zögernd in den Energiehandel eingestiegen, sagt Mette Steinsland. Sie würde mehr Wettbewerb und eine höhere Liquidität der Energiemärkte begrüßen. Das Zögern der Banken wird nicht zuletzt mit der Unsicherheit begründet, die aus der Pleite des amerikanischen Energiehändlers Enron entstand. Das größte Engagement im globalen Energiehandel zeigt UBS Warburg. Die Bank hatte den Energiehandel der insolventen Enron übernommen. Die Zurückhaltung der Banken sei auch damit zu begründen, dass man erst seit dem Jahr 1998 auf diesem Gebiet aktiv sein dürfe. "Bei den Banken besteht noch ein erheblicher Mangel an Know-how", sagt Steinsland.

Quelle: Handelsblatt

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