Basel II zwingt mittelständische Unternehmen zum Rating
Im Kampf um den Mittelstand liegen Banken vorn

Die erste Runde ging an die Banken: Im Kampf um mittelständische Kunden sind sie der klare Sieger über die Ratingagenturen. Diese hatten sich ausgemalt, dass sie in das Geschäft mit der Bewertung mittelständischer Unternehmen einsteigen können. Denn die neuen Eigenkapitalrichtlinien - Basel II - schreiben vor, dass auch Mittelständler Kredite nur auf Grund von nachvollziehbaren Kriterien bekommen. Und solche Kriterien wollten die Agenturen liefern.

he DÜSSELDORF. Nach Ansicht von Oliver Everling, der Unternehmen beim Rating berät, ist es der Kreditwirtschaft in Basel sogar gelungen, einen Primat des bankinternen Ratings gegenüber dem externen, das von unabhängige Agenturen vorgenommen wird, durchzusetzen. Mit dieser Meinung stößt er jedoch auf Widerstände.

Zur Betreuung des Mittelstands hatte sich in den vergangenen Jahren eine Reihe von Agenturen gegründet. Doch die Kreditinstitute ließen ihnen wenig Raum und bauten ihre eigenen Ratingsysteme auf. Warum? "Die Banken dürfen sich nicht auf externe Ratings verlassen, sondern müssen ihr eigenes System anwenden", sagt Alexander von Tippelskirch, Vorstandssprecher der IKB Deutsche Industriebank AG in Düsseldorf. Michael Auge, Pressesprecher des Sparkassenverbands in Frankfurt, drückt es noch härter aus: "Das externe Rating spielt keine Rolle und wird das auch in Zukunft nicht tun." Er gibt zu bedenken, dass die Kosten eines externen Ratings für ein mittelständisches Unternehmen gemessen an den möglicherweise erreichbaren Verbesserungen der Konditionen zu hoch sind: - einmal vorausgesetzt, die Bank übernähme die abweichende Einschätzung der externen Agentur."Diese Kosten-Nutzen-Abwägung endet in roten Zahlen." Auge geht dabei von Ratingkosten in Höhe von 40 000 Euro aus - kein ungewöhnlicher Preis für die internationalen Agenturen. Zwischen 6 500 und 20 000 Euro berechnet dagegen die in Neuss ansässige Agentur Creditreform Rating, die bislang 126 Unternehmen untersuchte: "Im Schnitt kostet es 9 000 Euro", sagt Geschäftsführer Michael Munsch. Die Gutachten könnten eine fundierte, zweite Meinung für die Entscheidung der Bank darstellen.

Den Hauptnutzen der jährlichen externen Prüfung sieht Munsch in der Signalwirkung für die Finanzmärkte: Die Unternehmen können mit dem Zertifikat Investoren gewinnen oder Anleihen auflegen, ohne eine Bank zu bemühen. Am internen Ranking der Banken aber lässt Everling kaum ein gutes Haar: "Das sind computermäßige Abläufe." Die ermittelte Bonität eines Unternehmens ergebe sich, wie er erfahren musste, aus den Klicks auf dem Bildschirm, die junge, kaum ausgebildete Außendienstler nach Checklisten vornähmen. Die Banker bestreiten ein solches Vorgehen: IKB-Chef Tippelskirch sieht die Chance, tiefer mit den Unternehmen ins Gespräch zu kommen, und Sparkassensprecher Auge betont, dass das Wissen der Filialen über die ansässigen Firmen einbezogen wird.

Grundsätzlich einverstanden mit den Ratings ist Gabriele Egger. Sie hat lange im Beteiligungsgeschäft von Banken gearbeitet und ist nun Finanzgeschäftsführerin im Mittelstand. Sie sieht das Problem nur darin, dass alles zu schnell gehe; die Firmen bräuchten Zeit, sich auf die neuen Anforderungen einzustellen. Zurzeit seien aber auch die Banker verunsichert: "In der Bank traut sich keiner mehr, gegen ein internes Rating-Urteil zu argumentieren und den Kredit trotzdem zu vergeben." Dies dürfte mittelfristig den externen Agenturen helfen, die den direkten Weg an die Kapitalmärkte öffnen können. Berater Everling ist sich jedenfalls sicher: "Die Agenturen werden eines Tages eine große Rolle spielen."

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