BASF ist treibende Kraft auf der Suche nach einer Alternative: Viele Konzerne denken über eigene Versicherungstochter nach

BASF ist treibende Kraft auf der Suche nach einer Alternative
Viele Konzerne denken über eigene Versicherungstochter nach

Not macht erfinderisch: Diese alte Weisheit bekommen derzeit moderne Industrieversicherer zu spüren. Denn einige ihrer Großkunden überlegen angesichts der drastischen Beitragserhöhungen, ob sie ihre Risiken nicht besser selbst managen sollen. So erwägen sie, eine gemeinsame Versicherungsgesellschaft zu gründen. Konkret geht es um eine gemeinsame Rückversicherung.

rl/shf DÜSSELDORF. Der Chemieriese BASF bestätigte am Mittwoch einen entsprechenden Bericht der Süddeutschen Zeitung. Demnach ist BASF die treibende Kraft der Initiative, steht aber noch am Anfang der Überlegungen. Insider wissen, dass BASF wegen hoher Schäden Probleme mit seinem Versicherungsschutz für 2002 hatte.

Andere Konzerne kämpfen mit ähnlichen Problemen. Es überrascht deshalb wenig, dass sie dieser Tage nach Alternativen suchen. Die Preise für Industrieversicherungen ziehen seit gut einem Jahr an, weil das Geschäft keinen Gewinn abwirft. Nach den Terroranschlägen vom 11. September in den USA hat die Versicherungswirtschaft ihre Preise noch einmal drastisch erhöht. Gleichzeitig verschlechterten sie ihre Vertragsbedingungen. Am heftigsten plagt die Großindustrie der Ausschluss von Terror-Risiken.

Am Markt ist viel Verständnis für die Überlegungen von BASF zu hören. Es kursiert aber auch reichlich Skepsis. Einer der wenigen, die sich öffentlich dazu äußern, ist Leberecht Funk vom Bundesverband deutscher Versicherungsmakler. Er erklärt, man müsse zur "Selbsthilfe" greifen, wenn ein Markt nicht richtig funktioniere. "Ich habe indes große Zweifel, ob die Kapazität ausreicht und es nicht ein Tropfen auf den heißen Stein wird", ergänzte er. Ohne den klassischen Rückversicherungsmarkt sei ein nennenswertes Deckungsvolumen kaum aufzubringen. Das ist die Krux. Nicht zuletzt deshalb bleibt Marktführer Münchener Rück, ebenso wie die Hannover Rück gelassen: Auf Anfrage heißt es: "Wir sehen das nicht als Konkurrenz."

Interesse an der Gruppen-Captive sollen unter anderem Siemens und Lufthansa haben. Beide Versicherungsbeauftragte geben dazu jedoch keinen Kommentar ab. Es gibt aber verwandschaftliche Beziehungen: Die Finanzvorstände von Lufthansa (Karl-Ludwig Kley) und BASF (Max Dietrich Kley) sind Brüder. Ihr Vater saß im Siemens-Vorstand. Über eine Captive denkt auch Thyssen Krupp nach, wie Versicherungsspezialist Franz Bartscherer bestätigt.

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