BASF muss gut 500 Millionen Mark zahlen
Milliarden-Geldbuße gegen Vitaminkartell

Wegen verbotener Preisabsprachen bei Vitaminen hat die EU-Kommission das bislang höchste Bußgeld in einem Kartellverfahren verhängt: Der deutsche Chemiekonzern BASF muss nach der Entscheidung der Brüsseler Behörde vom Mittwoch 296,16 Mill. Euro (577,51 Mill. DM) bezahlen.

ap BRÜSSEL. Insgesamt verhängte die Kommission gegen acht Unternehmen ein Bußgeld von 855,22 Mill. Euro. Die höchste Geldbuße muss der Schweizer Konzern Hoffmann-La Roche mit 462 Mill. Euro zahlen.

BASF und Hoffmann-Laroche waren nach Überzeugung der Kommission "Anführer und Anstifter" des Kartells. Das Bußgeld fiel gegen die Schweizer am höchsten aus, weil das Unternehmen an allen ermittelten acht Kartellen beteiligt war. Hoffmann-La Roche ist mit einem Weltmarktanteil von 50 % der größte Hersteller von Vitaminen. Die Kommission kam zu dem Ergebnis, dass "die Absprache Teil eines an der Konzernspitze gefassten strategischen Plans waren, um den weltweiten Vitaminmarkt mit illegalen Mitteln zu beherrschen". Roche kündigte an, prüfen zu wollen, ob das Urteil angefochten wird.

Der für Wettbewerb zuständige EU-Kommissar Mario Monti bezeichnete das Vorgehen als "die schlimmsten Kartelle, gegen die die Kommission jemals ermittelt hat". Mit den geheimen Absprachen hätten die Unternehmen "zum Schaden der Verbraucher und zum eigenen - illegalen - Profit höhere Preise verlangen können, als dies bei echtem Wettbewerb möglich gewesen wäre". Besonders schwer wiege der Umstand, dass das Kartell Substanzen betroffen habe, "die wesentliche Bestandteile der Ernährung sind und als solche unabdingbar für ein normales Wachstum und ein gesundes Leben".

Geldbuße um 50 Prozent reduziert

Die Kartellabsprachen bezogen sich auf die Vitamine A, E, B1, B2, B5, B6, C, D3, Biotin (H), Folsäure (M), Betacarotin und Carotinoide. Die Vitamine sind in einer Reihe von Produkten wie Getreideflocken, Keksen und Getränken sowie Tierfuttermittel und Medikamente und Kosmetika enthalten. Nach Auffassung der Kommission waren die ermittelten acht Kartelle zwischen September 1989 und Februar 1999 aktiv.

Neben Hoffmann-La Roche und BASF wurde der deutsche Konzern Merck zu einer Geldbuße von 9,24 Mill. Euro verurteilt. Die französische Aventis muss 5,04 Mill. Euro, der niederländische Konzern Solvay Pharmaceuticals 9,10 Mill. Euro und die drei japanischen Konzerne Daiichi Pharmaceuticals, Esai und Takeda Chemical Industrie müssen jeweils 23,4 Mill., 13,23 Mill. und 37,05 Mill. Euro zahlen. Die Kartellmitglieder haben nach Auffassung der Kommission bei den Vitaminen jeweils Preise festgesetzt und Absatzquoten zugewiesen sowie Preissteigerungen vereinbart und umgesetzt.

Ursprünglich hätte das Bußgeld gegen Hoffmann-La Roche und BASF doppelt so hoch ausfallen sollen. Da beide Unternehmen sich dann allerdings bei den Ermittlungen der Kommission kooperativ zeigten und wichtige Informationen über die Kartelle zur Verfügung stellten, reduzierte die Brüsseler Behörde das Strafgeld um 50 %. Gegen Aventis sei in zwei Fällen gar kein Bußgeld verhängt worden, weil das Unternehmen entscheidende Beweise für diese Vorgänge lieferte. Wegen der gleichen Verstöße hatte das Kartell bereits millionenschwere Bußgelder in den USA zahlen müssen.

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