BASF und Deutsche-Bank verbannen Firmenfernsehen ins Internet
Beim Business-TV droht Funkstille

Die Sparkassen machen es. Die Telekom macht es. Die Deutsche Bank, Daimler-Chrysler und viele andere machen es auch: Mit Unternehmensfernsehen informieren Firmen Mitarbeiter und Kunden oder wollen ihre Produkte vermarkten. Doch das kostet viel Geld - und der Nutzen ist eher zweifelhaft.

HB BERLIN. Die Bildschirme der beiden großen Fernseher im ersten Stock der Berliner Sparkassenfiliale am Alexanderplatz sind schwarz. Eigentlich sollte hier das Programm von S-TV laufen: das Sparkassen-Fernsehen. Warum die Kunden heute nichts zu sehen bekommen? "Es hat wohl niemand den Fernseher eingeschaltet", zuckt eine Mitarbeiterin mit den Achseln.

Mit eigenen Fernsehkanälen versuchen Unternehmen wie der Deutsche Sparkassen-Verlag (DSV) und die Deutsche Telekom ihre Kundschaft mit neuen Produkten zu ködern. Die Kunden sehen eine Mischung aus Eigenwerbung und dem aktuellen Programm des Nachrichtensenders N-TV. Doch das ist nicht die einzige Variante des Unternehmens- oder Business-TV: Manche Firmen nutzen das hausinterne Medium abseits der Schalterhallen zur Mitarbeiterinformation. Andere übertragen die Sendungen sogar in Privathaushalte. Gemeinsam ist den Projekten, dass sie viel Geld verbrennen und die Zweckdienlichkeit eher fragwürdig ist.

"Unser Programm besteht zu 70 Prozent aus eigenen Inhalten und zu 30 Prozent aus dem Lizenzprogramm von N-TV", erklärt Frank Strässle, Programmdirektor von S-TV. Knapp 40 Mitarbeiter kümmern sich bei der Sparkasse um das fremde Medium. Produziert wird das Programm von Professional-TV. Besitzer der Firma ist Karl-Ulrich Kuhlo, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender und Gründer von N-TV. Für Professional-TV macht das Geschäft durchaus Sinn. "Das Programm von N-TV dient als Mantel für die unternehmensspezifischen Inhalte", sagt Andreas Weiß, Herstellungsleiter bei Professional-TV in Berlin.

Kaum Akzeptanz bei Sparkassen

Jede Sparkassen-Filiale kann S-TV abonnieren. Doch anderthalb Jahre nach dem Sendestart sind lediglich rund 140 von insgesamt mehr als 17 000 Niederlassungen in Deutschland auf Empfang. Kein Wunder, denn Programmdirektor Strässle zufolge müssen die Geschäftsstellen für das Pay-TV, das per Decoder empfangen wird, eine fünfstellige Summe pro Jahr zahlen. Insgesamt müssen die Sparkassen einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag jährlich für S-TV an Professional-TV überweisen. Speisen sie lediglich N-TV ein, kostet dies nichts.

Die Deutsche Telekom betrachtet das unternehmenseigene Fernsehen als reines Marketinginstrument. Eine Finanzierung durch Werbeauftritte anderer Firmen, wie es die Sparkassen versuchen, steht nicht zur Debatte. "Telekom-TV dient allein der Produktpräsentation für die Kunden", so ein Unternehmenssprecher. Das Programm laufe in allen T-Punkten (Privatkunden) und Business-Shops (Firmenkunden) - insgesamt in rund 700 Zweigstellen.

Auch andere große Firmen wie etwa Daimler-Chrysler oder die Deutsche Bank versuchen ihr Glück mit dem Firmenfernsehen - allerdings nur für Mitarbeiter, nicht für Kunden. Die Macher der Daimler-Chrysler-TV-Produktons-GmbH und die verschiedenen externen Produktionsfirmen der Deutschen Bank greifen Themen rund ums Unternehmen auf - beispielsweise Produktinformationen, Produktionsplanungen oder Sponsoring-Aktionen. Zudem übertragen sie live die Hauptversammlungen. "Oftmals dienen solche Programme der Nabelschau des Vorstands und haben entsprechend wenig Akzeptanz bei den Mitarbeitern", meint ein leitender Angestellter.

BASF zieht den Reissleine

Bei BASF steht ein fünfjähriger TV-Versuch vor dem Aus. Das Firmenfernsehen, das zum Jahresende abgeschaltet wird, ist jedoch kein Vollprogramm. In einer halbstündigen monatlichen Sendung berieseln die Macher nicht nur Mitarbeiter und Kunden, sondern ebenfalls die Nachbarn: Die Sendung läuft unverschlüsselt im Programm des Regionalsenders RNF Plus im Rhein-Neckar-Dreieck. Freie Fernsehjournalisten füllen das Programm mit Themen wie "Waschmittelsubstanzen der BASF" oder "Chemikantinnen in der Acetylesterfabrik II".

Zum Ende des Jahres wandern diese Beiträge ins billigere World Wide Web aus. Ein Internet-Portal sei zeitgemäßer, heißt es bei BASF. Der teure Fernsehausflug darf damit wohl als gescheitert gelten - was das Unternehmen natürlich anders sieht.

Auch die Deutsche Bank verlegt ihr Fernsehen in die virtuelle Welt. Gegen Ende des Jahres integriert das Finanzinstitut das Programm in eine neue Intranet-Informationsplattform für Mitarbeiter. Die hohen Kosten dürften der Grund für diese Entscheidung sein.

Selbst einige Initiatoren geben zu, dass sich manches Projekt nicht wunschgemäß entwickelt hat. "Unser Programm ist in den Sparkassen noch nicht so stark vertreten, wie wir es uns wünschen", sagt S-TV-Programmdirektor Strässle. Und Professional-TV-Herstellungsleiter Andreas Weiß ist zwar vom eigenen Firmenerfolg überzeugt, doch er liegt mit der aktuellen Kundenzahl weit unter Plan: "Das ganze Thema Business-TV ist in Deutschland eine schleppende Geschichte."

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