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BASF verkauft Pharmasparte

Die BASF AG zieht sich sich aus dem Pharmageschäft zurück. Der amerikanische Konzern Abbott Laboratories will 6,9 Mrd für die Tochter Knoll AG zahlen.

HB FRANKFURT. Die BASF-Aktie legte am Donnerstag gegen den Trend erneut um 1 % auf 46,65 zu, während die Abbott-Aktie im frühen New Yorker Handel fast 4 % verlor.

Die Pläne der BASF unterstreichen den seit Jahren anhaltenden Trend zur Trennung von Pharma- und Chemieaktivitäten. So gab der amerikanische Chemiekonzern Du Pont am Donnerstag bekannt, seine Pharmasparte abzuspalten und als eigenständiges Unternehmen an die Börse zu bringen. In Deutschland plant Degussa bereits seit mehr als einem Jahr, seine Pharmatochter Asta Medica zu veräußern. Umgekehrt arbeiten Pharmaunternehmen intensiv daran, ihre noch verbliebenen Chemie- und Agrosparten abzugeben. Diesen Weg gingen zuletzt unter anderem Aventis und Novartis. Vor wenigen Tagen kündigte zudem auch der Bayer-Konzern an, über eine neue Struktur nachzudenken.

Im Falle der Chemiekonzerne hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass die Pharmasparten zu klein sind, um auf globaler Ebene mit den fokussierten Pharmariesen wie Merck & Co., Pfizer oder Glaxo Wellcome zu konkurrieren. Du Pont erzielte im Pharmageschäft Erlöse von 1,6 Mrd. $, die BASF von etwa 2,4 Mrd. $. Als Problem hat sich außerdem erwiesen, dass die Chemiemanager vielfach zu wenig Verständnis für die spezifischen Belange des Pharmageschäfts entwickelten. So verpasste BASF bereits in den 80er-Jahren die Gelegenheit, das von ihrer Tochter Knoll AG entdeckte Herzmittel Isoptin zu einem führenden Produkt zu entwickeln. In den USA leistete sie sich einen Marketingflop mit ihrem Schlankheitsmittel Meridia.

Anlass für die Verkaufsverhandlungen mit Abbott hat nun offenbar die Notwendigkeit gegeben, einen Partner für das Entwicklungsprodukt D2E7, ein aussichtsreiches Rheumamittel, zu finden. Analysten bewerteten die Pharmasparte zuletzt mit etwa 6 Mrd. $. Die Finanzschulden des Konzerns haben sich durch mehrere große Zukäufe, darunter die Agrosparte von American Home, innerhalb eines Jahres auf fast 8 Mrd. vervierfacht. Kenner des Unternehmens schließen aber auch nicht aus, dass der Konzern zunächst ein Pharma-Joint-Venture mit Abbott anstrebt. Das hätte den Charme, einen Verkauf zu einem späteren Zeitpunkt steuerfrei zu realisieren.

Für den Abbott-Konzern bietet ein Engagement bei BASF Pharma unterdessen eine Möglichkeit, sein Pharmageschäft zu verstärken. Der US-Konzern erzielte in den ersten neun Monaten 2000 einen Umsatz von 10 Mrd. $, davon 5,3 Mrd. $ mit Arzneimitteln und Krankenhausprodukten und jeweils rund 2,3 Mrd. $ mit Diagnostika und medizinischen Ernährungsprodukten.

Firmenchef Miles White, der Ende 1998 an die Spitze berufen wurde, hat dem zuvor eher zurückhaltenden Konzern einen aggressiveren Kurs verordnet. Handlungsdruck resultiert nicht zuletzt aus einer relativ schwachen Performance im Pharmageschäft, das lange Zeit hinter der Marktentwicklung zurückblieb und erst im dritten Quartal wieder stärker zulegte. Außerdem kämpfte der Konzern zuletzt mit erheblichen Problemen in seiner Diagnostikasparte.

Anders als die meisten großen US-Pharmafirmen ist Abbott in Europa bisher nur relativ schwach vertreten. In Deutschland verbucht der Konzern lediglich einen Pharmaumsatz von rund 120 Mill. DM und ist damit auf dem hiesigen Markt deutlich kleiner als BASF Pharma. Beobachter gehen daher davon aus, dass bei einer Übernahme durch Abbott der Sparte nur ein moderater Arbeitsplatzverlust droht. Dies wiederum dürfte die Zustimmung der Arbeitnehmervertreter im BASF-Aufsichtsrat erleichtern. BASF Pharma hat zur Ertragssteigerung bereits kräftig Personal abgebaut. Außerdem wurden in Vorbereitung auf einen Verkauf Randbereiche wie das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten und Nachahmerprodukten (Generika) veräußert sowie die Wirkstoffproduktion ausgegliedert.

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