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Bashar el Assad - der freundliche Modernisierer

Reibungslos ging in Syrien der Machtwechsel von Vater Hafez auf Sohn Bashar vor sich. Viele erwarten nun eine demokratische Öffnung.

Politische Erfahrung fehlt dem neuen syrischen Präsidenten Bashar el Assad . Bis zum Alter von 28 Jahren wollte der in Damaskus ausgebildete Mediziner von der Politik seiner Heimat nichts wissen, auch nichts von einer militärischen Karriere, die seinem Vater einst den Sprung zur Macht ermöglichte. Er zog Studien in England und eine Arztpraxis in London dem Damaszener Hexenkessel vor.

Bis zum Tod seines Vaters Hafez am vergangenen Samstag bekleidete Bashar kein öffentliches Amt. Lediglich die - für Syrien sehr wichtige - Verantwortung für den Libanon wurde ihm vor mehr als einem Jahr übertragen.

Der für 17. Juni geplante Parteikongreß der regierenden "Baath" sollte schließlich auch offiziell Bashars Weg zur Macht ebnen. In die Öffentlichkeit trat Bashar erst vor etwa drei Jahren, zunächst primär durch seine Arbeiten in der Syrischen Computer-Gesellschaft. Diese Institution versucht, Computertechnik in ein Land einzuführen, das bis heute noch relativ isoliert blieb vom digitalen Zeitalter. Bashar setzte sich im Prinzip dafür ein, dass jeder syrische Haushalt einen Computer erhält, eine revolutionäre Idee, da Meinungsfreiheit rücksichtslos unterdrückt wird.

"Lasst die Menschen lesen und selbst entscheiden, was sie wollen", betonte er jüngst in einem Interview mit der panarabischen "Al-Hayat". Die Syrer haben unterdessen diesen freundlichen jungen Mann als "Modernisierer" kennen gelernt, einen Intellektuellen, der - im Gegensatz zu seinem Vater - neben Arabisch Französisch und Englisch fließend beherrscht, der den Westen kennen lernte und der den Syrern eine neue Ära mit größerer und vor allem ökonomischer Öffnung verspricht.

Bashar spricht auch gerne von demokratischen Reformen, von Menschenrechten in einem Land, in dem Hunderte von politischen Häftlingen - viele ohne Prozess - seit Jahren in Gefängnissen schmachten. "Dialog ist der beste Weg", liebt er zu sagen. Doch vorerst haben ihnen die Realitäten der politischen Zwänge in seiner Heimat eines anderen belehrt.

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