Basketball-Bundesliga hofft nach erfolgreicher WM auf Boom
Das Ende der Turnhallen

Am Donnerstag beginnt die neue Basketball-Saison. Es ist die erste nach der WM, bei der Deutschland mit Bronze überraschte. Trotz großer Euphorie aber wurden die meisten Etats abgespeckt.

KÖLN. Otto Reintjes erinnert sich gern an den August. "Es war wunderbar, dass alle über Basketball gesprochen haben", sagt der Generalmanager der Bundesliga. Bei der Weltmeisterschaft in Indianapolis hatte die deutsche Nationalmannschaft für Furore gesorgt und überraschend die Bronzemedaille gewonnen. Jetzt hoffen Reintjes und andere Bundesliga-Verantwortliche darauf, dass der frische internationale Glanz ein wenig auf den Meisterschaftsalltag abfärbt. Immerhin spielen acht Akteure aus dem WM-Kader in der Liga. Reintjes weiß: "Jetzt muss auch dort die sportliche Leistung stimmen, damit das positive Image nicht sofort wieder verloren geht."

In den vergangenen drei Jahren stiegen die Zuschauerzahlen stetig, alleine im vergangenen Jahr um 15 Prozent auf 676 000. Jedes Wochenende gibt es eine halbstündige Zusammenfassung des Spieltages auf Sat1, direkt vor der Fußballsendung "ran" am Sonntag. Darüber hinaus zeigt das DSF jeweils ein Topspiel. "Wir hoffen dadurch, noch mehr Zuschauer zu bekommen", sagt Reintjes. In der abgelaufenen Saison sahen im Schnitt 500 000 Zuschauer die Zusammenfassung und 180 000 das Spitzenspiel.

Der Gesamt-Haushalt der Liga ist dennoch gegenüber der Vorsaison (23,5 Millionen Euro) um rund zehn Prozent gesunken. Mit Ausnahme von Bamberg, Oldenburg, dem Mitteldeutschen BC und Ludwigsburg mussten alle Klubs den Gürtel enger schnallen. Reintjes jedoch sieht das anders. Die Liga sei finanziell gesund - schließlich hätten einige Klubs ihre Etats ja sogar halten oder aufstocken können. Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage, so der Ligamanager, sei dies nicht zuletzt ein Indiz für die erfolgreiche Arbeit der Vereine hier zu Lande.

Seit Juli 2000 ist der ehemalige Nationalspieler Reintjes Manager der Basketball GmbH. -Bundesliga "Ich will die Sportart weiter popularisieren, eine Position auf dem Unterhaltungsmarkt erreichen." Für die kommende Saison hat er sich einiges vorgenommen, so auch ein monatliches Basketball-Magazin. Außerdem wurde ein Kooperationsvertrag mit der Ufa GmbH-Theater abgeschlossen, die Liga geht quasi kollektiv ins Kino und präsentiert Basketball-Spots.

Stolz ist Reintjes, dass sich die deutsche Liga über den Markt finanziert. "Wir bekommen keine staatlichen Zuschüsse wie die Franzosen und haben keinen Mäzen wie die Griechen oder Türken." Und mit einem Ärgernis ist auch bald Schluss: In einem Jahr sind alle Neubauten abgeschlossen, und sämtliche Vereine spielen in modernen Hallen. Reintjes: "Dann kommen wir endgültig weg vom Turnhallen-Image."

Das gilt für Abo-Meister Alba Berlin schon lange. Der Hauptstadt-Klub hat freilich einige Abgänge zu beklagen: Mit Wendell Alexis hat der Mann für die entscheidenden Punkte den Klub verlassen. Auch Derrick Phelps und Dejan Koturovic sind weg. Mit DeJuan Collins und Jovo Stanojevic hat Berlin aber Ersatz gefunden. Auch Vizemeister Rhein-Energie Cologne musste einen wichtigen Mann abgeben: Trainer Svetislav Pesic an den FC Barcelona. Nachfolger ist der ehemalige Manager des Vereins, Ex-Nationalspieler Stephan Baeck. Und mit Geert Hammink wechselt ein 2,11 m langer Niederländer mit NBA- und Griechenland-Erfahrung zu dem Verein, der sich zuletzt noch Rhein-Energy nannte und nun eingedeutscht wurde.

Für Dirk Bauermann, Trainer von TSK Bamberg, sind die Kölner Favorit: "Es ist kein wichtiger Spieler gegangen, und sie haben sich gezielt verstärkt." Im Übrigen verzeichneten die Vereine ein reges Kommen und Gehen. Die 14 Klubs meldeten mit 96 Zu- und 101 Abgängen ein Wechselspiel wie nie zuvor. Damit wurde sogar der Rekord aus der Saison 2000/2001 (163 Transfers) klar in den Schatten gestellt.

Ab Donnerstag spielen die 14 Bundesligisten zunächst eine Hauptrunde, in der alle Mannschaften zwei Mal aufeinander treffen. Die besten acht Teams kämpfen danach in den Playoffs um den Titel. "Wer Meister werden will, muss Alba hinter sich lassen. Die Berliner sind mein Favorit, schon aus Tradition", sagt Bundestrainer Henrik Dettmann. Otto Reintjes hingegen will sich auf keine Favoriten festlegen. "Ich denke, die Saison wird recht ausgeglichen verlaufen", sagt er. Mit Berlin, Köln, Bonn und Frankfurt erwartet er die finanzstärksten Klubs vorne. Spitzenreiter ist trotz deutlicher Reduzierung Alba Berlin mit 4,4 Millionen Euro. Am unteren Ende rangiert Würzburg, das den Budget um fast die Hälfte auf 700 000 Euro kürzen musste.

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