Basketball Olympia
Kidd: "Zeit, endlich Gold zu gewinnen"

Die US-Korbjäger wollen ihrer Nation in Peking nach einer achtjährigen Durststrecke endlich den ersehnten Titel schenken. "Es wird Zeit, endlich Gold zu gewinnen", sagt Jason Kidd.

Es lag ein Hauch von Hollywood über dem ersten Auftritt der NBA-Stars aus den USA auf der Olympia-Bühne. Kobe Bryant wurden in Peking auf einer Pressekonferenz präsentiert wie Kandidaten für den Basketball-Oscar. Die Hauptdarsteller selbst demonstrierten im Blitzlichtgewitter zunächst mal amerikanische Lässigkeit. Ihre anschließenden Aussagen hingegen verrieten nach acht Jahren ohne Titel bei Weltmeisterschaften oder Olympia allerhöchste Anspannung und sogar Verunsicherung.

James: "Goldmedaille mehr wert als NBA-Titel"

"Es wird Zeit, endlich Gold zu gewinnen", appellierte Jason Kidd, Teamkollege von Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks. Lebron James, Mitglied jener NBA-Repräsentanten, die sich zuletzt bei der WM 2006 in Japan (Platz drei) blamierten, sprach dem Auftritt bei Sommerspielen grundsätzliche Bedeutung zu: "Ein Goldmedaille ist für alle Spieler mehr wert als ein Titel in der NBA."

Der dreimalige NBA-Champion Bryant versuchte, letzte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der "Mission Gold" zu beseitigen: "In der NBA spielst du für ein Produkt. Wenn du aber das US-Trikot überstreifst, bist du der Repräsentant eines großen Landes. Wir werden alles tun, um Gold zu gewinnen - für die USA und für unsere Truppen in Übersee."

Momente wie zuletzt 2004 bei den Sommerspielen in Athen (Bronzemedaille) oder der WM 2002 in Indianapolis (Platz sechs), als sich Hohn und Spott über die Basketball-Millionäre ergossen, möchte das Team von Coach Mike Krzyzewski nicht noch einmal erleben.

Duell gegen China "historisches Ereignis"

"Die Lektionen waren sehr schmerzhaft. Wir haben begriffen, dass die anderen Länder mächtig aufgeholt haben", meinte Dwyane Wade von den Miami Heat mit Blick auf die schwere Vorrunden-Gruppe A, in der die USA gleich zum Auftakt am Sonntag (22.15 Uhr Ortszeit/16.15 Uhr Mesz) auf Gastgeber China mit NBA-Profi und Volksheld Yao Ming von den Houston Rockets treffen. "Das wird ein historisches Ereignis. Nie zuvor in der Sportgeschichte werden so viele Menschen ein Spiel gesehen haben", glaubt Deron Williams. Auf der Tribüne soll angeblich auch US-Präsident George W. Bush sitzen.

Wegen der enormen Wertigkeit bat Coach Krzyzewski sein Starensemble direkt nach der Presskonferenz zur nächsten Trainingseinheit. Auf dem Programm standen erneut Taktiken gegen die in Europa verbreitete Zonenverteidigung. Die bereitete den Hochkarätern aus der NBA bei den letzten Turnieren ebenso Probleme wie das physische Spiel unter dem Korb. "Da wird härter zugelangt und weniger gepfiffen. Ich persönlich mag das", ergänzte Jason Kidd.

Die Zeiten, in denen sich die NBA-Profis gerade mal drei Wochen vor Titelkämpfen trafen, um anschließend die Gegner dank ihrer individuellen Stärken zu besseren Trainingspartnern zu degradieren, gehören längst der Vergangenheit an. Fast drei Jahre läuft inzwischen das Programm für die Rückkehr auf den Basketball-Olymp. Coach Krzyzewski bedient sich europäischer Traditionen, setzt auf Teamgeist und Disziplin. "Wir haben viele Stars, aber nur eine Mannschaft", bestätigte Kidd, mit 35 Jahren der Senior im stark verjüngten Kader.

Nur in einem Punkt sind sich die Nachfolger des legendären Dream Teams von 1992 in Barcelona treu geblieben: Sie nächtigen weiterhin fernab des Trubels im noblen Interconti Hotel in Peking. Am Mittwochabend absolvierten sie ihren kurzen Pflichtbesuch im olympischen Dorf. "Ich habe unsere Schwimmer getroffen und die argentinischen Basketballer", erzählte Kobe Bryant: "Überall waren Sportler aus fremden Ländern. Es war wie in einer Disney World für Athleten." Doch am Ende stellte Jason Kidd fest: "Diese Hektik im Dorf über zwei Wochen würde die Konzentration auf unsere schwere Mission nur stören."

© SID

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