Bastürk rettet Bayer Leverkusen
Calmund: „Die Nerven lagen blank“

Klaus Augenthaler hat seine Rettungs-Mission erfüllt und Bayer 04 Leverkusen ausgerechnet an seiner früheren Wirkungsstätte in Nürnberg vor dem Bundesliga-Abstieg bewahrt. Der letztjährige Vize-Meister behielt am Samstag im Frankenstadion die Nerven und besiegte Absteiger 1. FC Nürnberg mit 1:0 (1:0). Zum Retter der Rheinländer wurde Yildiray Bastürk: Der Türke erzielte in der 36. Spielminute nach einem schweren Abwehrfehler des 18 Jahre alten Bundesliga-Debütanten Dominik Reinhardt das Tor des Tages.

HB/dpa NÜRNBERG. Nach dem Schlusspfiff tanzten die Leverkusener Akteure wie nach einem Titelgewinn auf dem Rasen und ließen sich von den mitgereisten Anhängern feiern. Anders Augenthaler: Mit unbewegter Miene entschwand er sofort kommentarlos, aber unendlich erleichtert in die Kabine. Wenige Minuten später kehrte er zurück und begab sich gemeinsam mit Manager Reiner Calmund in die Fan-Kurve. "Das war die schwerste Saison für mich", sagte Calmund nach dem verdienten Zittersieg. "Heute lagen die Nerven blank." Augenthaler freute sich nach seinem zweiten Sieg im zweiten Spiel eher still. "Jetzt können wir erst mal durchschnaufen", sagte der Weltmeister von 1990.

31 182 Zuschauer im Frankenstadion empfingen Augenthaler, der noch am 30. Spieltag auf der Trainerbank des "Club" gesessen hatte, ohne große Emotionen. Die Blicke der Fußball-Fans in Deutschland richteten sich nach den Manipulationsvorwürfen aus Bielefeld vor allem auf die Nürnberger Mannschaft, die im Abstiegskampf das Zünglein an der Waage spielen konnte. Wolfgang Wolf, Augenthalers Nachfolger in Nürnberg, konnte nur eine Notelf mit einigen Amateuren aufbieten, die aber sehr engagiert zu Werke ging und keinen Anlass zu Diskussionen gab.

Zum Unglücksraben wurde ausgerechnet der junge Reinhardt. Der Sohn von Ex-Profi Alois Reinhardt wurde nach 27 Minuten für den angeschlagenen Innenverteidiger Thomas Stehle eingewechselt und machte gleich einen verheerenden Fehler. Er vertändelte vor Bastürks Treffer den Ball an der Torauslinie gegen Marko Babic, der den Torschützen maßgerecht bediente.

Wie schon 1996, als sich Leverkusen ebenfalls erst am letzten Spieltag nach einem 1:1 im direkten Abstiegsduell gegen den 1. FC Kaiserslautern retten konnte, zog Bayer auch dieses Mal den Kopf aus der Schlinge. Augenthaler hatte exakt der Mannschaft vertraut, die vor einer Woche im ersten Spiel unter seiner Regie gegen den TSV 1860 München mit 3:0 gewonnen hatte. Allerdings war den Bayer-Profis der nervliche Druck während des gesamten Spiels anzumerken. Für erste Verzweiflung auf der Ersatzbank sorgte beim Stand von 0:0 Stürmer Dimitar Berbatow, der es fertig brachte, nach einer Babic-Flanke den Ball freistehend aus fünf Metern neben das Tor zu köpfen.

Dem "Club" fehlte es bei allem Engagement einmal mehr an der Durchschlagskraft im Sturm. Cacau war ein Totalausfall, Sasa Ciric rieb sich in Zweikämpfen auf. Für den glücklosen Torjäger kam nach dem Seitenwechsel Martin Driller, aber auch der Routinier bewegte nur wenig. Großes Glück hatte Bayer trotzdem, dass Cacau bei seinem vermeintlichen Ausgleichstor offenbar im Abseits war. "Unser Problem ist ganz klar die Offensive", übte auch Trainer Wolf Kritik am eigenen Angriff.

Augenthalers Leiden auf der Bayer-Bank hätte Nationalspieler Oliver Neuville frühzeitiger beenden können, der allerdings frei vor dem sehr guten Nürnberger Schlussmann Darius Kampa zu zögerlich war. Oft war es stümperhaft, was die Leverkusener Offensive gegen die junge und unerfahrene Nürnberger Hintermannschaft zu Wege brachte. Allein Torschütze Bastürk und Weltmeister Lucio überzeugten.

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