Bau von Hochhäusern vorerst auf Eis
Bankenkrise lässt Wolkenkratzer wackeln

Die Ertragskrise der deutschen Kreditwirtschaft bremst die Investitionsbereitschaft der Banken. So wird vorläufig von den fünf geplanten neuen Türmen im Frankfurter Bankenviertel lediglich der der Commerzbank gebaut: Angesichts der angespannten Lage bei Deutschlands drittgrößter Bank durchaus eine Überraschung.

FRANKFURT/M. Die deutschen Banken wollen weiterhin hoch hinaus. Im Bebauungsplan "Bankenviertel" der Stadt Frankfurt sind fünf neue Hochhausprojekte zu finden. Dies sind die Deutsche Bank mit "Max", die Commerzbank, die Frankfurter Sparkasse (Fraspa), das Bankhaus Metzler sowie die Zürich-Versicherung. Hinzu kommt noch die Aufstockung des Gebäudes des Privatbankhauses Hauck & Aufhäuser.

Allerdings haben die Pläne durch die anhaltende Ertragskrise der Kreditwirtschaft einen Dämpfer bekommen. Vier der fünf geplanten Wolkenkratzer sind vorerst zurückgestellt. "Jetzt und heute baut kein Mensch ein Hochhaus", sagt Thomas Norweg von der Deutsche-Bank-Tochter DB Real Estate Management. Martin Neitzke vom Stadtplanungsamt Frankfurt sieht aber auch die Banken in der Pflicht: "Wir haben die politisch administrativen Rahmenbedingungen geschaffen, die der Wirtschaft die Möglichkeit geben zu investieren," versichert er.

Lediglich die Commerzbank und Hauck & Aufhäuser halten planmäßig an ihren neuen Gebäuden fest. Im Frühjahr sollen die Abrissbirnen für die Gebäude der Hypothekenbank-Tochter Rheinhyp anrollen, die nach der Fusion mit Eurohypo (Deutsche Bank) und Deutsche Hyp (Dresdner Bank) nicht mehr gebraucht werden. Angesichts der prekären Lage der Commerzbank, die gerade eine neue Sparrunde und den teilweisen Rückzug aus dem Investment-Banking angekündigt hat, wirkt die Investition von rund 600 Mill. Euro für das "Kaiserkaree" merkwürdig. Aber offensichtlich dennoch notwendig: Der vor rund fünf Jahren neu errichtete Wolkenkratzer in der Frankfurter City ist nach Angaben aus Immobilienkreisen zu 25 % überbelegt.

Dagegen ist bei anderen Bauvorhaben angesichts der angespannten Lage der deutschen Kreditwirtschaft der "Dampf raus", wie es ein Banker formulierte. So liegt auch die prominenteste Baustelle derzeit brach: Der Neubau des 240 Mill. teuren und 168 Meter hohen neuen Büroturms der Zürich-Versicherung neben der Alten Oper.

Das alte Gebäude ist längst abgerissen, aber der Neubau stockt. "Wir warten auf grünes Licht des Gesamtvorstands in der Schweiz", sagt ein Sprecher. Er bezeichnet dies als reine Formsache. Zweifel an der Vollendung des Bauvorhabens lässt er nicht aufkommen. Er räumt aber ein, dass es "in den vergangenen sechs bis acht Wochen andere Prioritäten gegeben hat." Neitzke ist etwas skeptischer: "Es ist ja zu lesen, dass Zürich mit der Kapitalaustattung und dem Wert des Unternehmens ein Problem haben."

Auch das Bankhaus Metzler, das einen neuen Turm in der Junghofstraße plant, hält sich zurück. "Wir befinden uns in Gesprächen mit der Stadt, aber das ist ein langfristiges Projekt", sagt Metzler-Sprecher Matthias Butzlaff. Geplant ist ein 175 Meter hoher Doppelturm, der gemeinsam mit der slowenischen Handelsbank LHB errichtet werden sollte. Stattdessen wird der Bau eines kleinen Gebäudes am Main vorangetrieben.

Die Frankfurter Sparkasse, die gemeinsam mit der Württembergischen Hypothekenbank, einer Tochter der Hypo-Vereinsbank, einen 200 Meter hohen Doppelturm errichten wollte, wartet ebenfalls ab: "Das Hochhausprojekt wird angesichts der ungünstigen Lage auf dem Immobilienmarkt nur noch mit niederer Priorität verfolgt", sagte der stellvertretende Vorstandssprecher Gerhard Gritsch in einen Pressegespräch. Ein Sprecher der Fraspa betont, dass das Projekt plangemäß vorangetrieben werden. Allerdings scheint auch eine Vermietung oder ein Verkauf nicht mehr ausgeschlossen. "Wir sind für alle Optionen offen", sagt der Sprecher.

"Max", das 600 Mill. Euro teure Projekt der Deutschen Bank, ist "nicht gestorben, aber zurückgestellt", so Norweg. Er schiebt es auf die schlechte Nachfrage nach Bürofläche. "Das kann man nicht auf die Schiene setzen, ohne einen Abnehmer zu haben." Max war von Anfang an nicht für die Deutsche Bank selbst , sondern für die Drittverwendung vorgesehen. 228 Meter hoch soll der neue Turm gegenüber dem Commerzbank-Hochhaus werden und eine Bruttogeschossfläche von 155 000 Quadratmetern haben.

Neitzke ist allerdings zuversichtlich, dass auch die übrigen Investoren über kurz oder lang loslegen werden: "Ich habe wenig Angst um diesem Standort." Frankfurt stehe immerhin nach der neuesten Untersuchung "European Cities Monitor" der Beratungsfirma Cushman Healey & Baker auf Platz drei der beliebtesten Firmenstandorte. Hinter namhaften Plätzen wie London und Paris zwar, aber immer noch vor München oder Berlin, Mailand oder Madrid.

Insgesamt verfügt die Mainmetropole über bestehende und geplante Bürogeschossflächen einschließlich Leerständen von rund 15 Mill. Quadratmetern, davon allein 750 000 Quadratmeter im Bankenviertel.

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